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Ein glühend heißer Nachmittag

Ein glühend heißer Nachmittag (März Verlag)

September 2024

Schon bei der Ankunft am Flughafen Mexico City fesselt ein blutrotes Graffito Matildas Blick, und eine dunkle Ahnung nimmt von ihr Besitz, ihre kurze Reise werde ein grausames Ende nehmen…
Autor: Christel Buschmann
Genre: Roman
70%
Umfang
85%
Schreibstil
80%
Thema
75%
Lesbarkeit
70%
Buchcover
60%
Illustrationen
„Ein glühend heißer Nachmittag“ ist kein einfaches Buch. Es ist düster, verstörend und verlangt dem Leser einiges ab.


73%

Ein glühend heißer Nachmittag

Es gibt Bücher, die einen sofort in ihren Bann ziehen, und dann gibt es solche, die wie ein langsames Brennen wirken, das erst nach und nach seine volle Kraft entfaltet. „Ein glühend heißer Nachmittag“ von Christel Buschmann gehört zweifelsohne zur zweiten Kategorie. Dieser Roman entfaltet sich in einem Rausch der Gefühle, der mich von der ersten Seite an gefesselt hat. Es ist weniger die Handlung selbst, die diesen Bann ausübt, sondern vielmehr die Art und Weise, wie die Autorin mit der Realität spielt, sie verzerrt und uns in die Abgründe einer Psyche eintauchen lässt.

Die Geschichte von Matilda: Realität oder Wahnsinn?

Die Handlung dreht sich um Matilda, die bereits bei ihrer Ankunft in Mexico City von einem bedrückenden Gefühl heimgesucht wird. Ein blutrotes Graffito und die drückende Hitze der Stadt sind die ersten Anzeichen, dass diese Reise anders verlaufen wird, als sie es sich vorgestellt hat. Matildas Welt beginnt zu verschwimmen, die Grenze zwischen Wirklichkeit und Wahn ist kaum noch auszumachen. Sie wird von Visionen und Ängsten heimgesucht, die sich immer weiter aufschaukeln. Besonders faszinierend ist dabei, wie Buschmann es schafft, diese inneren Kämpfe so intensiv und greifbar zu beschreiben, dass man selbst als Leser oft unsicher wird, was real ist und was nicht.

Der Roman bewegt sich dabei zwischen einem düsteren Psychothriller und einem intensiven Liebesroman. Matilda trifft auf einen Fremden, der ihre Gedanken dominiert. Die Begegnung ist intensiv und bittersüß, doch die Ungewissheit bleibt: Ist dieser Mann real oder nur ein weiterer Teil ihres wahnsinnigen Traums? Diese Frage durchzieht den Roman wie ein roter Faden und sorgt dafür, dass man die Seiten beinahe atemlos umblättert.

Ein intensives Debüt von Christel Buschmann

Christel Buschmann, geboren 1942, ist nicht nur Schriftstellerin, sondern auch Drehbuchautorin und Regisseurin. „Ein glühend heißer Nachmittag“ ist ihr Romandebüt, was umso bemerkenswerter ist, da sie zuvor vor allem im Film- und Fernsehbereich tätig war. Diese Erfahrung spürt man in der bildhaften und filmischen Sprache des Romans, die es schafft, Stimmungen und Atmosphären so intensiv zu transportieren, als würde man einen Film vor dem inneren Auge ablaufen sehen.

In der Vergangenheit arbeitete Buschmann unter anderem als Kulturjournalistin und Literaturkritikerin, was sicherlich ihren präzisen und anspruchsvollen Stil beeinflusst hat. Ihre Beschreibungen sind kunstvoll, ohne dabei überladen zu wirken, und lassen Raum für Interpretation und eigene Gedankenspiele.

Psychothriller oder Liebesdrama?

Was diesen Roman besonders macht, ist die genreübergreifende Erzählweise. Auf der einen Seite haben wir eine klassische Thriller-Komponente: die ständige Bedrohung, die Matilda spürt, ihre Angst vor dem Fremden und vor dem, was sie umgibt. Auf der anderen Seite steht die Liebesgeschichte – doch auch diese ist keineswegs konventionell. Es ist keine Liebe, die Trost spendet oder Stabilität bringt, sondern eine, die ebenso verstörend und zerstörerisch ist wie der Rest von Matildas Realität.

Der Wechsel zwischen diesen beiden Ebenen – Thriller und Liebesdrama – ist fließend, und Buschmann beherrscht es meisterhaft, die Balance zu halten, ohne dass eine der beiden Seiten das Buch dominiert. So bleibt die Handlung bis zum Ende spannend und unvorhersehbar.

Fazit: Ein intensives Leseerlebnis

„Ein glühend heißer Nachmittag“ ist kein einfaches Buch. Es ist düster, verstörend und verlangt dem Leser einiges ab. Wer sich jedoch auf die surreale Welt von Matilda einlässt, wird mit einer intensiven und außergewöhnlichen Leseerfahrung belohnt. Der Roman ist atmosphärisch dicht, die Sprache kunstvoll, und die Charaktere – allen voran Matilda – sind faszinierend in ihrer Ambivalenz.

Für Leser, die gerne in psychologische Abgründe blicken und sich von einem Buch fordern lassen, ist dieser Roman eine klare Empfehlung. Er zeigt eindrucksvoll, dass Christel Buschmann nicht nur als Regisseurin, sondern auch als Autorin großes Talent besitzt.

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