Defender of the Crown: The Legend Returns
(Nordcurrent Labs)
AUGUST 2026
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Defender of the Crown ist zurück – verbessert für eine neue Generation von Rittern. Erobere Territorien, stelle Armeen auf, stürme Burgen, beeinflusse das Machtgleichgewicht und erhebe dich über die rivalisierenden Lords, um das Königreich unter deinem Banner zu vereinen.
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Entwickler: Black Tower Basement
Genre: Rollenspiel / Strategie
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84%
Spielspaß 79%
Wiederspielbarkeit 77%
Langzeitmotivation 78%
Grafik 82%
Umsetzung |
| Genau so müssen Remakes gemacht werden |

Defender of the Crown: The Legend Returns
Defender of the Crown gehört für mich zu diesen Spielen, bei denen die eigentliche Erinnerung fast größer ist als das Spiel selbst. Das Original erschien 1986 und war damals eines dieser Titel, die allein durch ihre Präsentation auffielen. Burgen, Ritter, Turniere, Belagerungen und diese Mischung aus Strategie und kleinen Actionsequenzen wirkten damals unglaublich aufwendig. Ich selbst war zu dieser Zeit ungefähr sieben oder acht Jahre alt und habe das Spiel oft gemeinsam mit meinem Stiefvater gespielt. Natürlich habe ich damals längst nicht alles verstanden. Vieles war für mich eher ausprobieren, zuschauen, staunen und hoffen, dass irgendetwas funktioniert. Aber ich hatte Lust darauf, etwas zu erleben, das zumindest in Richtung Strategie ging, und ich glaube tatsächlich, dass genau solche Spiele mit dafür verantwortlich sind, warum ich später eine so große Begeisterung für Strategiespiele entwickelt habe.
Fast vierzig Jahre später kommt nun Defender of the Crown: The Legend Returns, und was Black Tower Basement hier macht, finde ich nahezu vorbildlich. Statt das Original einfach nur optisch zu modernisieren und fertig, bekommt man gleich drei unterschiedliche Arten, dieses Spiel zu erleben. Retro-Modus, Klassik-Modus und Königreich-Modus richten sich an völlig unterschiedliche Spielertypen. Genau dadurch schafft es das Remake, sowohl alte Fans wie mich abzuholen als auch Menschen, die mit einem Spiel von 1986 heute vermutlich keine fünf Minuten durchhalten würden.

Retro-Modus – eine Zeitmaschine zurück in die Achtziger
Der Retro-Modus ist für mich schon allein deshalb großartig, weil er das Original praktisch genau so zurückbringt, wie man es damals gespielt hat. Grafik, Spielgefühl und Präsentation orientieren sich vollständig an der alten Version. Das ist keine Neuinterpretation mit Pixelshader oder irgendein „Retro inspired“-Filter, sondern im Kern die Erfahrung, die wir damals bekommen haben. Für mich war das sofort eine kleine Zeitreise.
Natürlich merkt man dabei auch, wie sehr sich Spiele in vier Jahrzehnten verändert haben. Viele Abläufe wirken heute sperrig, manche Mechaniken erklären sich kaum selbst, und die Steuerung besitzt diese kompromisslose Direktheit alter Computerspiele. Aber genau darum geht es in diesem Modus. Er soll nicht modern sein. Er soll erinnern. Und das tut er fantastisch. Wer damals dabei war, bekommt hier eine Art spielbares Archivstück, ohne dafür einen alten Amiga oder sonstige Retro-Hardware aus dem Keller holen zu müssen.
Und dann war da natürlich wieder der Lanzenkampf. Schon als Kind habe ich ihn nicht verstanden. Ich weiß noch, wie oft ich irgendwann völlig frustriert aufgehört habe, weil ich einfach nicht begriffen habe, wann ich die Lanze bewegen oder ausrichten sollte. Jahrzehnte später sitze ich wieder davor – und was soll ich sagen: Ich checke ihn immer noch nicht so ganz. Ich habe mich tatsächlich ähnlich darüber geärgert wie damals. Aber genau deshalb musste ich irgendwann lachen. Mehr Retro-Vibes kann ein Remake eigentlich kaum erzeugen.

Klassik-Modus – das alte Spiel, nur angenehmer
Der Klassik-Modus ist vermutlich für viele Spieler der beste Einstieg. Hier bleibt das ursprüngliche Spielprinzip erhalten, aber Grafik und Bedienung wurden modernisiert. Die Präsentation wirkt deutlich sauberer, behält aber bewusst diesen alten Illustrationsstil und damit den Charme des Originals. Ich finde diese Entscheidung sehr gelungen, weil man nie das Gefühl bekommt, jemand hätte versucht, Defender of the Crown plötzlich in ein modernes Hochglanz-Strategiespiel umzubauen.
Dazu kommen sinnvolle Komfortfunktionen und überarbeitete Abläufe, die dafür sorgen, dass man weniger gegen das Alter des Spiels kämpfen muss. Genau darin liegt der Unterschied zum Retro-Modus. Dort will ich das Original erleben, hier möchte ich das Original spielen, ohne dabei ständig daran erinnert zu werden, wie unbequem manche Dinge 1986 noch waren. Die Kombination aus modernerer Bedienung und traditionellem Spielprinzip funktioniert hervorragend.
Das grundlegende Ziel bleibt natürlich unverändert. Wir erobern Regionen, stellen Armeen auf, belagern Burgen, treten in Turnieren an und versuchen, England unter unserem Banner zu vereinen. Der strategische Teil ist aus heutiger Sicht vergleichsweise einfach, funktioniert aber immer noch erstaunlich gut. Gerade weil alles so kompakt gehalten ist, kommt man schnell in diesen Kreislauf aus Expansion, Risiko und kleinen Actionsequenzen.

Königreich-Modus – für mich das eigentliche Highlight
So schön Retro- und Klassik-Modus auch sind, mit Abstand am meisten Spaß hatte ich im neuen Königreich-Modus. Und das hat mich selbst ein wenig überrascht, denn ich bin eigentlich kein großer Freund von Roguelike- beziehungsweise Roguelite-Mechaniken. Dieses ständige Sterben und erneut anfangen geht mir in vielen Spielen eher auf die Nerven. Hier funktioniert es für mich allerdings richtig gut.
Im Königreich-Modus beginnt man vergleichsweise schwach und versucht, Schritt für Schritt Regionen einzunehmen. Man verbessert seine Möglichkeiten, baut seine Position aus, verliert irgendwann möglicherweise einen Run und startet anschließend mit gewissen Verbesserungen erneut. Ziel ist es letztlich, die gesamte Karte zu kontrollieren. Dabei enthält der Modus zufällige Ereignisse, Begegnungen, Belohnungen und Points of Interest, wodurch sich die einzelnen Runs unterscheiden. Gerade diese Struktur sorgt dafür, dass man immer wieder denkt: Diesmal komme ich weiter. Diesmal probiere ich eine andere Strategie.
Für mich hätte dieser Modus ehrlich gesagt fast schon als eigenes Spiel gereicht. Er nimmt die Grundidee von Defender of the Crown und entwickelt daraus etwas, das sich modern anfühlt, ohne die Identität des Originals zu verlieren. Genau so stelle ich mir eine sinnvolle Erweiterung eines Klassikers vor.
Würfel und Karten statt klassischer Schlachten
Besonders interessant sind die Kämpfe im Königreich-Modus. Diese laufen als Mischung aus Würfel- und Kartenspiel ab. Man verfügt über ein eigenes Deck und tritt gegen das Deck des Gegners an. Die Würfel bestimmen eine Basis, während Karten genutzt werden können, um die eigenen Ergebnisse zu verbessern oder die Werte des Gegners zu verschlechtern. Das klingt zunächst relativ simpel, entwickelt aber schnell eine erstaunlich motivierende taktische Ebene.
Man versucht ständig abzuwägen, wann eine Karte wirklich nötig ist und wann man sie besser für einen späteren Kampf aufbewahrt. Genau dadurch entsteht eine angenehme Spannung. Gleichzeitig bleibt das System verständlich genug, dass man nicht erst stundenlang Kartentexte studieren muss. Für mich ist das eine der kreativsten Neuerungen des gesamten Remakes.
Was mir dabei besonders gefällt: Der Königreich-Modus fühlt sich modern an, aber nicht wie ein Fremdkörper. Man erkennt überall noch die DNA von Defender of the Crown. Regionen werden erobert, Rivalen bekämpft, Machtbereiche erweitert. Nur die Mechanik wurde in eine Form übersetzt, die viel stärker zu heutigen Spielgewohnheiten passt.

Drei Modi, drei Generationen
Genau diese Dreiteilung ist für mich die größte Leistung des Spiels. Der Retro-Modus ist für Menschen wie mich, die das Original damals erlebt haben und einfach noch einmal diese alte Erfahrung möchten. Der Klassik-Modus modernisiert genau dort, wo es sinnvoll ist, ohne das Spiel neu zu erfinden. Und der Königreich-Modus gibt jüngeren Spielern oder Menschen ohne nostalgische Bindung einen Grund, sich überhaupt mit dem Konzept auseinanderzusetzen.
Das klingt auf dem Papier vielleicht selbstverständlich, ist es aber überhaupt nicht. Viele Remakes entscheiden sich entweder für maximale Nostalgie oder für vollständige Modernisierung. Hier wird beides angeboten. Niemand muss akzeptieren, dass die eigene bevorzugte Version verloren geht. Wer das Original möchte, bekommt es. Wer Komfort möchte, bekommt ihn. Wer etwas komplett Neues möchte, bekommt ebenfalls einen eigenen Modus.
Für mich ist das genau die richtige Antwort auf die Frage, wie man einen fast vierzig Jahre alten Klassiker zurückbringen sollte.
Präsentation mit bewusstem Respekt vor dem Original
Der Klassik-Modus zeigt besonders schön, wie man alte Grafik modernisieren kann, ohne ihren Charakter zu zerstören. Alles sieht sauberer und schärfer aus, aber die Illustrationen und die gesamte Gestaltung behalten diesen typischen Cinemaware-Look. Das Spiel versucht gar nicht erst, fotorealistisch zu werden, sondern bewahrt bewusst die Optik eines interaktiven Ritterfilms.
Der Retro-Modus bildet dazu natürlich den kompletten Gegenpol und zeigt exakt, wie beeindruckend das Original damals aussah. Für jüngere Spieler dürfte das heute primitiv wirken, aber wer die technische Entwicklung miterlebt hat, kann vielleicht nachvollziehen, warum Defender of the Crown 1986 so einen Eindruck hinterließ.
Gerade deshalb funktioniert das Gesamtpaket auch als kleines Stück Videospielgeschichte. Man kann direkt vergleichen, wie sich dieselbe Idee über Jahrzehnte verändert hat.

Bei den Achievements wäre deutlich mehr drin gewesen
Einen Kritikpunkt habe ich allerdings, und der betrifft die Achievements. Die finde ich teilweise schlicht zu hoch angesetzt. Achievement-Jäger könnten hier relativ schnell die Motivation verlieren, weil manche Anforderungen deutlich mehr Zeit und Wiederholungen verlangen, als ich bei einem solchen Spiel sinnvoll finde.
Das finde ich gerade deshalb schade, weil das Spiel ansonsten so viele kreative Ideen besitzt. Bei den Achievements hätte man ebenfalls stärker mit dem Erbe des Originals spielen können. Kleine Anspielungen auf bekannte Situationen, verrückte Herausforderungen oder humorvolle Bedingungen hätten perfekt gepasst. Stattdessen wirkt einiges eher nach Fleißarbeit.
Das ist allerdings wirklich Kritik auf hohem Niveau. Es betrifft nicht das eigentliche Spielerlebnis und ändert nichts daran, wie gut mir das Gesamtpaket gefallen hat.
Fazit – genau so müssen Remakes gemacht werden
Defender of the Crown: The Legend Returns ist für mich eines der schönsten Beispiele dafür, wie man einen Klassiker zurückbringen kann. Black Tower Basement behandelt das Original nicht wie ein Problem, das modernisiert werden muss, sondern wie ein Stück Spielegeschichte, das unterschiedliche Generationen auf unterschiedliche Weise erleben dürfen.
Ich kann im Retro-Modus wieder das Spiel spielen, das ich als Kind gemeinsam mit meinem Stiefvater erlebt habe. Ich kann im Klassik-Modus dieselbe Idee mit modernerer Präsentation und angenehmeren Komfortfunktionen genießen. Und wenn ich etwas Neues möchte, starte ich den Königreich-Modus und bekomme plötzlich ein richtig motivierendes Roguelite mit Karten- und Würfelmechanik, das mich deutlich länger beschäftigt hat, als ich zunächst erwartet hätte.
Genau dieser Spagat ist grandios. Jüngere Spieler bekommen Mechaniken, die sie aus modernen Spielen kennen, während wir älteren Spieler ein regelrechtes Feuerwerk aus Erinnerungen bekommen. Und sogar mein alter Erzfeind, der Lanzenkampf, ist wieder da und hat es tatsächlich geschafft, mich Jahrzehnte später noch einmal genauso zu ärgern wie damals. Irgendwie kann ich einem Spiel kaum ein größeres Retro-Kompliment machen.
Ich finde Defender of the Crown: The Legend Returns richtig klasse. Für mich hätte allein der Königreich-Modus bereits funktioniert, aber dass man zusätzlich das Spiel von 1986 bewahrt und sinnvoll modernisiert hat, macht daraus ein außergewöhnlich starkes Gesamtpaket. Wenn ihr auch nur ein kleines Herz für Strategie, Retrospiele oder Videospielgeschichte habt, solltet ihr das unbedingt ausprobieren.

