RoadCraft (Focus Entertainment)
Mai 2025
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Du führst ein Spezial-Unternehmen zum Wiederaufbau von Standorten, die durch Naturkatastrophen zerstört wurden. Nutze deine Baumaschinen, um die Industrie wieder anzukurbeln. Beseitige Trümmer, bau beschädigte Straßen und Brücken neu & vieles mehr!
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Entwickler: Saber Interactive
Genre: Bausimulation
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92%
Spielspaß 89%
Wiederspielbarkeit 87%
Langzeitmotivation 92%
Grafik 88%
Umsetzung |
| Für alle, die früher im Sandkasten Bagger geliebt haben, die Steine stapelten, Rampen bauten und kleine Welten erschufen. |

RoadCraft – Wenn der Sandkasten erwachsen wird
Es gibt Spiele, die trifft man völlig unvorbereitet. Sie rauschen herein wie ein Bagger, schieben zur Seite, was man bisher kannte, und hinterlassen eine Baustelle, die man nie wieder verlassen möchte. RoadCraft von Saber Interactive und Focus Entertainment ist genau so ein Spiel. Schon nach wenigen Stunden merkt man: Hier geht es nicht nur um Straßenbau, hier geht es um Kreativität, Teamwork und diesen besonderen Reiz, wenn Maschinen tonnenschwer durch Sand, Geröll und Beton rumpeln.
Der Einstieg – von kleinen Missionen zu großen Projekten
Die ersten Abende mit RoadCraft haben wir zu dritt verbracht. Fünf Tage am Stück, stundenlang, und ich kann es kaum anders sagen: Es war ein Riesenspaß. Anfangs wird man mit kleineren Erkundungsmissionen an die Hand genommen – ein paar Aufgaben, die wie kleine Puzzlestücke wirken. Doch schon bald öffnet sich die Welt und zeigt, was wirklich in ihr steckt: zerstörte Gebiete, Katastrophenszenarien, Elend und Unheil, die nach Wiederaufbau schreien.
Der wohl schönste Moment? Wenn man in eine neue Region vordringt und das Gefühl hat, dass hier gerade ein riesiges Spielfeld auf einen wartet. Im Singleplayer mag das erschlagend wirken – die Masse an Aufgaben, die Hülle und Fülle an Missionen. Aber im Koop verteilt man die Arbeit elegant: Jeder nimmt sich eine Aufgabe, manche Projekte packt man gemeinsam an. Dieses Gefühl von „Wir stemmen das zusammen“ ist einer der größten Pluspunkte des Spiels.

Kreativität im Fokus
Straßenbau klingt trocken, oder? Nicht in RoadCraft. Denn es gibt nicht die eine perfekte Lösung. Jeder Weg, jede Brücke, jede improvisierte Rampe kann funktionieren – oder grandios scheitern. Genau das macht den Reiz aus: diskutieren, ausprobieren, lachen, wenn etwas nicht klappt, jubeln, wenn ein Plan aufgeht.
Die Aufgabenvielfalt könnte noch größer sein, klar. Meistens dreht sich alles ums Bauen von Straßen. Abwechslung bieten Missionen mit Brücken, Transportaufträgen, dem Verlegen von Rohren oder dem Austausch von Betonwänden. Das sind die Momente, die glänzen – kleine Highlights in einem Spiel, das an sich schon viel Raum für Kreativität lässt.
Die Kehrseite: Die KI
So stark RoadCraft in vielen Bereichen ist, so schwach zeigt es sich bei einem entscheidenden Punkt: der KI. Stellt man eine Route fertig und schickt einen Konvoi los, hofft man, dass die Fahrzeuge die Strecke zuverlässig bewältigen. Doch was passiert? Sie hupen, drängen dich von der Straße, fahren stumpf in dich hinein – oder bleiben an einem Stein hängen. Besonders frustrierend: Man muss die Route oft akribisch von jedem noch so kleinen Hindernis befreien, sonst scheitert der Auftrag.
Gerade im Koop ist das verschmerzbar, man hilft sich gegenseitig und lacht über die Aussetzer. Doch im Solo kann es schnell zur Geduldsprobe werden. Hier besteht dringender Nachbesserungsbedarf – denn wenn die KI mehr mitdenken würde, wäre RoadCraft nahe an der Perfektion.

Technik und Präsentation
Und dann gibt es diese Momente, in denen man alles verzeiht. Wenn der Sand unter den Ketten der Planierraupe wegrutscht. Wenn man sich in einem Schlammloch festfährt und nur durch das beherzte Eingreifen eines Kumpels im Kran wieder herausgezogen wird. Die Physik ist ein echtes Highlight – vielleicht das beste, was ich bisher in einer Bausimulation gesehen habe.
Grafisch ist RoadCraft ebenfalls eine Wucht. Egal ob auf mittleren oder hohen Einstellungen: Die Szenarien wirken realistisch, abwechslungsreich und detailverliebt. Mal stapft man durch afrikanische Ebenen, mal durch osteuropäische Wälder oder zerklüftete Hochlandkarten. Jede Karte hat ihren eigenen Charakter. Die ersten beiden dienen noch als Tutorial, doch ab der dritten merkt man: Jetzt wird’s ernst.
Einziger Wermutstropfen: Die Musik. Sie plätschert dahin, unauffällig, nicht störend, aber auch nicht einprägsam. Hier wäre mehr drin gewesen.
Maschinen, Ressourcen und Progression
Ein Herzstück von RoadCraft ist der Fuhrpark. Über 40 Fahrzeuge stehen zur Verfügung: vom einfachen Laster über Bulldozer, Walzen, Kräne bis hin zu Asphaltlegern. Besonders nett: Man startet mit „rostigen“ Varianten, die kostenlos sind. Mit Fortschritt schaltet man bessere Modelle frei – gegen Credits und in den eigenen Firmenfarben.
Die Ressourcenverwaltung ist bewusst simpel gehalten. Holz, Stahlträger, Stahlrohre und Betonplatten – mehr braucht es nicht. Dazu noch Sand für den Straßenbau. Keine überladene Itemflut, sondern klare, nachvollziehbare Materialien. Genau die richtige Balance zwischen Simulation und Spielspaß.
Auch die Progression überzeugt: Missionen bringen Credits und Erfahrungspunkte, damit neue Fahrzeuge und Maschinen freigeschaltet werden. Das motiviert, ohne zu überfordern.

Unterschiede zu SnowRunner und MudRunner
Saber Interactive ist bekannt für Simulationen wie SnowRunner und MudRunner. RoadCraft ist anders – weniger Hardcore, mehr Zugänglichkeit. Kein Schaden, der das Vorankommen zum Albtraum macht. Manche mögen das vermissen, doch für mich ist es die richtige Entscheidung: RoadCraft ist mehr Sandbox, weniger Survival. Es geht ums Bauen, nicht ums Scheitern.
Persönlicher Eindruck
Ich habe mich oft dabei ertappt, wie ich einfach Spaß daran hatte, Sandhügel aufzuschütten, Baumstämme aus dem Weg zu räumen oder Brücken zu errichten – nicht weil es eine Mission verlangte, sondern weil ich sehen wollte, wie es aussieht. RoadCraft hat diese Eigenschaft, die nur wenige Spiele besitzen: Man verliert sich darin. Stunden vergehen, ohne dass man es merkt.
Mit Freunden macht es gleich doppelt so viel Freude. Zu viert eine Straße zu bauen, Aufträge zu verteilen, sich gegenseitig aus dem Dreck zu ziehen – das ist purer Spielspaß. Im Singleplayer schwächelt es hier und da, aber auch allein kann man sich tief hineinziehen lassen.

Fazit
RoadCraft ist ein Spiel für große Kinder. Für alle, die früher im Sandkasten Bagger geliebt haben, die Steine stapelten, Rampen bauten und kleine Welten erschufen. Es ist nicht perfekt – die KI nervt, die Musik ist austauschbar – aber es ist einzigartig. Eine Simulation, die den Begriff „Simulation“ lockerer nimmt, dafür aber enormen Spaß bringt.
Wer SnowRunner 2 erwartet, liegt falsch. Wer aber ein kreatives, technisch starkes und optisch beeindruckendes Bauspiel sucht, das man allein oder mit Freunden genießen kann, sollte hier zugreifen.

