Ungezügelt

Ungezügelt (Knaur Verlag)

Oktober 2025

Der 13. humorvolle Roman um die Kult-Heldin Andrea Schnidt ist wie ein Treffen mit lieben Freunden, die uns jedes Mal mit den lustigsten Geschichten unterhalten.
Autor: Susanne Fröhlich
Genre: Roman
90%
Umfang
90%
Schreibstil
89%
Thema
94%
Lesbarkeit
87%
Buchcover
60%
Illustrationen
„Ungezügelt“ ist kein laues Spätwerk, sondern ein Buch mit Biss.


89%

Ungezügelt – Wenn das Leben plötzlich Galopp geht

Es gibt Autorinnen, die man aufschlägt – und sofort das Gefühl hat, sie säßen einem gegenüber, Kaffee in der Hand, Augen blitzend, bereit zum Lästern, Lachen und ehrlichen Geschichten erzählen. Susanne Fröhlich gehört zu dieser seltenen Sorte. Mit „Ungezügelt“, dem 13. Band um ihre Kultfigur Andrea Schnidt, beweist sie erneut, dass Humor und Lebensklugheit kein Widerspruch sind – sondern manchmal der einzige Weg, das Chaos des Daseins mit Anstand zu überstehen.

Was will ich eigentlich noch vom Leben?

Andrea Schnidt ist mittlerweile nicht mehr die junge Mutter aus den ersten Bänden, sondern eine Frau, die mitten im Leben steht – mit all den Narben, Zweifeln und Sehnsüchten, die dazugehören. Ihre Kinder sind groß, der Alltag ist geordnet, doch das Herz? Das galoppiert mal wieder davon.

Fröhlich schickt ihre Heldin in diesem Band dorthin, wo sie neue Freiheit findet – und neue Versuchungen. Das Pferd, der Stall, der Duft nach Heu – all das wird zur Metapher für einen Aufbruch, der in Wahrheit viel tiefer geht: Es ist der Versuch, sich selbst wiederzufinden. Zwischen Liebeschaos, Freundinnen, die alles besser wissen, und den kleinen Alltagsdramen, in denen jede Leserin (und ja, auch mancher Leser) sich wiedererkennt.

Susanne Fröhlichs Sprache – direkt, warm, entwaffnend ehrlich

Wer Fröhlich kennt, weiß, was ihn erwartet: klare Worte, kein Blatt vor dem Mund und ein Sprachrhythmus, der vor Lebendigkeit sprüht. Ihre Dialoge klingen so, als wären sie aus dem echten Leben geschnitten – rau, charmant, witzig. Aber hinter der Leichtigkeit liegt Tiefgang.

Denn Fröhlich schafft es, Themen wie Selbstbestimmung, weibliche Lust und gesellschaftliche Erwartungen ohne Zeigefinger, aber mit Wucht anzupacken. „Ungezügelt“ ist kein harmloser Wohlfühlroman, sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme weiblicher Identität jenseits der Vierzig – mit allen Facetten zwischen Verletzlichkeit und Trotz.

Warum dieser Band mehr ist als bloß Unterhaltung

Natürlich kann man „Ungezügelt“ einfach genießen – mit einem Glas Wein und einem breiten Grinsen im Gesicht. Aber wer genauer liest, spürt: Fröhlich schreibt über etwas, das viele verdrängen. Über die Angst, stehenzubleiben. Über die Sehnsucht nach Leidenschaft in einer Welt, die Routine verlangt.

Andrea Schnidt wird zur Projektionsfläche für ungezähmte Träume – sie lebt, stolpert, lacht und fällt hin, um wieder aufzustehen. Und genau darin liegt die Stärke des Buchs: Es feiert das Scheitern als Teil des Lebens, nicht als Makel.

Ein Roman wie ein Ritt durch das Leben

Mit rund 300 Seiten ist „Ungezügelt“ angenehm leicht zu lesen, aber inhaltlich erstaunlich dicht. Fröhlich hat ein feines Gespür für Tempo und Balance – sie wechselt mühelos zwischen Komik und Melancholie, zwischen Stallgeruch und Seelenstriptease.

Man spürt, dass sie weiß, wovon sie schreibt. Die Szenen sind plastisch, die Figuren glaubwürdig – und wer die Reihe kennt, fühlt sich sofort wieder zuhause.

Fazit: Eine wilde, ehrliche, herzerfrischende Fortsetzung

„Ungezügelt“ ist kein laues Spätwerk, sondern ein Buch mit Biss. Ein Roman über Frauen, die sich nicht mit dem zufrieden geben, was die Gesellschaft ihnen zugedacht hat. Über das Alter, das kein Hindernis, sondern eine Einladung ist, neue Wege zu gehen.

Susanne Fröhlich bleibt sich treu – humorvoll, mutig, lebensnah. Und Andrea Schnidt? Die bleibt die Freundin, die wir alle gerne hätten: ehrlich, unperfekt, und manchmal ein bisschen zu wild – aber gerade deshalb so wunderbar echt.

DIESES KÖNNTE DIR AUCH GEFALLEN

Werbung

Mediennerd.de – unabhängig aus Leidenschaft seit 2009

Seit 2009 steht Mediennerd.de für persönliche Rezensionen und Beiträge rund um Games, Technik und digitale Unterhaltung.

Seit Februar 2025 betreibe ich Mediennerd.de ausschließlich als persönliches, nicht auf Gewinnerzielung ausgerichtetes Medienprojekt. Für Veröffentlichungen auf Mediennerd.de erhalte ich seitdem keine Bezahlung, Honorare oder sonstigen Geld-vergütungen. Auch aus Affiliate-Links erhalte ich seit Februar 2025 keine Provisionen oder sonstigen Ein-nahmen.

Bis einschließlich Januar 2025 konnten einzelne Veröffentlichungen vergütet sein und Beiträge Affiliate-Links enthalten, über die Provisionen erzielt wurden.

Alle Rezensionen, Tests und redaktionellen Beiträge geben meine persönliche Meinung und Einschätzung wieder. Inhalte, für die eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht besteht, werden entsprechend gekennzeichnet.