Die Hinrichtung ist ein Buch von kul-ja! publishing und erschien am 29. Juli 2024.

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Die Hinrichtung
Das sind mal Nachrichten: Melchior Ferner, der unbescholtene Leiter eines Hallenbades, fischt eine städtische Vorladung aus der Post – zu seiner eigenen Exekution. Trotz Anfechtungen, trotz der Aufforderungen von Frau und Tochter, Widerstand zu leisten, entschließt er sich zu kooperieren. Womit Ferner nicht gerechnet hat: dass das bizarre Personal im Rathaus, einschließlich diverser darin spukender Geister, nichts mit dem entschlossenen Delinquenten anzufangen weiß. „Die Hinrichtung“ ist ein Roman zwischen Traum und Realität, zwischen himmelschreiender Tragik und grotesker Komik. Vom Tod höchstselbst erzählt.
Der Roman „Die Hinrichtung“ von Peter Zemla, veröffentlicht von kul-ja! publishing, hat mich zutiefst beeindruckt. Es ist ein Werk, das sich zwischen Traum und Realität bewegt, durchsetzt von grotesker Komik und tiefgreifender Tragik. Die Geschichte von Melchior Ferner, einem scheinbar gewöhnlichen Leiter eines Hallenbades, der eines Tages eine Vorladung zu seiner eigenen Hinrichtung erhält, entfaltet sich mit einer faszinierenden Mischung aus Absurdität und Nachdenklichkeit.
Die Prämisse des Buches ist ebenso einfach wie surreal: Melchior Ferner, der Protagonist, wird ohne Angabe von Gründen zum Tode verurteilt. Statt sich gegen das Unrecht zu wehren, akzeptiert Ferner sein Schicksal beinahe stoisch. Diese Entscheidung, nicht gegen das absurde Urteil anzukämpfen, löst bei seiner Familie und seinem Umfeld Unverständnis und Wut aus. Dennoch bleibt Ferner entschlossen, seinen eigenen Weg zu gehen, was den Leser immer wieder zum Nachdenken anregt: Warum ergibt sich jemand ohne Kampf einem solchen Schicksal? Peter Zemla gelingt es meisterhaft, diese kafkaeske Situation darzustellen und den Leser in eine Welt zu entführen, die einerseits so fremd und andererseits erschreckend nah an der Realität ist. Die bürokratische Maschinerie, die Ferner in ihren Klauen hält, wird durch bizarre Charaktere und skurrile Begegnungen lebendig, was die surreale Atmosphäre des Romans verstärkt. Der Roman ist durchzogen von einer beißenden Gesellschaftskritik, die sich in den grotesken und komischen Elementen widerspiegelt.
Zemlas Sprache ist prägnant und poetisch. Er versteht es, mit wenigen Worten starke Bilder zu erzeugen, die lange im Gedächtnis bleiben. Der Wechsel zwischen nüchterner Beschreibung und philosophischer Reflexion verleiht dem Buch eine besondere Tiefe. Die Dialoge sind pointiert und tragen viel zur Charakterentwicklung bei. Besonders beeindruckend finde ich, wie Zemla den Tod als Erzähler einführt, was dem Roman eine zusätzliche, fast mythische Dimension verleiht. Der Autor spielt geschickt mit den Erwartungen des Lesers. Immer wieder wird man in eine falsche Sicherheit gewogen, nur um dann von einer überraschenden Wendung aus der Bahn geworfen zu werden. Diese Unvorhersehbarkeit hält die Spannung aufrecht und sorgt dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann.
Melchior Ferner ist eine vielschichtige Figur, die trotz ihrer Passivität faszinierend bleibt. Seine innere Zerrissenheit und seine letztlich resignative Akzeptanz des Unvermeidlichen werfen viele Fragen über den Wert des Lebens und den Sinn von Widerstand auf. Auch die Nebencharaktere sind gut ausgearbeitet und tragen wesentlich zur Vielschichtigkeit des Romans bei. Sie repräsentieren unterschiedliche Reaktionen auf die Absurdität des Lebens, von rebellischer Auflehnung bis zu blindem Gehorsam.
Peter Zemla, geboren 1964 in Bamberg, hat sich mit „Die Hinrichtung“ erneut als ein Meister des surrealen Erzählens bewiesen. Seine literarische Karriere ist vielfältig, mit Veröffentlichungen in zahlreichen Anthologien und Literaturzeitschriften. Bereits 2018 war er Stadtschreiber von Pfaffenhofen an der Ilm und hat 2020 mit der Erzählung „Das Spielzeug“ den Walter-Serner-Preis des rbb und des Literaturhauses Berlin gewonnen. Zemla gelingt es immer wieder, gesellschaftliche Themen mit einem einzigartigen Blickwinkel zu beleuchten und seine Leser in den Bann zu ziehen.
„Die Hinrichtung“ ist ein Buch, das lange nachhallt. Es ist eine kritische Auseinandersetzung mit der Bürokratie und den Absurditäten des Lebens, die durch Zemlas pointierte Sprache und seinen subtilen Humor besticht. Der Roman regt zum Nachdenken an und bietet keinen einfachen Ausweg oder klare Antworten. Stattdessen fordert er den Leser heraus, die eigene Haltung zu Themen wie Schicksal, Widerstand und Akzeptanz zu hinterfragen. Insgesamt ist „Die Hinrichtung“ ein bemerkenswertes Werk, das sowohl literarisch als auch thematisch überzeugt. Peter Zemla hat mit diesem Roman ein weiteres Mal bewiesen, dass er zu den bedeutendsten Stimmen der zeitgenössischen deutschen Literatur gehört. Für alle, die sich auf eine literarische Reise zwischen Traum und Realität einlassen möchten, ist dieses Buch ein absolutes Muss.
Die Hinrichtung
Hat mir besonders gefallen
- Die Handlung um einen Mann, der zur eigenen Hinrichtung vorgeladen wird, bietet eine einzigartige und spannende Ausgangssituation, die den Leser sofort in ihren Bann zieht.
- Der Roman behandelt komplexe Themen wie Akzeptanz, Schicksal und Widerstand und regt den Leser dazu an, über seine eigene Haltung zu diesen Fragen nachzudenken.
- Peter Zemla verwendet eine prägnante und poetische Sprache, die starke Bilder erzeugt und der Geschichte eine besondere Tiefe verleiht.
- Die gelungene Mischung aus tragischen und komischen Elementen sorgt für eine einzigartige Leseerfahrung, die sowohl unterhält als auch zum Nachdenken anregt.
- Die gut ausgearbeiteten Charaktere, insbesondere der Protagonist Melchior Ferner, bieten eine Vielzahl von Perspektiven und verleihen der Geschichte Vielschichtigkeit.

