Permafrost

Permafrost (Toplitz Productions)

Oktober 2026

Permafrost ist eine storygetriebene Survival-Sandbox in einer eisigen Postapokalypse. Entdecke allein oder mit bis zu vier Spielern eine weitläufige offene Welt und ihre Geheimnisse. Erkunde, plündere und errichte ein Netzwerk aus Unterkünften, um der Kälte zu trotzen.
Entwickler: SpaceRocket Games
Genre: Survival
zum Publisher Toplitz Productions
79%
Spielspaß
76%
Wiederspielbarkeit
75%
Langzeitmotivation
82%
Grafik
72%
Umsetzung
Permafrost besitzt etwas, das bei Survivalspielen wichtiger ist als die hundertste Werkbank, eine eigene Atmosphäre.


76%

Wenn die Kälte der eigentliche Endgegner ist

Postapokalyptische Survivalspiele gibt es inzwischen wirklich genug. Verseuchte Städte, Zombies, Mutanten und zusammengebrochene Gesellschaften habe ich in den vergangenen Jahren häufiger gesehen, als mir manchmal lieb ist. Permafrost schafft es trotzdem ziemlich schnell, eine eigene Stimmung aufzubauen, weil hier nicht irgendein Monster die größte Gefahr darstellt. Der eigentliche Gegner ist die Kälte.

Im Jahr 2035 haben mehrere Katastrophen die Erde verwüstet, wobei schließlich sogar der Mond zerbrochen wurde. Zurück bleibt eine Welt, die praktisch dauerhaft im Winter gefangen ist. Als Rook, ein technisch begabter Überlebender, folge ich dem Funksignal eines lange verschollenen Freundes und bewege mich dabei durch gefrorene Städte, Wälder und verlassene Anlagen. Permafrost befindet sich seit dem 9. Oktober 2026 im Early Access und kann alleine oder im Koop mit insgesamt bis zu vier Spielern gespielt werden.

Die Atmosphäre funktioniert sofort

Besonders gut gefällt mir die Ruhe. Permafrost versucht nicht, mich alle drei Minuten mit einem Feuergefecht oder irgendeinem Monsterangriff zu beschäftigen. Stattdessen wandere ich durch verschneite Ruinen, höre den Wind und überlege mir permanent, ob sich der nächste Ausflug überhaupt lohnt. Diese Einsamkeit passt hervorragend zum Setting und erinnert stellenweise natürlich an The Long Dark, ohne einfach dasselbe Spiel kopieren zu wollen.

SpaceRocket Games bezeichnet das eigene Konzept ausdrücklich als eher bodenständiges Survival-Erlebnis ohne Fantasyelemente und ohne permanentes Geballer. Genau das ist für mich eine der größten Stärken. Die Landschaft wirkt dadurch nicht wie ein riesiger Freizeitpark voller Ereignismarker, sondern tatsächlich wie ein Ort, an dem irgendwann einmal Menschen gelebt haben und nun nur noch wenige Überlebende zwischen Ruinen und Schnee existieren.

Kälte ist mehr als nur eine blaue Anzeige

Natürlich dreht sich ein großer Teil des Spiels darum, nicht zu erfrieren. Kleidung, Schutzräume und Vorbereitung spielen entsprechend eine zentrale Rolle. Wer einfach ohne Planung weit in die Wildnis läuft, kann schnell feststellen, dass der Rückweg wesentlich unangenehmer wird als der Hinweg. Erfrierungen, Schneestürme und sinkende Temperaturen bestimmen dadurch stark, wann und wie weit ich mich von sicheren Orten entferne.

Das gefällt mir deutlich besser als Survivalspiele, bei denen Hunger und Temperatur irgendwann nur noch zwei Balken sind, die ich alle zehn Minuten mit einem Gegenstand auffülle. Permafrost versucht, die Umwelt stärker in die eigentliche Reise einzubinden. Ich überlege mir also nicht nur, was ich looten möchte, sondern auch, welche Route sinnvoll ist und ob ich auf dem Weg einen Unterschlupf finde.

Fortschritt bedeutet vor allem Erkundung

Sehr interessant ist das Progressionssystem. Neue Möglichkeiten werden nicht nur dadurch freigeschaltet, dass ich stumpf genug Erfahrungspunkte sammle. Stattdessen muss ich die Welt erkunden, verlassene Anlagen finden, Maschinen reparieren und neue Technik zurückgewinnen. SpaceRocket Games spricht selbst von einer „exploration-gated progression“, also einem Fortschrittssystem, bei dem Erkundung der entscheidende Schlüssel ist.

Das motiviert tatsächlich, Gebäude und abgelegene Bereiche genauer zu untersuchen. Gerade in einem Survivalspiel finde ich das wesentlich interessanter als einen klassischen Skillbaum, bei dem plötzlich eine neue Werkbank verfügbar wird, weil ich fünf Wölfe erledigt habe. Gleichzeitig merkt man im aktuellen Early Access aber noch, dass manche Aufgaben etwas künstlich gestreckt wirken und bestimmte Materialien oder Voraussetzungen nicht immer verständlich erklärt werden. Genau solche Punkte werden auch in den bisherigen Steam-Rezensionen häufiger kritisiert.

Der Hund ist mehr als ein niedliches Anhängsel

Relativ früh bekommt Rook einen Hund an die Seite, und glücklicherweise handelt es sich dabei nicht nur um ein Tier, das dekorativ hinter mir herläuft. Der Begleiter kann Gefahren melden, Gegenstände transportieren und bei der Suche nach Loot helfen. Gerade im Solospiel passt das hervorragend zur einsamen Atmosphäre, weil ich dadurch zumindest nicht vollkommen alleine durch diese gefrorene Welt laufe.

Momentan gehört der Hund allerdings auch zu den Systemen, bei denen der Early Access besonders deutlich wird. Spieler berichten von Wegfindungsproblemen, festhängenden Begleitern oder Situationen, in denen das Tier irgendwo zurückbleibt. Die Idee ist hervorragend, die technische Umsetzung braucht aber noch einiges an Arbeit.

Ein Netz aus Unterkünften statt einer einzigen Superbasis

Der Basenbau funktioniert ebenfalls etwas anders als in vielen Survivalspielen. Natürlich kann ich Gebäude errichten und Ressourcen verarbeiten, gleichzeitig geht es aber stark darum, vorhandene Unterkünfte zu restaurieren und ein Netzwerk aus sicheren Punkten über die Welt zu verteilen. Dadurch fühlt sich Fortschritt tatsächlich so an, als würde ich mir Stück für Stück Zugang zu gefährlicheren Regionen erarbeiten.

Das gefällt mir konzeptionell ausgesprochen gut. Eine gigantische Festung mitten auf der Karte wäre in diesem Setting fast weniger interessant als mehrere kleine Außenposten, zwischen denen ich mich nach und nach bewegen kann. Der aktuelle Baumodus ist allerdings noch nicht überall komfortabel. Platzierungsregeln wirken manchmal unnötig streng, einzelne Bauteile verhalten sich merkwürdig und die Entwickler haben bereits erste Verbesserungen an der Platzierung nachgereicht.

Kämpfen ist nicht die große Stärke

Neben Kälte und Ressourcen gibt es natürlich auch menschliche Gegner und Tiere. Waffen reichen von improvisierten Nahkampfwerkzeugen bis zu Schusswaffen, wobei Munition bewusst knapp gehalten wird. Grundsätzlich passt das zum Setting, denn Permafrost soll eben kein Shooter sein, in dem ich nach fünf Minuten mit dreihundert Patronen herumlaufe.

Das eigentliche Kampfsystem gehört für mich momentan trotzdem zu den schwächeren Bereichen. Animationen wirken teilweise steif, Bewegungen sind nicht immer präzise und beim Zielen kann die Kamera irritieren. Dazu kommen KI-Gegner und Tiere, die gelegentlich an Gelände oder Objekten hängenbleiben. Genau diese Punkte tauchen auch häufig in den frühen Nutzerrezensionen auf, und SpaceRocket Games hat bereits angekündigt, Kampfanimationen und Waffenmechaniken mit den kommenden Updates gezielt zu überarbeiten.

Koop macht die eisige Welt deutlich unterhaltsamer

Bis zu vier Spieler können gemeinsam überleben, Ressourcen sammeln und Unterkünfte aufbauen. Gerade bei längeren Erkundungstouren passt das hervorragend zum Spiel, weil Aufgaben verteilt werden können und sich nicht jeder um alles gleichzeitig kümmern muss. Einer sammelt Material, während ein anderer die Umgebung untersucht oder sich um den Aufbau kümmert.

Technisch ist auch dieser Bereich noch nicht vollkommen stabil. Bereits einen Tag nach Veröffentlichung erschien ein Update, das mehrere Koop-Probleme, Abstürze und Fehler beim Beitritt zu Sitzungen beheben sollte. Questgegenstände konnten beispielsweise verschwinden und damit Aufgaben blockieren, während Serverlisten Freunde nicht immer zuverlässig anzeigten. Dass die Entwickler so schnell reagieren, ist positiv; es zeigt allerdings gleichzeitig, wie frisch dieser Early Access tatsächlich noch ist.

Technisch friert nicht nur die Spielwelt

Der Launch verlief nicht überall sauber. Abstürze, Probleme mit bestimmten Grafikkarten, Kamera-Bugs und kleinere Questblocker gehörten zu den häufigsten Beschwerden. Die Entwickler haben offen eingeräumt, dass gerade GPU-Abstürze im Preview ein größeres Thema waren, und bereits zum Start sowie unmittelbar danach mehrere Hotfixes veröffentlicht. Für RTX-20- und RTX-30-Karten wurde beispielsweise FSR vorübergehend deaktiviert, um bestimmte Abstürze zu reduzieren.

Die Erfahrungen fallen dabei ziemlich unterschiedlich aus. Manche Spieler berichten von stabilen 20 oder 30 Stunden, andere kämpfen schon nach kurzer Zeit mit Abstürzen oder festhängenden Kameras. Genau deshalb würde ich die technische Situation derzeit noch nicht als zuverlässig bezeichnen. Der Early-Access-Hinweis sollte hier wirklich ernst genommen werden.

Optisch kann die Eiswelt richtig schön sein

Grafisch gefällt mir Permafrost ziemlich gut. Das Spiel lebt weniger von spektakulären Effekten als von Stimmung: zugeschneite Straßen, verfallene Gebäude, dichte Wälder und weite weiße Flächen erzeugen eine glaubwürdige Winterwelt. Besonders wenn Wetter und Beleuchtung zusammenspielen, entstehen durchaus beeindruckende Bilder.

Nicht alles erreicht dasselbe Niveau. Charakteranimationen wirken teilweise noch etwas steif und auch Bewegungen im Gelände können merkwürdig aussehen. Trotzdem besitzt Permafrost visuell bereits jetzt eine klare Identität. Es sieht nicht wie irgendeine austauschbare Survival-Sandbox aus, sondern schafft es, seinen endlosen Winter überzeugend darzustellen.

Die Story unterscheidet Permafrost von vielen Konkurrenten

Einen weiteren Pluspunkt sehe ich im stärkeren Fokus auf Geschichte. Rook folgt dem Signal seines totgeglaubten Freundes Icarus und trifft unterwegs auf unterschiedliche Gruppen, die um Kontrolle über die verbliebenen Ressourcen kämpfen. Neben bloßem Überleben soll es deshalb auch darum gehen, mehr über die Katastrophe und die Menschen herauszufinden, die sie überstanden haben.

Im aktuellen Zustand erreicht die Erzählung noch nicht durchgehend die Qualität der Atmosphäre. Manche Dialoge wirken eher funktional und einige Quests erinnern noch stark an klassische Sammelaufgaben. Gerade hier steckt allerdings viel Potenzial, weil ein erzählerisch stärkeres Survivalspiel sich angenehm von den vielen reinen Sandbox-Titeln unterscheiden kann.

Die Community sieht ebenfalls viel Potenzial – aber auch viele Baustellen

Die Steam-Bewertungen spiegeln den Zustand ziemlich gut wider. Aktuell sind rund 71 Prozent von ungefähr 1.500 Rezensionen positiv. Das ist kein schlechter Start, aber deutlich davon entfernt, dass die Community bereits geschlossen begeistert wäre.

Besonders häufig gelobt werden Atmosphäre, Erkundung, die Winterwelt und die grundsätzliche Mischung aus The Long Dark-ähnlichem Survival mit Basenbau und Koop. Kritisiert werden dagegen Bugs, Kamera, Kampf, Wegfindung, UI-Erklärungen und der momentan noch überschaubare Umfang. Genau diese Mischung beschreibt auch meinen Eindruck ziemlich gut.

Der Fahrplan zeigt immerhin in die richtige Richtung

SpaceRocket Games hat bereits einen Early-Access-Fahrplan veröffentlicht. Die kommenden Updates sollen unter anderem Kampfanimationen verbessern, neue versteckte Schätze und Rezepte hinzufügen, Inventar und Crafting komfortabler machen sowie zusätzliche Waffen und Nebenquests integrieren. Später sollen neue Werkzeugmechaniken, zerstörbare Objekte und weiterer Story-Inhalt folgen.

Das darf für meine aktuelle Wertung natürlich noch nicht als fertiger Inhalt zählen. Trotzdem ist es wichtig zu sehen, dass viele der momentan auffälligen Schwächen bereits konkret auf der Agenda stehen. Wenn die Entwickler diesen Weg konsequent weitergehen, kann sich Permafrost während des Early Access noch deutlich verbessern.

Fazit – Ein starker Winter, aber noch dünnes Eis

Permafrost besitzt etwas, das bei Survivalspielen wichtiger ist als die hundertste Werkbank oder der zweihundertste Craftinggegenstand: eine eigene Atmosphäre. Die gefrorene Welt wirkt still, gefährlich und unangenehm, ohne mich permanent mit Gegnern zu bombardieren. Kälte, Erkundung und die Suche nach sicheren Unterkünften sind momentan deutlich interessanter als das eigentliche Kampfsystem.

Besonders die Idee, nicht nur eine zentrale Basis aufzubauen, sondern Stück für Stück ein Netz aus sicheren Zufluchtsorten über die Welt zu verteilen, gefällt mir. Auch der Hund als Begleiter passt hervorragend zur einsamen Grundstimmung, und der Koop-Modus gibt dem Spiel eine völlig andere Dynamik, wenn mehrere Spieler gemeinsam durch die Schneelandschaft ziehen.

Gleichzeitig ist Permafrost momentan sehr deutlich Early Access. Kamera und Bewegungen können nerven, der Kampf wirkt noch unfertig, KI und Wegfindung haben Probleme und auch technisch ist das Spiel nicht auf jedem System zuverlässig. Einige Quests und Progressionsschritte könnten außerdem besser erklärt werden, während der vorhandene Inhalt noch nicht überall die Tiefe besitzt, die man sich langfristig wünschen würde.

Ich finde das Fundament trotzdem interessant. Gerade weil Permafrost nicht versucht, einfach noch ein weiteres Zombie-Survivalspiel zu sein, besitzt es die Chance, eine eigene Nische zu besetzen. Die Kombination aus Winter-Survival, Story, Erkundung, Basennetzwerk und Koop funktioniert bereits jetzt gut genug, dass ich sehen möchte, wohin sich das Projekt entwickelt.

Wer allerdings ein vollständig poliertes Survivalspiel erwartet, sollte momentan noch warten. SpaceRocket Games hat erst angefangen, viele dieser Systeme zu überarbeiten, und die nächsten Monate werden entscheidend dafür sein, ob aus dem guten Fundament wirklich ein langfristig starkes Spiel wird.

Aktuell bewegt sich Permafrost deshalb für mich auf dünnem Eis. Es trägt schon erstaunlich gut, aber an einigen Stellen hört man noch ziemlich deutlich, wie es unter den Füßen knackt.

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