Hundert Gedichte ist ein Buch aus dem Eulenspiegel Verlag und erschien am 16. August 2018.

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Hundert Gedichte
Wer sich mit Gedichten aus der DDR oder zeitgenössischer Lyrik befasst, kommt an Peter Hacks nicht vorbei, denn der Dichter war ein Meister der Formkunst und auch in diesem Genre einer der herausragendsten Könner der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts. Zunächst vor allem als Dramatiker und Kinderbuchautor populär, bereicherte Peter Hacks ab den 80er Jahren auch die Lyrik der DDR und dann die Nachwende-Poesie enorm. Er verfasste Balladen, Sonette, Couplets, deckte das ganze Spektrum vom Liebesgedicht bis zur politischen Lyrik ab. In seinen Jetztzeit-Gedichten setzte er sich beispielsweise scharf mit der Wende und ihren Folgen auseinander und trat bis zu seinem Tod immer wieder mit inhaltlich hoch aktueller, formal jedoch sehr klassischer Dichtkunst in den Fokus. Seine Komplizenschaft mit Robert Gernhardt gegen den Formverlust der Gegenwartslyrik, für ein »Reim-muss-bleim«, ist legendär und in amüsanten Briefen überliefert…
Als ich das Buch „Hundert Gedichte“ von Peter Hacks in die Hand nahm, war ich sofort von der edlen Aufmachung beeindruckt. Das in einem sanften Goldton gehaltene Cover suggeriert bereits den hohen Anspruch, der sich in diesem Werk verbirgt. Peter Hacks, ein herausragender deutscher Dichter und Dramatiker des 20. Jahrhunderts, hat diese Sammlung selbst zusammengestellt, was dem Leser einen tiefen Einblick in sein lyrisches Schaffen gewährt. Peter Hacks ist vor allem als Dramatiker und Kinderbuchautor bekannt geworden, aber seine Lyrik, die er ab den 1980er Jahren vermehrt verfasste, offenbart eine beeindruckende Vielseitigkeit. Hacks verstand es meisterhaft, philosophischen Tiefgang mit feinem Humor zu verbinden, was in „Hundert Gedichte“ besonders gut zur Geltung kommt. Die Gedichte wechseln zwischen Sinnlichkeit, Komik und Zorn, und sie zeigen eine bemerkenswerte Gedankenschärfe, die Hacks‘ Fähigkeit zur Beobachtung und Reflexion widerspiegelt.
Was mich besonders an diesem Gedichtband fasziniert hat, ist die Vielfalt der Themen und der Tonalität. Die Gedichte reichen von philosophischen Betrachtungen über politische Kommentare bis hin zu intimen Gefühlen. In einem Gedicht wie „Couplet der Prosperina“ beispielsweise, zeigt Hacks seine Vorliebe für humorvolle und gleichzeitig tiefgründige Erzählungen, während er in anderen Gedichten die Natur beschreibt, wie etwa die märkischen Wiesen oder den Oder-Havel-Kanal. Sein Umgang mit der Sprache ist präzise und gleichzeitig verspielt. Hacks scheut sich nicht, Erotik durchschimmern zu lassen, wie in seinem Gedicht „Endymion“, wo er die Beziehung zwischen Selene und Endymion auf eine sehr sinnliche Weise darstellt. Diese Gedichte sind oft metrisch und gereimt, was ihnen eine klassische Struktur verleiht, die dennoch frisch und modern wirkt.
Besonders bemerkenswert ist auch die politische und gesellschaftliche Schärfe, die sich in vielen seiner Gedichte zeigt. Hacks, der 1955 von München in die DDR übersiedelte, hatte stets eine kritische Distanz zum Kulturbetrieb und äußerte sich häufig abfällig über die seiner Meinung nach sinkenden intellektuellen Standards. Diese Kritik findet sich in Gedichten wie „Tagtraum“ wieder, in dem Hacks auf subtile und dennoch bittere Weise mit seinen Kritikern abrechnet. Neben diesen thematischen Aspekten beeindruckt auch die handwerkliche Qualität der Gedichte. Hacks beweist eine enorme Sprachkraft und eine Fähigkeit zur Verdichtung von Gedanken und Gefühlen, die jedes Gedicht zu einem kleinen Kunstwerk macht. Die Gedichte in diesem Band, die Hacks selbst ausgewählt hat, stellen eine Art lyrisches Vermächtnis dar und bieten sowohl dem Kenner als auch dem Neuling in Hacks‘ Werk eine hervorragende Einführung in seine Lyrik.
Abschließend lässt sich sagen, dass „Hundert Gedichte“ nicht nur ein Buch für Liebhaber von Poesie ist, sondern auch für alle, die sich für die deutsche Literatur und die Zeitgeschichte interessieren. Peter Hacks gelingt es, mit seiner klaren Sprache und der Vielfalt seiner Themen einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Die Gedichte in diesem Band laden dazu ein, immer wieder neu entdeckt zu werden, und bieten bei jedem Lesen neue Einsichten und Emotionen. Diese Sammlung ist ein Muss für jeden, der die deutsche Lyrik des 20. Jahrhunderts verstehen und genießen möchte. Die Kombination aus Formschönheit, inhaltlicher Tiefe und sprachlicher Präzision macht „Hundert Gedichte“ zu einem zeitlosen Klassiker, der weit über das historische und kulturelle Erbe der DDR hinaus Bedeutung hat.
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass „Hundert Gedichte“ eine gelungene Zusammenstellung von Peter Hacks‘ lyrischem Schaffen ist und zeigt, warum er zu den bedeutendsten deutschen Dichtern seiner Zeit zählt. Wer dieses Buch liest, wird nicht nur mit einer Vielzahl von Gefühlen konfrontiert, sondern auch mit einer Dichtung, die gleichermaßen anspruchsvoll und zugänglich ist. Ein wahres Juwel der deutschen Literatur.
Hundert Gedichte
Hat mir besonders gefallen
- Die Gedichte decken eine breite Palette von Themen ab, von Philosophie über Politik bis hin zu Natur und Liebe, was den Band besonders abwechslungsreich macht.
- Peter Hacks' Gedichte zeichnen sich durch präzise Sprache und meisterhafte Handwerkskunst aus, was sie zu kleinen literarischen Kunstwerken macht.
- Hacks kombiniert auf einzigartige Weise feinen Humor mit philosophischem Tiefgang, was die Gedichte sowohl unterhaltsam als auch nachdenklich macht.
- Viele Gedichte enthalten scharfsinnige Kommentare zur politischen und gesellschaftlichen Lage, insbesondere zur Zeit der DDR, was sie historisch und kulturell bedeutsam macht.
- Trotz ihres historischen Kontextes haben die Gedichte eine zeitlose Qualität, die sie auch für moderne Leser relevant und ansprechend macht.

