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Tormentum II

Tormentum II (OhNoo Studio)

juli 2026

Erwache im Albtraum deiner Schöpfung. Dies ist ein eigenständiges, handgezeichnetes Dark-Fantasy-Point-and-Click-Adventure mit psychologischem Horror. Erkunde Inseln, löse Rätsel, triff moralisch komplexe Entscheidungen und erlebe mehrere Enden. Inspiriert von H. R. Giger und Zdzisław Beksiński.
Entwickler: OhNoo Studio
Genre: Point & Click / Dark Fantasy
91%
Spielspaß
84%
Wiederspielbarkeit
87%
Langzeitmotivation
94%
Grafik
90%
Umsetzung
Tormentum II ist genau die Art von Adventure, die ich liebe.


89%

Tormentum II

Schon der erste Teil von Tormentum war für mich etwas Besonderes. Der ist inzwischen über zehn Jahre alt, macht aber auch heute noch richtig viel Spaß und besitzt diese ganz eigene, düstere Atmosphäre, die man kaum mit einem anderen Adventure verwechseln kann. Genau deshalb war meine Erwartung an Tormentum II ziemlich hoch. Ich wollte wieder diese bizarre Welt, diese Mischung aus Schönheit und Hässlichkeit, aus düsteren Figuren, grotesken Maschinen und Orten, bei denen man sich ständig fragt, was zur Hölle man da eigentlich gerade sieht. Und genau das bekomme ich hier wieder. Das Spiel ist völlig abgefahren, manchmal verstörend, manchmal faszinierend und damit ziemlich genau mein Geschmack.

Dabei erzählt Tormentum II eine neue, eigenständige Geschichte. Man muss den ersten Teil also nicht gespielt haben, auch wenn ich es persönlich empfehlen würde, allein schon um zu verstehen, was für eine Art Welt OhNoo Studio hier erschafft. Das Spiel ist erneut ein klassisches Point-and-Click-Adventure mit psychologischem Horror, moralischen Entscheidungen und einer Geschichte, bei der man lange nicht genau weiß, was real ist und was möglicherweise nur im Kopf der Hauptfigur passiert. Gerade diese Unsicherheit trägt enorm viel zur Atmosphäre bei und sorgt dafür, dass ich eigentlich permanent wissen wollte, was hinter der nächsten Tür wartet.

Eine Welt wie aus einem Fiebertraum

Der Grafikstil ist wahrscheinlich das Erste, was bei Tormentum II ins Auge springt. Die Inspiration durch Künstler wie H. R. Giger und Zdzisław Beksiński ist wieder deutlich erkennbar. Körper, Maschinen, Knochen, Metall und organische Strukturen verschmelzen zu einer Welt, die gleichzeitig wunderschön und abstoßend wirken kann. Manche Schauplätze könnte man sich problemlos als Gemälde an die Wand hängen, andere möchte man am liebsten möglichst schnell wieder verlassen. Genau diese Gegensätze funktionieren hervorragend.

Besonders beeindruckend finde ich, wie konsequent das Spiel seinen Stil durchzieht. Hier gibt es keine freundlichen Zwischenstationen, die plötzlich wie aus einem anderen Spiel wirken. Alles gehört zusammen. Selbst vermeintlich ruhigere Orte besitzen immer etwas Unheimliches. Man sieht im Hintergrund eine Statue, ein merkwürdiges Wesen oder irgendeine organische Konstruktion und weiß nie so ganz, ob sie einfach nur Dekoration ist oder später noch wichtig wird. Dadurch schaut man sich automatisch alles genauer an, und gerade für ein Adventure ist das natürlich perfekt.

Optisch ist Tormentum II für mich eines der interessantesten Point-and-Click-Spiele der letzten Zeit. Nicht unbedingt, weil es technisch wahnsinnig aufwendig wäre, sondern weil es einen eigenen Stil besitzt. Ich würde einen Screenshot aus diesem Spiel sofort erkennen, und das können wirklich nicht viele Titel von sich behaupten.

Rätsel, die den Spielfluss nicht zerstören

Ein Punkt, der mir besonders gut gefallen hat, sind die Rätsel. Ich spiele Adventures schon lange und habe deshalb oft das Problem, dass Entwickler glauben, ein gutes Rätsel müsse automatisch möglichst kompliziert sein. Dann steht man eine halbe Stunde vor irgendeiner absurden Kombination und kommt nur deshalb nicht weiter, weil irgendwann irgendjemand beschlossen hat, dass ein Fisch, ein Kleiderbügel und eine Zitrone zusammen eine Tür öffnen sollen. Tormentum II macht das glücklicherweise anders.

Die Rätsel sind nicht besonders schwer, funktionieren aber sehr gut. Man muss beobachten, Gegenstände kombinieren, Mechanismen verstehen und gelegentlich ein bisschen um die Ecke denken, aber ich hatte nie das Gefühl, dass das Spiel meinen Fortschritt absichtlich ausbremst. Genau dadurch entsteht ein sehr schöner Spielfluss. Ich konnte mich auf die Welt und die Geschichte konzentrieren, anstatt alle zwanzig Minuten komplett aus dem Erlebnis gerissen zu werden.

Für echte Adventure-Veteranen könnte das teilweise sogar etwas zu einfach sein. Wer auf richtig harte Kopfnüsse hofft, dürfte hier nicht durchgehend gefordert werden. Für mich war die Balance aber genau richtig, weil Tormentum II viel stärker über Atmosphäre und Geschichte funktioniert. Die Rätsel sind ein Bestandteil dieser Reise und nicht der alleinige Mittelpunkt.

Eine Geschichte, bei der man ständig an der eigenen Wahrnehmung zweifelt

Die Geschichte ist für mich die zweite große Stärke neben der Optik. Schon relativ früh stellt das Spiel Fragen, ohne sofort Antworten zu liefern, und genau das hat mich gepackt. Wer bin ich? Warum bin ich hier? Was ist mit dieser Welt passiert? Wem kann ich überhaupt glauben? Das Spiel wirft immer wieder neue Informationen in den Raum, die frühere Annahmen verändern können. Dadurch entsteht ein Mystery-Faktor, der mich bis zum Ende begleitet hat.

Besonders interessant sind die moralischen Entscheidungen. Man begegnet Figuren, bei denen nicht sofort klar ist, ob sie Opfer, Täter oder vielleicht beides sind. Das Spiel arbeitet bewusst mit Grauzonen und zwingt einen gelegentlich dazu, Entscheidungen zu treffen, bei denen es keine perfekte Lösung gibt. Genau dadurch fühlt sich die Welt glaubwürdiger an, obwohl sie optisch komplett surreal ist.

Ich möchte hier natürlich nicht zu viel verraten, weil die Story bei einem Spiel wie Tormentum II wirklich ein großer Teil der Erfahrung ist. Nur so viel: Sie bleibt lange interessant, enthält einige richtig starke Momente und schafft es immer wieder, die eigene Wahrnehmung infrage zu stellen. Ich war mehr als einmal überzeugt, eine Situation verstanden zu haben, nur damit das Spiel kurz darauf wieder alles auf den Kopf stellt.

Größer und reifer als der erste Teil

Was mir im direkten Vergleich mit Tormentum: Dark Sorrow besonders auffällt, ist die Weiterentwicklung. Der erste Teil war bereits atmosphärisch stark, wirkte aber stellenweise noch sehr kompakt. Tormentum II fühlt sich deutlich größer und selbstbewusster an. Die Welt wirkt umfangreicher, die Geschichte ambitionierter und auch die Präsentation insgesamt reifer. Gleichzeitig hat OhNoo Studio genau das erhalten, was den Vorgänger so besonders gemacht hat.

Das ist bei Fortsetzungen keineswegs selbstverständlich. Manche Entwickler versuchen plötzlich, alles zu verändern, nur um etwas Neues zu bieten, und verlieren dabei genau das, was Fans am ersten Teil mochten. Hier ist das Gegenteil der Fall. Tormentum II nimmt die DNA des Vorgängers und baut darauf auf. Wer den ersten Teil mochte, wird sich innerhalb weniger Minuten wieder zuhause fühlen, auch wenn das eigentlich ein ziemlich merkwürdiges Wort für diese verstörende Welt ist.

Kleine Schwächen zwischen all dem Wahnsinn

Perfekt ist das Spiel natürlich nicht. Wie bereits erwähnt, könnten erfahrene Adventure-Spieler einige Rätsel als etwas zu leicht empfinden. Auch nicht jede Figur bekommt die Tiefe, die ich mir gewünscht hätte. Manche tauchen auf, wirken unglaublich interessant und verschwinden dann wieder, bevor man wirklich mehr über sie erfahren kann. Gerade weil die Welt so faszinierend ist, hätte ich an einigen Stellen gerne noch etwas länger verweilt.

Die handgezeichnete Präsentation ist wunderschön, bringt aber natürlich auch vergleichsweise reduzierte Animationen mit sich. Wer moderne, komplett durchanimierte Adventures erwartet, könnte das etwas statisch finden. Mich hat das allerdings kaum gestört, weil die Bilder selbst so stark sind, dass sie die Atmosphäre fast allein tragen können.

Fazit – genau mein Geschmack

Tormentum II ist genau die Art von Adventure, die ich liebe. Dunkel, surreal, völlig abgefahren und mit einer Geschichte, die einen nicht sofort an die Hand nimmt und alles erklärt. Nachdem mir bereits der erste Teil auch heute noch richtig viel Spaß macht, hatte ich hohe Erwartungen an die Fortsetzung, und die wurden für mich größtenteils erfüllt. Die Rätsel sind angenehm zugänglich, sodass ein schöner Spielfluss entsteht, die Geschichte bleibt bis zum Ende interessant und die groteske Welt gehört für mich zu den faszinierendsten Kulissen, die man aktuell in einem Point-and-Click-Adventure finden kann.

Natürlich hätte ich mir an manchen Stellen schwierigere Rätsel oder noch mehr Hintergrundinformationen zu bestimmten Figuren gewünscht. Aber das sind für mich kleinere Kritikpunkte innerhalb eines Spiels, das vor allem durch seine Identität überzeugt. Tormentum II versucht nicht, jedem zu gefallen. Es ist düster, bizarr und teilweise richtig unangenehm. Genau deshalb funktioniert es so gut. Wer schon den ersten Teil mochte oder generell ein Herz für ungewöhnliche Adventures und psychologischen Horror hat, sollte sich diese Reise definitiv ansehen.

Mediennerd
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Medienproduzent/Blogger, Katzenliebhaber und 1. FC Köln Fan im hohen Norden. Mit meiner Berufs- und Lebenserfahrung teste und vermarkte ich seit 2009 Produkte aller Art. Sie erhalten immer ein ehrliches Feedback.
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