Frosthaven

Frosthaven (Arc Games)

Oktober 2026

FROSTHAVEN, das hochgelobte Brettspiel aus der kreativen Feder von Isaac Childres, erobert nun die digitale Welt! Dieses Dark-Fantasy-Taktik-RPG bietet tiefgehende Mechaniken und ein herausforderndes und gleichzeitig lohnenswertes Gameplay, sowohl im Einzelspieler- als auch im Online-Koop-Modus.
Entwickler: Snapshot Games Inc.
Genre: Taktisches Rollenspiel
88%
Spielspaß
87%
Wiederspielbarkeit
90%
Langzeitmotivation
80%
Grafik
76%
Umsetzung
Frosthaven ist gewaltig. Selbst Gloomhaven wirkt rückblickend stellenweise fast wie die Vorbereitung auf das, was Isaac Childres mit diesem Nachfolger gebaut hat.


82%

Gloomhaven war eigentlich erst der Anfang

Wer schon mit Gloomhaven seine Freude hatte, weiß ungefähr, worauf er sich bei Frosthaven einlässt. Nur dass „ungefähr“ hier eine ziemlich wichtige Einschränkung ist. Frosthaven nimmt das taktische Kartensystem seines Vorgängers, erweitert praktisch jeden Bereich und packt zusätzlich einen kompletten Siedlungsaufbau, Herstellungssysteme, Jahreszeiten, Verteidigung des eigenen Außenpostens und eine gewaltige Kampagne dazu. Das Brettspiel von Isaac Childres war schon auf dem Tisch ein ziemlich monströses Paket, und Snapshot Games versucht nun, genau dieses Ungetüm digital beherrschbar zu machen.

Nach einem Early-Access-Start am 31. Juli 2025 ist die PC-Version am 15. Oktober 2026 offiziell als Version 1.0 erschienen. Damit ist nun die komplette Kampagne enthalten, sämtliche 17 spielbaren Klassen stehen zur Verfügung und auch das finale Kapitel wurde umgesetzt. Zusätzlich gibt es inzwischen einen verbesserten Einstieg, anpassbare House Rules und einen umfangreichen Codex, der einem immerhin einen Teil der sonst notwendigen Zettelwirtschaft abnimmt.

Das grundlegende Kampfsystem ist weiterhin großartig

Wer Gloomhaven nicht kennt, muss sich zunächst von einigen klassischen Rollenspielgewohnheiten verabschieden. Hier wähle ich nicht einfach „Angriff“, „Zauber“ oder „Verteidigung“ aus einem Menü. Jede Figur besitzt ein eigenes Kartendeck, und vor jeder Runde wähle ich zwei Karten aus meiner Hand. Jede Karte besitzt eine obere und eine untere Aktion, wobei normalerweise von einer Karte die obere und von der anderen die untere Hälfte verwendet wird.

Das klingt zunächst komplizierter, als es nach kurzer Eingewöhnung ist, entwickelt aber eine enorme taktische Tiefe. Bewegung, Angriffe, Heilung, Beschwörungen, Statusveränderungen und Spezialfähigkeiten hängen alle an diesen Karten. Zusätzlich bestimmt eine der gewählten Initiativzahlen, wann die Figur innerhalb der Runde handeln darf. Dadurch plane ich nicht nur, was ich tun möchte, sondern auch, wann es passieren soll.

Noch wichtiger ist, dass meine Karten gleichzeitig eine Art Ausdauer darstellen. Manche verschwinden nach Nutzung zunächst auf dem Ablagestapel, besonders starke Aktionen können eine Karte aber für das gesamte Szenario verlieren lassen. Irgendwann wird meine Hand dadurch immer kleiner. Wer seine mächtigsten Fähigkeiten sofort verschwenderisch heraushaut, kann deshalb später nicht etwa wegen fehlender Lebenspunkte, sondern schlicht wegen fehlender Karten aus dem Szenario ausscheiden.

Genau diese Mechanik macht die Kämpfe auch nach vielen Stunden interessant. Jede Aktion hat einen Preis, und manchmal ist die spektakulärste Fähigkeit eben nicht die beste Entscheidung.

Frosthaven ist noch komplexer als Gloomhaven

Schon Gloomhaven war kein Spiel, das man nebenbei beim Telefonieren lernt. Frosthaven setzt trotzdem noch eine Schicht darauf. Das beginnt bei den Charakterklassen, die teilweise ausgesprochen ungewöhnliche Mechaniken besitzen, und reicht bis zu Szenarien, die wesentlich häufiger mit Sonderregeln und besonderen Zielen arbeiten.

Zum vollständigen 1.0-Release stehen alle 17 Charakterklassen des Brettspiels zur Verfügung. Viele davon werden erst innerhalb der Kampagne freigeschaltet, sodass neue Figuren tatsächlich wie kleine Belohnungen wirken. Jede Klasse besitzt eine eigene Identität und teilweise Mechaniken, die zunächst fast wie ein eigenes kleines Spielsystem verstanden werden müssen.

Gerade das gefällt mir an Frosthaven. Ein neuer Charakter ist nicht einfach derselbe Kämpfer mit anderen Schadenswerten. Manche Klassen verlangen Vorausplanung über mehrere Runden, andere spielen mit Beschwörungen, besonderen Ressourcen oder sehr ungewöhnlichen Bewegungsmöglichkeiten. Dadurch verändert ein Wechsel der Gruppe tatsächlich die Art, wie ich Szenarien angehe.

Und leicht ist das Ganze definitiv nicht

Man sollte Frosthaven außerdem nicht mit einem gemütlichen Fantasy-Rollenspiel verwechseln. Schon normale Missionen können eine Gruppe ziemlich schnell auseinandernehmen, wenn Fähigkeiten schlecht aufeinander abgestimmt werden. Gegner handeln über eigene Karten, besitzen unterschiedliche Bewegungs- und Angriffsmuster und können aus einer eigentlich kontrollierten Situation innerhalb einer Runde ein mittelschweres Desaster machen.

Besonders spannend ist, dass sich der Zufallsfaktor trotz Karten und Modifikatoren vergleichsweise gut kontrollieren lässt. Eine schlechte Runde kann passieren, aber meistens erkenne ich im Nachhinein auch eigene Fehler. Vielleicht stand eine Figur zu weit vorne, vielleicht habe ich zu viele Karten verloren oder vielleicht wollte ich unbedingt einen Gegner erledigen, obwohl Rückzug die bessere Entscheidung gewesen wäre.

Das bedeutet allerdings auch, dass Frosthaven nicht besonders gnädig zu Einsteigern ist. Snapshot Games hat den Einstieg gegenüber dem Early Access deutlich verbessert und mit Road to Frosthaven sogar eine speziell für die digitale Version entwickelte Einführung gebaut. Trotzdem bleibt darunter eines der komplexeren taktischen Rollenspiele, die man derzeit am PC spielen kann.

Der Außenposten macht Frosthaven erst wirklich anders

Der größte Unterschied zu Gloomhaven wartet zwischen den Missionen. Ich kehre regelmäßig in die namensgebende Siedlung Frosthaven zurück und baue sie nach und nach aus. Materialien wie Holz, Metall und Häute, die während der Missionen erbeutet werden, bekommen dadurch eine wesentlich wichtigere Bedeutung als einfache Verkaufsware.

Gebäude werden errichtet und verbessert, neue Funktionen freigeschaltet und Gegenstände hergestellt. Gleichzeitig schreitet ein Kalender voran, Jahreszeiten ändern sich und bestimmte Ereignisse treten erst nach einer festgelegten Zahl von Wochen auf. Frosthaven kann sogar angegriffen werden, weshalb Verteidigungsanlagen und andere Verbesserungen keineswegs nur kosmetische Spielereien darstellen.

Dieser Siedlungsaspekt gefällt mir besonders, weil dadurch zwischen den taktischen Missionen ein zweiter Fortschrittsstrang entsteht. Ich verbessere nicht ausschließlich meine einzelnen Helden, sondern sehe gleichzeitig, wie aus dem ziemlich erbärmlichen Außenposten langsam eine richtige Siedlung wird.

Crafting statt einfach alles beim Händler kaufen

Auch die Ausrüstung funktioniert anders als noch bei Gloomhaven. Einen wesentlich größeren Teil stelle ich selbst her. Baupläne schalten neue Gegenstände frei, anschließend benötige ich die passenden Materialien beziehungsweise teilweise sogar bereits vorhandene Gegenstände als Bestandteil eines neuen Rezepts.

Dadurch wird das Looten innerhalb der Szenarien interessanter. Eine kleine Menge Holz sieht zunächst nicht sonderlich spannend aus, kann später aber genau das Material sein, das mir für ein wichtiges Gebäude oder eine Ausrüstung fehlt. Das sorgt allerdings auch dafür, dass Frosthaven noch stärker nach langfristiger Planung verlangt.

Nicht jeder wird diesen Ausbau mögen. Wer an Gloomhaven hauptsächlich die taktischen Kämpfe mochte, könnte die zusätzlichen Verwaltungsphasen teilweise als Unterbrechung empfinden. Für mich gehören sie allerdings zu den Dingen, die dem Nachfolger eine eigene Identität geben.

Die Kampagne ist riesig

Beim Umfang muss sich jedenfalls niemand Sorgen machen. Das digitale Frosthaven übernimmt inzwischen die komplette Storykampagne des Brettspiels bis zum abschließenden Kapitel. Selbst Spieler mit sehr viel Erfahrung können hier problemlos weit über hundert Stunden verbringen, und aktuelle Nutzerberichte sprechen bei vollständigen Kampagnen durchaus von Größenordnungen um 100 bis 150 Stunden.

Dabei besteht der Reiz nicht allein aus der Zahl der Szenarien. Charaktere gehen irgendwann in den Ruhestand, neue Klassen werden freigeschaltet, Gebäude kommen hinzu und verschiedene Handlungsstränge entwickeln sich weiter. Dadurch verändert sich die Kampagne dauerhaft und vermittelt sehr gut, dass nicht dieselben vier Helden für immer durch dieselben Dungeons laufen.

Gerade als digitales Brettspiel besitzt Frosthaven hier einen riesigen Vorteil. Aufbau, Verwaltung, Monsterbewegungen, Kartendecks und diverse Statuswerte werden vom Computer übernommen. Wer das echte Brettspiel kennt, weiß, wie viel Zeit allein dadurch eingespart wird.

Der Computer nimmt mir Arbeit ab, aber nicht das Denken

Das ist überhaupt einer der größten Pluspunkte dieser Umsetzung. Frosthaven bleibt sehr nah an seiner Brettspielvorlage, nimmt mir aber einen Großteil der mechanischen Verwaltungsarbeit ab. Gegner bewegen sich automatisch nach ihren Regeln, Schadensmodifikatoren werden gezogen, Zustände verwaltet und Szenarioregeln technisch umgesetzt.

Dadurch kann ich mich wesentlich stärker auf die eigentlichen Entscheidungen konzentrieren. Gleichzeitig hat diese Nähe zur Vorlage auch einen Nachteil: Manche Abläufe wirken weiterhin wie digitalisiertes Brettspiel und nicht wie Systeme, die ausschließlich für einen PC-Titel entwickelt worden wären. Menüs, Bestätigungen und einzelne Regelabläufe können entsprechend etwas umständlich wirken.

Die 1.0-Version versucht hier mit verbessertem UI, zusätzlichen Hilfestellungen und einem vollständigen Codex gegenzusteuern. Das hilft deutlich, aber aus Frosthaven wird dadurch trotzdem kein besonders leicht zugängliches Spiel.

House Rules sind eine hervorragende Ergänzung

Eine der sinnvollsten Neuerungen der Vollversion sind für mich die anpassbaren House Rules. Damit können bestimmte Regeln den eigenen Vorlieben angepasst werden, was gerade bei einem Brettspiel mit diesem Umfang hervorragend passt.

Denn längst nicht jede Gruppe möchte exakt denselben Schwierigkeitsgrad oder jedes Regelwerk bis zur letzten Konsequenz übernehmen. Schon bei physischen Brettspielrunden entstehen irgendwann Hausregeln, und die digitale Version erkennt das nun endlich ausdrücklich an.

Gerade Einsteiger können sich dadurch einige Spitzen nehmen, während erfahrene Gruppen ihre Kampagne entsprechend anspruchsvoller gestalten. Das ist eine wesentlich elegantere Lösung, als einfach nur einen Schwierigkeitsregler zwischen „leicht“ und „schwer“ anzubieten.

Im Solo-Spiel funktioniert Frosthaven ausgezeichnet

Alleine kann ich mehrere Figuren selbst kontrollieren und dadurch sämtliche taktischen Entscheidungen treffen. Das ist anspruchsvoll, weil ich mehrere Hände mit eigenen Karten und Mechaniken gleichzeitig im Kopf behalten muss, funktioniert technisch aber bislang deutlich zuverlässiger als der Multiplayer.

Wer gerne komplexe Strategiespiele spielt, kann darin sogar einen besonderen Reiz finden. Mit mehreren Charakteren plane ich komplette Rundenketten, kombiniere Fähigkeiten und kann perfekt abstimmen, welche Figur wann wo stehen soll. Im Gegenzug dauert eine Runde natürlich deutlich länger, weil sämtliche Entscheidungen bei mir landen.

Gerade im Solo-Spiel zeigt sich aber, wie stark das eigentliche Fundament ist. Charakterklassen, Szenarien und die gesamte Progression ergeben eines der umfangreichsten taktischen Brettspielsysteme, die derzeit digital verfügbar sind.

Der Koop sollte eigentlich die Königsdisziplin sein

Auf dem Papier ist das gemeinsame Spielen fast noch interessanter. Bis zu vier Spieler können online zusammen antreten und jeweils ihre eigenen Charaktere kontrollieren. Frosthaven lebt gerade davon, dass man miteinander diskutiert, Pläne schmiedet und anschließend feststellt, dass der Mitspieler selbstverständlich doch etwas vollkommen anderes vorhatte.

Leider ist ausgerechnet dieser Bereich zum 1.0-Start das größte Problem.

Snapshot Games hatte für Version 1.0 ausdrücklich Netzwerkverbesserungen und ein optimiertes Koop-Erlebnis angekündigt. Trotzdem berichten derzeit zahlreiche Steam-Spieler von Desynchronisationen, Verbindungsabbrüchen und Abstürzen. Teilweise treten Fehler mitten in längeren Szenarien auf oder bestimmte Aktionen lösen reproduzierbare Probleme aus.

Das ist bei einem Spiel dieser Art besonders ärgerlich. Eine Mission kann problemlos eine Stunde dauern, und wenn anschließend ein technisches Problem die Gruppe zum Neustart zwingt, ist der Frust entsprechend groß.

Die Steam-Wertungen sind gerade deutlich abgesackt

Dieser technische Zustand schlägt sich ziemlich klar in den Nutzerbewertungen nieder. Insgesamt steht Frosthaven derzeit bei ungefähr 70 Prozent positiven Rezensionen aus mehr als 900 Bewertungen. Noch problematischer sind die jüngsten Bewertungen: In den letzten 30 Tagen sind aktuell nur rund 53 Prozent positiv, womit die neuere Resonanz auf „Ausgeglichen“ beziehungsweise Mixed gefallen ist.

Interessant ist dabei, dass viele negative Rezensionen ausdrücklich nicht das eigentliche Spielprinzip kritisieren. Im Gegenteil: Häufig werden Kampagne, Charaktere und taktische Kämpfe gelobt, während Multiplayerfehler, Abstürze und seit dem Early Access bekannte Bugs den Ausschlag für die negative Bewertung geben.

Das macht die Situation fast noch ärgerlicher. Snapshot Games muss kein schlechtes Spiel retten, sondern vor allem die Technik eines bereits sehr guten Spiels zuverlässig bekommen.

Grafisch zweckmäßig statt spektakulär

Optisch ist Frosthaven ordentlich, aber sicherlich kein Spiel, das man wegen technischer Höchstleistungen kauft. Charaktermodelle und Gegner sind detailliert genug, Fähigkeiten besitzen gut erkennbare Effekte und die verschiedenen Umgebungen vermitteln die frostige Dark-Fantasy-Welt überzeugend.

Trotzdem bleibt die Präsentation relativ funktional. Animationen wiederholen sich häufig und die Karten wirken bewusst wie digitale Spielfelder statt wie vollständig natürliche Landschaften. Das passt zur Brettspielherkunft, verhindert allerdings, dass die Optik mit modernen großen Strategie- oder Rollenspielproduktionen konkurriert.

Für mich ist das kein großes Problem. Gerade in einem so komplexen Taktikspiel ist Lesbarkeit wesentlich wichtiger als spektakuläre Grafik. Ich muss erkennen können, welche Felder erreichbar sind, wo Gefahren liegen und welche Gegner gerade welche Zustände besitzen.

Deutsch ist dabei, die Stimmen bleiben Englisch

Positiv ist die vollständige deutsche Oberfläche samt deutscher Untertitel. Insgesamt unterstützt das Spiel zehn Sprachen für Texte und Menüs, während die Sprachausgabe ausschließlich auf Englisch verfügbar ist.

Gerade bei Frosthaven ist eine deutsche Übersetzung enorm wichtig. Hier gibt es unzählige Kartentexte, Statusbeschreibungen und Regelbegriffe, bei denen schon ein kleines Missverständnis eine komplette Runde ruinieren kann. Wer lieber auf Deutsch spielt, muss deshalb nicht erst ein halbes taktisches Wörterbuch lernen.

Fazit – Großartiges Taktikspiel mit einem unfertigen Koop

Frosthaven ist gewaltig. Selbst Gloomhaven wirkt rückblickend stellenweise fast wie die Vorbereitung auf das, was Isaac Childres mit diesem Nachfolger gebaut hat. Mehr Charakterklassen, komplexere Szenarien, Crafting, Jahreszeiten, Außenpostenbau und die permanente Entwicklung Frosthavens sorgen dafür, dass zwischen zwei Kämpfen wesentlich mehr passiert.

Der wichtigste Bestandteil bleibt trotzdem das Kartensystem. Zwei Karten auswählen, Initiative festlegen, obere und untere Aktion kombinieren und gleichzeitig darauf achten, nicht zu viele Karten dauerhaft zu verlieren, klingt zunächst sperrig. Sobald dieses System allerdings klickt, entstehen unglaublich gute taktische Situationen. Kaum eine Entscheidung fühlt sich vollkommen bedeutungslos an, und ein Fehler kann mehrere Runden später noch Folgen haben.

Auch die digitale Umsetzung ergibt grundsätzlich enorm viel Sinn. Der Computer übernimmt einen gigantischen Berg an Verwaltungsarbeit, ohne die taktischen Entscheidungen für mich zu treffen. Gerade deshalb kann ich mir kaum vorstellen, eine derart lange Kampagne regelmäßig als physisches Brettspiel aufzubauen und anschließend wieder komplett wegzuräumen.

Der Außenposten gefällt mir ebenfalls sehr gut. Ressourcen aus Missionen fließen in neue Gebäude, Ausrüstung und Verteidigung, während der Kalender die Welt weiterdreht. Dadurch wächst nicht nur meine Gruppe, sondern Frosthaven selbst. Das sorgt für ein Fortschrittsgefühl, das dem Vorgänger in dieser Form noch gefehlt hat.

Trotzdem kann ich die Vollversion aktuell nicht völlig bedenkenlos empfehlen, insbesondere nicht für Gruppen, die hauptsächlich online spielen möchten. Die vielen Berichte über Desyncs, Abstürze und andere Netzwerkprobleme passen einfach nicht zu einem Spiel, das mehr als ein Jahr im Early Access verbracht hat und nun offiziell Version 1.0 trägt.

Im Solo-Spiel fällt diese Schwäche wesentlich weniger ins Gewicht. Dort bleibt hauptsächlich ein ausgesprochen umfangreiches, komplexes und hervorragend designtes taktisches Rollenspiel, bei dem ich problemlos dreistellige Spielzeiten erreichen kann. Im Koop steckt eigentlich sogar noch mehr Potenzial, nur muss Snapshot Games die Technik endlich zuverlässig bekommen.

Deshalb sehe ich Frosthaven aktuell als hervorragendes Spiel in einer noch nicht vollständig überzeugenden PC-Version. Die Regeln funktionieren, die Kampagne ist riesig und die taktische Tiefe gehört zu den besten Vertretern des Genres. Nur die technische Umsetzung hält mit dieser Qualität momentan nicht überall Schritt.

Wenn Snapshot Games die Multiplayerprobleme sauber behebt, sehe ich hier problemlos Potenzial für eine Wertung in den hohen 80ern. Zum jetzigen Zeitpunkt muss ich diese Baustellen aber mitbewerten.

Denn bei einem Spiel über sorgfältige Planung sollte ausgerechnet die Netzwerkverbindung nicht der unberechenbarste Gegner sein.

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