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City States: Medieval

City States: Medieval (indie.io)

JULI 2026

Führe einen Stadtstaat im hohen Mittelalter Europas. Erweitere deine Stadt mit tiefgreifenden Aufbausystemen, errichte ein Handelsimperium in der bekannten Welt und führe Männer in den Krieg, um Handelsrouten zu verteidigen – in einem harten Kampf aus globaler Strategie und brutaler Kriegsführung.
Entwickler: Reverie World Studios
Genre: Echtzeitstrategie
83%
Spielspaß
85%
Wiederspielbarkeit
84%
Langzeitmotivation
76%
Grafik
81%
Umsetzung
City States: Medieval gefällt mir vor allem deshalb, weil es Macht einmal etwas anders definiert.


82%

City States: Medieval

Das Mittelalter ist im Strategiegenre wahrlich kein unverbrauchtes Setting. Wir haben Königreiche aufgebaut, Kreuzzüge geführt, Burgen belagert und wahrscheinlich schon genügend virtuelle Bauern in irgendwelche Minen geschickt, um halb Europa mit Eisen zu versorgen. City States: Medieval versucht deshalb gar nicht erst, das Rad komplett neu zu erfinden. Stattdessen verändert Reverie World Studios die Perspektive: Wir führen kein gewaltiges Königreich, das möglichst schnell den gesamten Kontinent einfärben möchte, sondern einen vergleichsweise kleinen Stadtstaat, der zwischen den Großmächten des 12. Jahrhunderts überleben und durch Handel, Wirtschaft, Diplomatie und notfalls militärische Gewalt zu einer bedeutenden Macht aufsteigen soll. Genau dieser Ansatz verleiht dem Spiel seinen eigenen Charakter.

Das Interessante daran ist, dass Größe eben nicht automatisch Macht bedeutet. Unsere Stadt mag auf der Karte zunächst wie ein kleiner Fleck neben mächtigen Königreichen aussehen, doch mit funktionierenden Produktionsketten, lukrativen Handelsrouten und einer gut gefüllten Schatzkammer kann daraus ein wirtschaftliches Schwergewicht werden. Und genau dieses langsame Wachstum macht für mich einen großen Teil des Spielspaßes aus. Man beginnt überschaubar, plant seine ersten Gebäude und Handelsbeziehungen und merkt irgendwann, dass aus diesem kleinen Stadtstaat ein Netzwerk entstanden ist, dessen Einfluss weit über die eigenen Mauern hinausreicht.

Der eigene Stadtstaat steht wirklich im Mittelpunkt

Der Aufbau der eigenen Stadt bildet das Fundament des gesamten Spiels. Wirtschaft, Militär, Religion und Handel greifen ineinander, während unterschiedliche Gebäudeketten dafür sorgen, dass man nicht einfach wahllos alles nebeneinanderstellt. Besonders schön finde ich, dass die Stadt nicht nur eine hübsche Kulisse für die große Strategiekarte darstellt. Ihre Entwicklung entscheidet darüber, welche wirtschaftlichen und militärischen Möglichkeiten überhaupt zur Verfügung stehen. Gleichzeitig darf man die Verteidigung nicht vernachlässigen, denn ein wohlhabender Stadtstaat zieht zwangsläufig Aufmerksamkeit auf sich. Wer viel Geld verdient, besitzt eben auch viel, das andere gerne hätten.

Dadurch entsteht ein angenehmer Zielkonflikt. Natürlich möchte ich meine Einnahmen maximieren und möglichst schnell neue Produktionsmöglichkeiten schaffen, gleichzeitig muss ein Teil des Geldes aber in Befestigungen und militärische Sicherheit fließen. Eine perfekte Handelsstadt bringt wenig, wenn beim ersten ernsthaften Angriff die Mauern zusammenbrechen. Diese Verzahnung gefällt mir ausgesprochen gut, weil wirtschaftlicher Erfolg nicht einfach nur eine immer größer werdende Zahl bedeutet, sondern unmittelbar neue strategische Probleme erzeugt.

Handel ist hier keine Nebenbeschäftigung

Noch interessanter wird City States: Medieval durch sein Handelssystem. In vielen Strategiespielen klickt man eine Handelsroute an, bekommt anschließend regelmäßig ein paar Goldstücke und denkt kaum noch darüber nach. Hier gehört Handel dagegen zum Kern des gesamten Konzepts. Über Außenposten erschließt man neue Regionen und erhält Zugriff auf insgesamt zwölf Handelswaren, darunter Wolle, Leinen, Gewürze und Seide. Mit jeder neuen Route wächst das wirtschaftliche Potenzial, gleichzeitig steigt aber auch das Risiko.

Genau daraus entwickelt sich ein überraschend motivierender Kreislauf. Ich möchte natürlich immer noch eine weitere Route eröffnen, weil dort draußen neue Waren und damit zusätzliche Gewinne warten. Gleichzeitig muss ich überlegen, wie ich diese Verbindungen absichere und ob meine Stadt überhaupt stark genug ist, um den daraus entstehenden Einfluss zu verteidigen. Handel wird dadurch zu einer strategischen Entscheidung und nicht zu einem passiven Bonus. Besonders schön ist dieses Gefühl, irgendwann auf die Karte zu schauen und zu erkennen, dass die eigentliche Macht meines kleinen Reiches nicht aus riesigen Territorien besteht, sondern aus einem Handelsnetz, das sich über weite Teile der bekannten Welt zieht.

Helden bringen Persönlichkeit in die Strategie

Eine weitere wichtige Neuerung sind die Helden. Sie übernehmen unterschiedliche Aufgaben und werden damit zu einem Bindeglied zwischen dem eher abstrakten strategischen Teil und konkreten Aktionen auf der Karte. Das gefällt mir, weil der eigene Stadtstaat dadurch etwas persönlicher wirkt. Man verwaltet nicht ausschließlich Gebäude, Ressourcen und Armeen, sondern entwickelt einzelne wichtige Figuren, die Einfluss auf den Verlauf der Partie nehmen können.

Gleichzeitig verändert dieses System die Prioritäten. Einen guten Helden möchte man nicht leichtfertig riskieren, nur weil irgendwo eine kurzfristige Gelegenheit lockt. Dadurch entstehen zusätzliche Entscheidungen, die das ohnehin schon interessante Zusammenspiel aus Wirtschaft und militärischer Expansion erweitern. Das System könnte an manchen Stellen noch etwas mehr Tiefe vertragen, aber als Ergänzung funktioniert es gut und unterscheidet City States: Medieval spürbar von älteren Titeln des Studios. Die Entwickler selbst bezeichnen die Heldenmechanik als einen der zentralen neuen Ansätze dieser Fortsetzung.

Wenn Diplomatie scheitert, sprechen eben die Schwerter

Natürlich bleibt es nicht beim friedlichen Handel. Irgendwann geraten Interessen aneinander, Handelswege müssen verteidigt werden oder ein Konkurrent entscheidet, dass unser Wohlstand doch wesentlich besser in seiner Schatzkammer aufgehoben wäre. Dann wechselt City States: Medieval in seine militärische Seite und verbindet die strategische Ebene mit Echtzeitkämpfen. Besonders Belagerungen spielen eine wichtige Rolle, weil die eigene Stadt letztlich das wertvollste Gut ist und entsprechende Befestigungen benötigt.

Die Kämpfe erreichen nicht die taktische Tiefe eines reinen Wargames, funktionieren innerhalb des Gesamtkonzepts aber ordentlich. Mir gefällt vor allem, dass Krieg hier nicht das einzige Ziel ist. Ich muss nicht zwangsläufig jeden Nachbarn vernichten, um erfolgreich zu sein. Militär ist vielmehr ein Werkzeug innerhalb einer größeren Strategie. Genau dadurch wirken Schlachten bedeutender, weil hinter ihnen meistens wirtschaftliche oder politische Interessen stehen. Wer ausschließlich spektakuläre Echtzeitschlachten sucht, findet anderswo komplexere Alternativen. Wer aber gerne Aufbau, Handel und Krieg miteinander kombiniert, bekommt hier eine interessante Mischung.

Europa und der Nahe Osten als große Spielwiese

Das Spiel siedelt seine Handlung im dynamischen Europa und Nahen Osten des 12. Jahrhunderts an und nutzt Stadtstaaten beziehungsweise Handelsrepubliken von Tripolis und Granada bis Nowgorod und Genua als Ausgangspunkt für seine strategische Idee. Dabei geht es nicht darum, Geschichte exakt nachzuspielen. City States: Medieval versteht sich ausdrücklich als fiktionale strategische Interpretation dieser Epoche und gibt uns entsprechend viel Freiheit, unsere eigene Entwicklung zu schreiben.

Gerade für Sandbox-Fans ist das spannend. Die Ausgangslage verändert sich, Nachbarn entwickeln sich unterschiedlich und aus einem zunächst harmlosen Konkurrenten kann irgendwann ein ernstes Problem werden. Dadurch entsteht dieses typische Strategiegefühl, bei dem man eigentlich nur noch schnell eine Sache erledigen wollte und plötzlich feststellt, dass wieder eine Stunde vergangen ist.

Präsentation – funktional statt prachtvoll

Grafisch muss man allerdings realistisch bleiben. City States: Medieval ist kein Total War und möchte auch kein grafisches Feuerwerk abbrennen. Die Städte und Schlachtfelder erfüllen ihren Zweck, die strategische Übersicht funktioniert und gerade beim Ausbau macht es Spaß, die eigene Siedlung wachsen zu sehen. Trotzdem erkennt man dem Spiel sein vergleichsweise kleines Produktionsbudget an. Animationen könnten geschmeidiger sein, manche Oberflächen wirken etwas altmodisch und insgesamt fehlt gelegentlich der letzte visuelle Feinschliff.

Das ist für mich bei einem Strategiespiel allerdings weniger problematisch als bei einem Actiontitel. Entscheidend ist, dass Informationen lesbar bleiben und ich meine Wirtschaft vernünftig kontrollieren kann. Hier funktioniert das Spiel weitgehend ordentlich. Positiv ist außerdem, dass eine deutsche Benutzeroberfläche und deutsche Untertitel vorhanden sind.

Gute Ideen treffen auf einige Ecken und Kanten

Ganz rund ist das Gesamtpaket dennoch nicht. Die Kombination aus Städtebau, Handel, globaler Strategie und Echtzeitkrieg ist ambitioniert, und genau deshalb merkt man an einigen Stellen, dass einzelne Systeme noch mehr Tiefe vertragen könnten. Gerade wenn man aus großen Grand-Strategy-Titeln kommt, wirken Diplomatie und politische Möglichkeiten vergleichsweise überschaubar. Auch die KI verhält sich nicht immer so nachvollziehbar, wie man es sich wünschen würde, und die Benutzerführung könnte an manchen Stellen komfortabler sein.

Interessant ist dabei auch das aktuelle Spielerfeedback. Die Steam-Rezeption fällt insgesamt überwiegend positiv aus, während die neueren Rezensionen zuletzt gemischter waren. Das passt für mich ziemlich gut zum Spiel: Die Grundlage und die Idee funktionieren, aber City States: Medieval besitzt noch einige raue Stellen, an denen Reverie World Studios weiterarbeiten kann.

Fazit – Klein anfangen, wirtschaftlich groß werden

City States: Medieval gefällt mir vor allem deshalb, weil es Macht einmal etwas anders definiert. Natürlich kann ich Armeen aufstellen und Kriege führen, aber mein eigentliches Imperium besteht aus Handelswegen, Produktionsketten und wirtschaftlichem Einfluss. Dieses Gefühl, aus einem kleinen Stadtstaat langsam eine Handelsmacht zu formen, funktioniert richtig gut und hebt das Spiel angenehm von den zahlreichen Mittelalter-Strategiespielen ab, bei denen am Ende doch wieder nur möglichst viel Land erobert werden soll.

Nicht jeder Bereich besitzt bereits die Tiefe der großen Genrevertreter, grafisch gibt es Luft nach oben und auch Komfort sowie KI könnten an einigen Stellen besser sein. Trotzdem steckt hier eine spannende Mischung aus City Builder, Wirtschaftsstrategie, Grand Strategy und Echtzeitkampf, die gerade Fans komplexerer Mittelalterspiele einige lange Abende beschäftigen kann. City States: Medieval ist vielleicht noch kein neuer König des Genres, aber ein überraschend interessanter kleiner Stadtstaat zwischen den ganz großen Reichen – und irgendwie passt genau das hervorragend zum Spiel.

Mediennerd
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Medienproduzent/Blogger, Katzenliebhaber und 1. FC Köln Fan im hohen Norden. Mit meiner Berufs- und Lebenserfahrung teste und vermarkte ich seit 2009 Produkte aller Art. Sie erhalten immer ein ehrliches Feedback.
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