Finster ist der neue Pageturner von Ivar Leon Menger mit Gänsehaut-Effekt! aus dem dtv Verlag und erschien am 22. August 2024.

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Finster
Mai 1986. Ein 13-jähriger Junge verschwindet spurlos vom Jahrmarkt in Katzenbrunn. Das passiert nicht zum ersten Mal. Seit Jahren werden in dem kleinen Dorf im Odenwald immer wieder Kinder als vermisst gemeldet. Hans J. Stahl, Kriminalkommissar a. D., beschließt daraufhin, die Ermittlungen an den seither ungelösten Fällen wieder aufzunehmen und auf eigene Faust weiterzuführen. Er kehrt zurück nach Katzenbrunn, das vor allem für seine psychiatrische Klinik bekannt ist. Dabei stößt er auf verstörende Geheimnisse. Während er den wenigen Spuren nachgeht, verschwindet ein weiterer Junge. Stahl läuft die Zeit davon.
Mit „Finster“ entführt uns Ivar Leon Menger in das Jahr 1986 und in das düstere Dorf Katzenbrunn, das voller Geheimnisse und bedrückender Atmosphäre steckt. Schon auf den ersten Seiten zieht mich die dichte und unheilvolle Stimmung in ihren Bann. Es ist, als ob ich die schmutzigen Straßen des Dorfes spüre, in denen Kinderlachen längst verstummt ist, seit der „Greifer“ sein Unwesen treibt. Die Handlung dreht sich um den ehemaligen Kriminalkommissar Hans J. Stahl, der vor zehn Jahren schon einmal in Katzenbrunn ermittelt hat. Damals verschwanden ebenfalls Kinder, doch den Täter konnte er nicht fassen. Als erneut ein Junge spurlos verschwindet, kehrt Stahl zurück, um sich seinen ungelösten Fall noch einmal vorzunehmen. Die düsteren Erinnerungen und das Versprechen, das er den Eltern der vermissten Kinder gegeben hat, lassen ihm keine Ruhe. Sofort fällt auf, dass das Dorf seitdem nicht zur Ruhe gekommen ist. Jeder scheint etwas zu verbergen, doch niemand spricht offen darüber. Die Spannung steigt, als Stahl sich in das Geflecht aus Lügen und Halbwahrheiten verstrickt und der Leser mit ihm auf jede falsche Fährte geführt wird.
Ivar Leon Menger gelingt es meisterhaft, eine Atmosphäre des Misstrauens und der Beklemmung aufzubauen. Die zahlreichen Perspektivwechsel geben Einblick in das Leben der unterschiedlichen Dorfbewohner, die alle ihre eigenen Geheimnisse zu haben scheinen. Es ist faszinierend, wie sich der Autor Zeit nimmt, um die Charaktere zu entwickeln, und dennoch verliert man nie den Überblick. Vielmehr wird man immer tiefer in die Geschichte hineingezogen, bis sich ein komplexes Bild des Dorfes und seiner Bewohner entfaltet. Besonders bemerkenswert finde ich den Schreibstil, der flüssig und spannend ist. Die kurzen Kapitel und häufigen Cliffhanger sorgen dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Es gibt einige Momente, in denen die Handlung so dicht wird, dass es fast schon bedrückend wirkt, doch genau das macht den Reiz von „Finster“ aus. Die 80er-Jahre-Atmosphäre trägt zusätzlich dazu bei, dass ich mich voll und ganz in die Geschichte hineinversetzen kann. Der Bezug zu realen Ereignissen, wie der Tschernobyl-Katastrophe, verstärkt das Gefühl der Bedrohung und Unsicherheit, das das gesamte Buch durchzieht.
Die Charaktere sind wunderbar vielschichtig. Besonders Hans J. Stahl als Hauptfigur ist überzeugend. Seine innere Zerrissenheit und das Gefühl des Versagens, das ihn antreibt, machen ihn zu einem Protagonisten, mit dem man mitfiebert. Die Dorfbewohner hingegen sind fast alle in einer Grauzone angesiedelt. Es gibt keinen klaren Bösewicht, was die Spannung noch verstärkt. Man weiß nie, wem man trauen kann, und genau das macht das Buch so packend. Ein kleiner Kritikpunkt ist die relativ frühe Auflösung des Rätsels. Obwohl ich den Twist nicht kommen sah und er mich überrascht hat, hätte ich mir gewünscht, noch länger im Ungewissen gehalten zu werden. Dennoch schafft es Menger, die Spannung bis zum Ende aufrechtzuerhalten, was nicht selbstverständlich ist.
Ivar Leon Menger, der bereits mit seinen vorherigen Thrillern wie „Als das Böse kam“ und „Angst“ für Furore sorgte, hat mit „Finster“ erneut bewiesen, dass er ein Meister des subtilen Grauens ist. Seine Fähigkeit, eine düstere, fast greifbare Atmosphäre zu schaffen, und dabei eine Geschichte zu erzählen, die bis zum Ende fesselt, macht ihn zu einem herausragenden Autor im Genre des Thrillers. Wer Geschichten mag, die nicht nur durch Blut und Gewalt, sondern vor allem durch psychologische Tiefe und atmosphärische Dichte überzeugen, sollte „Finster“ unbedingt lesen. Abschließend lässt sich sagen: „Finster“ ist ein Muss für Thriller-Fans, die eine dunkle, fesselnde Geschichte in einem packenden Setting suchen. Die Reise ins Jahr 1986 und in das düstere Katzenbrunn ist es auf jeden Fall wert.
Finster
Hat mir besonders gefallen
- Das Buch schafft es, von Anfang an eine beklemmende Stimmung aufzubauen, die den Leser in das düstere Setting des Dorfs Katzenbrunn eintauchen lässt.
- Die Figuren sind komplex und facettenreich, was die Spannung und das Misstrauen im Verlauf der Geschichte erhöht.
- Kurze Kapitel und häufige Cliffhanger sorgen dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann.
- Der Bezug zur Zeit und zu realen Ereignissen wie Tschernobyl verstärkt die Authentizität und die Bedrohlichkeit der Geschichte.
- Obwohl die Auflösung relativ früh kommt, enthält das Buch unerwartete Twists, die die Spannung bis zum Ende aufrechterhalten.

