Ich komme nicht zurück ist ein Buch aus dem Dumont Verlag und erschien am 13. August 2024.

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Ich komme nicht zurück
Hanna, Zeyna und Cem – eine leuchtende Freundschaft, die in einem Sommer in den späten Achtzigerjahren ihren Anfang nimmt. Gemeinsam wachsen sie in einer Arbeitersiedlung im Ruhrgebiet auf, bilden eine Wahlfamilie, in der Herkunft keine Rolle spielt. Zuhause ist, wo sie zusammen sein können. Doch je älter die Kinder werden, umso klarer treten die Unterschiede zwischen ihnen hervor. Mit dem 11. September 2001 wird ihre Freundschaft endgültig vor eine Zerreißprobe gestellt, bis sich die Risse zwischen Hanna und Zeyna zum Bruch ausweiten. Jahre später kehrt Hanna zurück in die alte Heimat, in die Wohnung ihrer verstorbenen Großeltern. Die Stadt steht still, und Hanna fühlt sich einsam. Cem, ihr Fels, ist immer noch da, aber Zeyna schon seit Jahren aus ihrem Leben verschwunden. Hanna begibt sich auf die Suche – nach Zeyna, nach Spuren ihrer Geschichte, nach dem, was damals zwischen sie fiel. Sprachlich zupackend und gleichzeitig poetisch erzählt Rasha Khayat von den Leerstellen in unserem Leben und wie wir sie zu überwinden suchen, von der unendlichen Liebe in einer ungewöhnlichen Familienkonstellation und einer tiefen Freundschaft in einer Welt, die aus den Fugen gerät.
Manchmal fühlt es sich so an, als ob man die Vergangenheit wie ein schweres Gepäckstück mit sich herumträgt, das man nicht loswerden kann. Genau so erging es mir, als ich Rasha Khayats Roman „Ich komme nicht zurück“ las, der im Dumont Verlag erschienen ist. Der Roman packte mich von der ersten Seite an und ließ mich in die melancholische Welt der Protagonistin Hanna eintauchen, deren Reise in die eigene Vergangenheit schmerzhaft, aber auch notwendig war. Der Roman erzählt die Geschichte von Hanna, Zeyna und Cem, drei Freunden, die in einer Arbeitersiedlung im Ruhrgebiet der 80er Jahre aufwachsen. Was die Autorin hier auf meisterhafte Weise schafft, ist nicht nur eine Rückschau auf die vergangenen Jahrzehnte, sondern auch eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Themen wie Freundschaft, Verlust und der Suche nach Zugehörigkeit. Khayat zeichnet die Figuren so lebendig und authentisch, dass ich das Gefühl hatte, Teil dieser kleinen, engen Gemeinschaft zu sein. Doch gleichzeitig konnte ich die Risse spüren, die sich im Laufe der Zeit zwischen den Freunden bildeten.
Besonders beeindruckend fand ich, wie Khayat es gelingt, die komplexen Emotionen ihrer Figuren zu vermitteln. Hanna, die als Erzählerin fungiert, ist von tiefer Einsamkeit und Melancholie geprägt. Ihre Rückkehr in die alte Heimat nach dem Tod ihrer Großeltern wird zur Reise in eine Zeit, die längst vergangen ist, die sie aber nicht loslässt. Während sie durch die verlassenen Straßen geht, erinnert sie sich an die glücklichen Tage ihrer Kindheit und die enge Freundschaft zu Zeyna und Cem. Doch die Welt hat sich verändert – und mit ihr die Menschen. Die Brüche in der Freundschaft, die durch gesellschaftliche Ereignisse wie den 11. September 2001 und die anschließende Fremdenfeindlichkeit ausgelöst wurden, sind schmerzhaft, aber nachvollziehbar. Rasha Khayat, die bereits mit ihrem Debütroman „Weil wir längst woanders sind“ auf sich aufmerksam machte, ist eine Autorin, die es versteht, tiefe menschliche Gefühle mit einer poetischen und zugleich klaren Sprache auszudrücken. Ihre Erzählweise ist geprägt von einer zarten Melancholie, die niemals ins Sentimentale abrutscht. Vielmehr lässt sie Raum für Interpretationen, für das Ungesagte, das zwischen den Zeilen mitschwingt. Dieser Stil verleiht dem Roman eine besondere Intensität, die mich oft innehalten ließ, um über das Gelesene nachzudenken.
Der Wechsel zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, die subtile Einbindung von zeitgeschichtlichen Ereignissen und der Verzicht auf einfache Antworten machen den Roman zu einem vielschichtigen Werk, das lange nachwirkt. Auch wenn es Momente gibt, in denen die Handlung etwas stockt und die Figurenzeichnung nicht immer ganz tief geht, wie etwa bei Cems Rolle, der oft als bloßer Vermittler zwischen den beiden Freundinnen dient, bleibt die Geschichte insgesamt packend und emotional aufwühlend. Interessant fand ich auch, dass der Roman einige der großen Themen unserer Zeit – Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und die Suche nach Identität – auf eine sehr persönliche Ebene bringt. Khayat zeigt, wie die großen gesellschaftlichen Veränderungen das Leben und die Beziehungen von Menschen beeinflussen können. Besonders die Auswirkungen der Anschläge vom 11. September und die darauf folgenden Ressentiments gegenüber Muslimen, die Zeyna und ihre Familie direkt betreffen, sind eindrücklich geschildert und geben der Geschichte eine erschreckende Aktualität.
Abschließend kann ich sagen, dass „Ich komme nicht zurück“ ein Roman ist, der nachdenklich macht und gleichzeitig emotional berührt. Es ist eine Geschichte über Freundschaft und Verlust, über das, was uns prägt, und über die Unmöglichkeit, in die Vergangenheit zurückzukehren. Khayat erinnert uns daran, dass manche Wunden niemals ganz heilen und dass das Leben uns oft in Richtungen führt, die wir uns nicht ausgesucht haben. Für alle, die sich auf eine poetische und melancholische Reise begeben wollen, ist dieser Roman eine klare Empfehlung. Rasha Khayat hat mit ihrem neuen Werk eine beeindruckende und berührende Geschichte geschaffen, die sicherlich noch lange in mir nachhallen wird. Ich werde sicherlich noch oft an Hanna, Zeyna und Cem denken – und an das, was hätte sein können.
Ich komme nicht zurück
Hat mir besonders gefallen
- Rasha Khayat schafft es, tiefe Emotionen auf eine zarte und zugleich direkte Weise auszudrücken, ohne ins Sentimentale abzudriften. Die Sprache des Romans ist stilvoll und authentisch.
- Der Roman behandelt zentrale Themen wie Freundschaft, Verlust, Einsamkeit und Rassismus und verknüpft diese gekonnt mit zeitgeschichtlichen Ereignissen.
- Der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart sowie die subtile Einbindung von gesellschaftlichen Veränderungen wie dem 11. September 2001 verleihen dem Roman Tiefe und Aktualität.
- Die Geschichte berührt auf eine Weise, die den Leser zum Nachdenken anregt und emotional mitnimmt, ohne dabei unglaubwürdig zu wirken.
- Khayat zeigt eindrucksvoll, wie gesellschaftliche Ereignisse das Leben und die Beziehungen der Protagonisten beeinflussen.

