Under Canopies (Assemble Entertainment)
Oktober 2026
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Vergiss den Stress. In dieser gemütlichen Simulation wirst du eins mit der Natur. Baue deine Hütte Stück für Stück, koche komplexe Gerichte und fotografiere seltene Tiere. Ein friedliches Erlebnis, bei dem Ineffizienz der einzige Feind ist.
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Entwickler: Novemtails
Genre: Survival-Craft
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79%
Spielspaß 77%
Wiederspielbarkeit 74%
Langzeitmotivation 79%
Grafik 75%
Umsetzung |
| Under Canopies gefällt mir vor allem wegen einer erstaunlich simplen Entscheidung. |

Survival, aber bitte ohne Axt im Schädel
Wenn irgendwo „Open World Survival Craft“ steht, weiß ich normalerweise schon ziemlich genau, was mich erwartet. Ich sammle Holz, schlage Steine klein, baue eine Werkbank und spätestens zehn Minuten später versucht irgendein Wolf, Kannibale oder mutierter Hirsch herauszufinden, wie viel Lebensenergie meine Spielfigur besitzt. Under Canopies schaut sich dieses Genre an und entscheidet sich bewusst dafür, einen ziemlich wichtigen Bestandteil herauszunehmen: die Gefahr.
Hier gibt es keinen Kampf, keine Jagd auf Tiere und keine Kreaturen, die nachts meine frisch gebaute Hütte auseinandernehmen möchten. Statt gegen die Natur anzutreten, soll ich mit ihr leben. Ich sammle Ressourcen, baue mir eine Unterkunft, pflanze Gemüse an, koche, kümmere mich um Tiere und fotografiere die Bewohner des Waldes. Seit dem 23. Oktober 2026 befindet sich das Spiel im Early Access, wobei Entwickler Novemtails zunächst ungefähr drei Monate für diese Phase eingeplant hat.
Das klingt zunächst fast nach Survival ohne Survival. Tatsächlich funktioniert der Ansatz aber erstaunlich gut, weil Under Canopies die üblichen Überlebensmechaniken nicht vollständig entfernt, sondern lediglich den Stress reduziert.

Hunger habe ich trotzdem
Meine Spielfigur besitzt weiterhin Bedürfnisse wie Hunger, Durst, Energie und Körpertemperatur. Wer also einfach stundenlang ziellos durch den Wald läuft und keinerlei Nahrung vorbereitet, wird irgendwann Probleme bekommen. Der Unterschied liegt darin, dass die Systeme eher einen Rhythmus erzeugen sollen, anstatt permanent mit dem Tod zu drohen.
Ich sammle Pflanzen, Pilze, Holz und Steine, stelle Werkzeuge her und baue mir nach und nach eine kleine Existenz im Wald auf. Gerade am Anfang erinnert das durchaus an klassische Survivalspiele. Baum fällen, Material einsammeln, Werkbank benutzen, bessere Werkzeuge herstellen – all diese bekannten Schritte sind vorhanden.
Nur entsteht dabei eine völlig andere Atmosphäre. Ich muss nicht ständig über die Schulter schauen und mich fragen, ob hinter dem nächsten Baum irgendetwas steht, das mich fressen möchte. Dadurch kann ich tatsächlich einmal überlegen, wie ich meine Hütte gestalten oder welchen Bereich des Waldes ich als Nächstes erkunden möchte.
Bauen ist mehr als nur vier Wände und ein Bett
Der Hausbau gehört zu den wichtigsten Bestandteilen. Statt eine komplett fertige Hütte irgendwo hinzustellen, kann ich sie aus verschiedenen Bauteilen zusammensetzen und anschließend mit Möbeln, Dekorationen und selbst hergestellten Gegenständen ausstatten. Unterschiedliche Baumaterialien erlauben dabei zunehmend individuellere Gebäude.
Gerade für ein gemütliches Spiel ist das wichtig. Wenn ich Stunden in derselben Welt verbringen soll, möchte ich irgendwann auch das Gefühl haben, dass dieser Ort wirklich meiner geworden ist. Under Canopies versteht das ziemlich gut. Eine erste zweckmäßige Bretterbude entwickelt sich langsam zu einem deutlich gemütlicheren Zuhause.
Ganz ausgereift ist das System allerdings noch nicht. Seit dem Early-Access-Start musste Novemtails bereits mehrfach Probleme mit Treppen, Dächern, Wandverbindungen, Türrahmen und Platzierungsregeln korrigieren. Auch das Snapping der Bauteile wurde nachträglich verbessert.
Das zeigt ziemlich gut, wo das Spiel aktuell steht. Die Grundidee funktioniert, aber gerade beim Bauen merkt man noch, dass Komfort und technische Zuverlässigkeit weiter verfeinert werden müssen.

Mehr als dreißig Gerichte statt gebratener Beeren
Kochen ist erfreulich umfangreich angelegt. Über dreißig Rezepte stehen bereits zur Verfügung, wobei Zutaten nicht einfach nur eingesammelt, sondern teilweise selbst angebaut oder über Tiere gewonnen werden.
Das gefällt mir deutlich besser als das typische Survival-Kochen, bei dem ich zehn Stunden lang dasselbe Stück Fleisch über ein Lagerfeuer halte. Landwirtschaft und Küche greifen hier sinnvoll ineinander. Ich baue Pflanzen an, kümmere mich um meine Beete, ernte Zutaten und verarbeite sie anschließend zu unterschiedlichen Gerichten.
Natürlich bleibt auch dieses System eher gemütlich als hochkomplex. Wer eine ausgefeilte Landwirtschaftssimulation erwartet, wird nicht plötzlich Stardew Valley aus der Ego-Perspektive bekommen. Die Landwirtschaft dient stärker als ein weiterer Bestandteil meines Lebens im Wald.
Gerade dadurch passt sie aber gut zum Gesamtbild. Fast alles, was ich mache, verbessert entweder meine Selbstversorgung oder macht meinen kleinen Rückzugsort persönlicher.
Tiere werden nicht erschossen, sondern fotografiert
Für mich ist das Fotografieren eine der sympathischsten Ideen des Spiels. Tiere dienen nicht als Ressourcenquelle für Leder und Fleisch, sondern werden beobachtet und dokumentiert. Mit der Kamera kann ich Wildtiere fotografieren und dadurch mein Album beziehungsweise Naturtagebuch vervollständigen. Die Fotografie ist gleichzeitig Teil der Progression: neue Arten finden, besondere Momente festhalten und Vertrauen zu Tieren aufbauen erweitert nach und nach die Sammlung.
Das verändert meine Wahrnehmung der Welt erstaunlich stark. In anderen Survivalspielen sehe ich ein Tier und denke automatisch darüber nach, welche Materialien es fallen lassen könnte. Hier freue ich mich eher darüber, eine neue Art entdeckt zu haben.
Genau dadurch unterstützt die Mechanik das eigentliche Thema. Under Canopies erzählt zwar keine besonders aufwendige Geschichte, vermittelt aber spielerisch sehr klar, dass Natur nicht einfach ein riesiger Vorratsschrank ist.

Hühner, Schafe und Bienen gehören irgendwann zum Alltag
Neben wilden Tieren gibt es auch domestizierte Arten. Hühner liefern Eier, Schafe Wolle und Bienen weitere nutzbare Ressourcen. Allerdings muss ich mich zuerst um diese Tiere kümmern und teilweise ihr Vertrauen gewinnen.
Gerade diese Beziehungen machen deutlich mehr Spaß, als ich zunächst erwartet hätte. Es ist natürlich kein hochentwickeltes Lebenssimulationssystem mit komplexen Persönlichkeiten, aber Tiere fühlen sich dadurch wenigstens nicht wie bloße Produktionsmaschinen an.
Allerdings gehört gerade dieser Bereich aktuell noch zu den technisch anfälligeren Systemen. Nach Veröffentlichung gab es mehrere Fehler, bei denen Tiere Freundschaftsfortschritt verloren, nicht mehr reagierten oder bestimmte Belohnungen nicht korrekt freigeschaltet wurden. Bereits am 26. Oktober erschien deshalb ein Update, das zahlreiche dieser Probleme korrigierte.
Wieder gilt: Die Ideen gefallen mir, der Early Access ist aber deutlich sichtbar.
Der Wald soll erkundet werden, nicht abgearbeitet
Die Spielwelt wird als Sanctuary bezeichnet und besteht aus Wäldern, Flüssen, Blumenwiesen, Bergen und versteckten Bereichen. Es gibt Ressourcen, Tierarten und kleinere Geheimnisse zu entdecken, außerdem findet man Briefe und andere Hinweise auf die Vergangenheit dieses Ortes.
Das Erkunden funktioniert vor allem wegen der entspannten Grundstimmung. Ich werde nicht alle drei Meter von einem Gegner unterbrochen und muss auch keine riesige Karte mit hundert Missionssymbolen abarbeiten. Stattdessen kann ich einfach loslaufen und schauen, was hinter dem nächsten Hügel liegt.
Natürlich besitzt diese Ruhe auch eine Kehrseite. Wer permanente Aufgaben oder spektakuläre Ereignisse benötigt, wird die Welt schnell als leer empfinden. Under Canopies erwartet, dass ich Freude am Erkunden selbst habe. Einen seltenen Vogel zu entdecken oder einen schönen Platz für eine zweite Hütte zu finden, muss mir als Belohnung zumindest teilweise genügen.

Der eigentliche Gegner ist manchmal das Inventar
Ganz ohne Frust kommt das gemütliche Waldleben trotzdem nicht aus. Besonders Inventarverwaltung und Crafting gehörten direkt nach Veröffentlichung zu den Bereichen, die Spieler und Entwickler beschäftigt haben.
Novemtails hat deshalb bereits nach wenigen Tagen automatische Stapelung verbessert, einen Pickup-Filter hinzugefügt und erlaubt inzwischen, grundlegende Zutaten direkt an der Werkbank herzustellen, ohne das aktuelle Rezept verlassen zu müssen. Auch Hunger und Durst wurden etwas langsamer gemacht.
Diese Änderungen zeigen, dass das ursprüngliche System teilweise unnötig umständlich war. In einem Spiel, das ausdrücklich Entspannung verspricht, fallen solche Komfortprobleme besonders stark auf. Wenn ich zehn Minuten lang Inventarstapel sortiere, während das Spiel mir gleichzeitig erklären möchte, wie friedlich mein Waldleben ist, entsteht ein kleiner Widerspruch.
Die Richtung der Updates stimmt allerdings. Innerhalb weniger Tage wurden genau jene Kleinigkeiten verbessert, die bei täglichen Abläufen ständig nerven können.
Hinter Under Canopies steckt im Wesentlichen ein Entwickler
Interessant ist auch die Entstehungsgeschichte. Novemtails ist das Indie-Label des mexikanischen Entwicklers Roberto Ortiz, der Under Canopies als Soloentwickler aufgebaut hat. Assemble Entertainment kam später als Publisher hinzu und unterstützt das Projekt seit 2026 bei der Veröffentlichung und Weiterentwicklung.
Das erklärt einerseits, warum manche Systeme noch etwas rau wirken. Gleichzeitig finde ich bemerkenswert, wie viele unterschiedliche Mechaniken bereits zusammenspielen. Bauen, Farming, Kochen, Survivalwerte, Fotografieren und Tierpflege sind keine völlig voneinander isolierten Minispiele.
Die Herausforderung wird nun sein, diese vorhandenen Systeme tiefer zu machen, statt einfach immer noch weitere anzuhängen. Gerade ein kleines Team kann schnell in die Falle geraten, zwanzig nette Ideen zu besitzen, von denen keine wirklich genug Tiefe entwickelt.

Der Early Access ist noch sehr früh
Das sollte man bei einer aktuellen Bewertung besonders deutlich berücksichtigen. Die Entwickler sagen selbst, dass die momentane Version zwar die zentralen Systeme enthält, aber weder das narrative Ende noch die geplante vollständige Inhaltstiefe erreicht hat.
Geplant sind unter anderem eine Höhle mit einer Quest rund um einen großen Axolotl, zusätzliche Hintergrundgeschichte über das Sanctuary, neue Ressourcen- und Craftingstufen, weitere Bauoptionen wie Baumhäuser und Wachtürme sowie zusätzliche Möglichkeiten für Fotografie und Tierinteraktion.
Diese Dinge bewerte ich natürlich noch nicht als vorhandenen Inhalt. Sie zeigen lediglich, dass die jetzige Version bewusst noch nicht das vollständige Spiel darstellt.
Gerade deshalb sollte niemand kaufen, weil irgendeine Roadmap fantastisch klingt. Entscheidend ist, ob einem das bereits vorhandene Sammeln, Bauen, Kochen, Erkunden und Fotografieren momentan genug Beschäftigung bietet.
Optisch ist der Wald angenehm, aber keine technische Sensation
Grafisch arbeitet Under Canopies mit einem farbenfrohen, leicht stilisierten Look. Bäume, Pflanzen und Tiere wirken freundlich und passen dadurch hervorragend zur entspannten Grundstimmung.
Eine technische Referenz ist das Spiel allerdings nicht. Manche Animationen und Modelle sind recht einfach gehalten, und die Welt gewinnt stärker durch Farbgebung und Atmosphäre als durch enorme Detaildichte.
Das ist für mich vollkommen in Ordnung. Ein gemütliches Survivalspiel braucht keine fotorealistischen Baumrinden. Viel wichtiger ist, dass ich gerne durch den Wald laufe und mir vorstellen kann, dort meine kleine Hütte zu bauen.
Mit rund drei Gigabyte Speicherbedarf bleibt das Ganze außerdem erfreulich kompakt. Die Hardwareanforderungen sind ebenfalls moderat; bereits ältere Mittelklasse-Grafikkarten wie GTX 670 oder R9 270 werden als Minimum angegeben.

Deutsch ist direkt vorhanden
Positiv ist die Sprachunterstützung. Bereits im Early Access gibt es eine deutsche Benutzeroberfläche, dazu Englisch, Spanisch, Japanisch, Russisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch und vereinfachtes Chinesisch.
Sprachausgabe gibt es nicht, was angesichts des eher systemorientierten Spiels allerdings kaum stört. Wichtiger ist, dass Craftingrezepte, Hinweise und Tutorials verständlich lokalisiert sind.
Gerade weil die Entwickler nach dem Steam Next Fest ausdrücklich an Tutorial, Inventar und allgemeinen Erklärungen gearbeitet haben, ist dieser Punkt nicht ganz unwichtig. Spielerfeedback hatte genau dort noch Verbesserungsbedarf gesehen.
Die ersten Spieler mögen das Konzept
Die Anzahl der Rezensionen ist noch viel zu klein für einen belastbaren langfristigen Trend. Aktuell weist Steam ungefähr 97 Prozent positive Bewertungen bei etwas über 40 Rezensionen aus.
Das ist natürlich ein ausgesprochen guter Start, aber bei dieser geringen Zahl können wenige zusätzliche Bewertungen die Quote noch deutlich verändern.
Interessanter finde ich, worauf bereits während des Steam Next Fest positiv reagiert wurde. Besonders Atmosphäre, Wildtiere, Fotografie und die komplett kampffreie Survivalidee wurden gelobt. Gleichzeitig kamen Verbesserungsvorschläge zu Tutorial, Steuerung, Inventar, Lagerung und allgemeinem Feinschliff – also ziemlich genau jene Punkte, an denen seitdem sichtbar gearbeitet wird.

Fazit – Survival muss nicht immer bedeuten, dass alles mich töten möchte
Under Canopies gefällt mir vor allem wegen einer erstaunlich simplen Entscheidung: Natur wird hier nicht automatisch zum Feind erklärt.
Natürlich muss ich weiterhin essen, trinken, Materialien sammeln und meine Ausrüstung verbessern. Trotzdem fühlt sich das Spiel vollkommen anders an als viele andere Survival-Crafting-Titel. Tiere sind nicht einfach Fleisch und Leder auf vier Beinen, sondern werden fotografiert, gepflegt oder langsam an mich gewöhnt. Der Wald ist kein Hindernis zwischen zwei Ressourcenpunkten, sondern eigentlich der Hauptgrund, warum ich überhaupt unterwegs bin.
Besonders die Kombination aus Hausbau, Landwirtschaft, Kochen, Fotografieren und Tierpflege funktioniert bereits gut. Keine dieser Mechaniken ist momentan extrem tief, aber sie greifen sinnvoll ineinander und erzeugen einen angenehmen Tagesablauf. Ich sammle Material, arbeite an meiner Hütte, kümmere mich um Tiere und gehe anschließend los, um neue Bereiche des Waldes zu entdecken.
Gerade beim Bauen und bei der Tier-KI merkt man allerdings deutlich den Early Access. Platzierungsprobleme, Inventarkomfort und fehlerhafte Tierinteraktionen mussten bereits mit mehreren Updates nachgebessert werden. Positiv ist, dass Novemtails momentan ziemlich schnell reagiert und innerhalb weniger Tage bereits mehrere Quality-of-Life-Verbesserungen veröffentlicht hat.
Langfristig wird entscheidend sein, ob Under Canopies genügend Tiefe entwickelt. Ein komplett kampffreies Survivalspiel kann hervorragend funktionieren, aber dann müssen Erkundung, Tiere, Bauen und Fortschritt genügend Gründe liefern, auch nach vielen Stunden noch weiterzumachen. Genau dort ist der aktuelle Early Access noch nicht am Ziel.
Für den Moment ist es deshalb vor allem ein ausgesprochen sympathischer Waldurlaub mit Crafting.
Wer in einem Survivalspiel normalerweise nach fünf Minuten fragt, wo die Waffen sind, wird vermutlich nicht glücklich. Wer dagegen schon immer dachte, dass man vielleicht einmal in Ruhe eine Hütte bauen könnte, ohne dass nachts drei Wölfe die Haustür auffressen, sollte Under Canopies definitiv im Auge behalten.
Denn manchmal möchte ich in der Wildnis gar nicht überleben. Manchmal möchte ich dort einfach nur wohnen.




