Straffers Nacht

Straffers Nacht ist ein Buch aus dem Pendragon Verlag und erschien am 16. August 2023.

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Straffers Nacht

In der Nacht sind die Schatten der Vergangenheit unsichtbar +++ Unter Hitler war Erich Straffer ein skrupelloser SS-General. 20 Jahre später streift er als ­Nachtwächter durch finstere Fabrik­hallen. ­Wirtschaftswunder und Wieder­aufstieg sind ihm suspekt. ­Viele alte Nazis machen in der jungen Bundes­republik Karriere, ­haben wichtige ­Posten. Straffer nicht, er wartet auf seine Bestrafung. Dass sie nicht kommt, ­irritiert und zerrüttet ihn zugleich. Nach all den einsamen Nächten wird ein junger Mann aus Tel Aviv sein neuer Kollege. Ein Jude, der in Deutschland den Mörder seines Onkels sucht. Straffer erkennt: Das kann kein Zufall sein. Ist nun die Zeit der Abrechnung ­gekommen?

„Straffers Nacht“ von Wolfgang Wissler ist ein packender und düsterer Roman, der sich intensiv mit der Vergangenheit Deutschlands auseinandersetzt, insbesondere mit den unbequemen Fragen, die sich um die Verantwortung und die ungesühnten Verbrechen der NS-Zeit drehen. Aus der Perspektive von Erich Straffer, einem ehemaligen SS-General, der nun als Nachtwächter ein Schattendasein führt, schildert Wissler ein Bild der inneren Zerrissenheit und Verzweiflung, das beklemmend und aufrüttelnd zugleich ist. Straffer ist keine einfache Figur. Während viele seiner ehemaligen Kameraden in den 1960er-Jahren in der jungen Bundesrepublik wieder zu Ansehen und Macht gelangt sind, fristet er ein Leben im Schatten. Er empfindet Neid und Misstrauen gegenüber jenen, die sich erfolgreich in der neuen Gesellschaft etabliert haben, während er selbst von seiner Schuld und seinen Erinnerungen erdrückt wird. Besonders tragisch wird sein Leben durch die Ankunft seines neuen Kollegen, Reuben Horovitz, einem jungen Juden aus Israel, der nach Deutschland gekommen ist, um den Mörder seines Onkels zur Rechenschaft zu ziehen. Für Straffer wird dieser Moment zur Verkörperung seiner unausweichlichen Konfrontation mit der Vergangenheit​​.

Wissler gelingt es, den Leser tief in die düsteren Gedankengänge und Selbstrechtfertigungen Straffers eintauchen zu lassen. Der Roman konfrontiert uns mit der Frage, wie Menschen mit solcher Vergangenheit mit sich selbst und ihrer Schuld umgehen. Die Figur Straffer verkörpert die inneren Widersprüche und das moralische Dilemma vieler ehemaliger Nationalsozialisten: Einerseits das Wissen um die Verbrechen, andererseits der verzweifelte Versuch, die eigene Rolle herunterzuspielen und in der neuen Gesellschaft zu bestehen. Wissler schildert diese Kämpfe in einem Stil, der die beklemmende Atmosphäre der 1960er-Jahre perfekt einfängt. Die kurzen, präzisen Sätze verleihen dem Text eine rasante Dynamik und verstärken das Gefühl der Unausweichlichkeit​​. Der Roman ist nicht nur ein Krimi, sondern auch ein zeitgeschichtlicher Kommentar, der die Verdrängung und die mangelnde Aufarbeitung der NS-Zeit anprangert. Besonders eindrucksvoll ist, wie Wissler Fakten und Fiktion miteinander verwebt und die tiefen emotionalen und moralischen Konflikte der Nachkriegszeit offenlegt. Dabei bleibt das Buch durchgehend spannend und zwingt den Leser, sich mit der Frage zu beschäftigen, was Gerechtigkeit bedeutet und wie sie nach solch ungeheuerlichen Verbrechen aussehen kann​​.

Wolfgang Wissler, 1960 in Basel geboren, ist ein erfahrener Autor und Journalist. Er hat sich mit diesem Roman bewusst dafür entschieden, eine verstörende Täterperspektive einzunehmen, um die tiefen Widersprüche der deutschen Nachkriegsgesellschaft aufzuzeigen. Wissler ist bekannt für seinen prägnanten Stil und seine Fähigkeit, komplexe historische und gesellschaftliche Themen in fesselnde Erzählungen zu verwandeln​​. „Straffers Nacht“ ist kein Wohlfühlbuch, sondern ein notwendiges Werk, das uns zwingt, über die dunklen Kapitel der Geschichte nachzudenken und die anhaltenden Schatten, die sie auf unsere Gegenwart werfen. Es ist ein Buch, das noch lange nach der Lektüre nachhallt und die Frage aufwirft: Wie weit reicht die Verantwortung eines Einzelnen, und wie soll eine Gesellschaft mit jenen umgehen, die in ihrer Mitte monströse Taten begangen haben? Ein absolut empfehlenswerter Roman, der uns nicht nur an die Vergangenheit erinnert, sondern auch an die Gefahren des Vergessens.

Straffers Nacht

7.8

Aufmachung

8.5/10

Umfang

8.4/10

Schreibstil

7.5/10

Thema

7.5/10

Aufbau

7.6/10

Lesbarkeit

7.7/10

Illustrationen Cover

7.5/10

Umsetzung

7.8/10

Hat mir besonders gefallen

  • Der Roman stellt die moralischen Konflikte und die Verdrängung der NS-Verbrechen in den Vordergrund, was zum Nachdenken anregt​​.
  • Wolfgang Wisslers prägnanter Stil und die rasante Erzählstruktur halten die Spannung hoch und lassen den Leser tief in die düstere Atmosphäre eintauchen​​.
  • Die Figur des Erich Straffer ist komplex und zeigt die innere Zerrissenheit eines ehemaligen NS-Täters, was den Roman besonders intensiv macht​​.
  • Der Roman verbindet geschickt Fakten mit Fiktion und thematisiert die mangelnde Aufarbeitung der NS-Zeit, was das Buch auch aus historischer Perspektive interessant macht​​.
  • Die konsequente Darstellung aus der Sicht des Täters gibt dem Leser einen verstörenden, aber wichtigen Einblick in die Denkweise eines Kriegsverbrechers​​.
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