City Tales – Medieval Era (Firesquid)
Januar 2026
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City Tales ist ein mittelalterliches Städtebauspiel, in dem du deiner Kreativität freien Lauf lassen kannst, denn du errichtest ohne traditionelles Gitter gewaltige Städte. Verwalte Ressourcen, decke die Bedürfnisse deiner Bürger ab und erschaffe eine florierende Stadt, auf die du stolz sein kannst!
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Entwickler: Irregular Shapes
Genre: Städtebau
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87%
Spielspaß 82%
Wiederspielbarkeit 85%
Langzeitmotivation 84%
Grafik 86%
Umsetzung |
| City Tales – Medieval Era ist kein Spiel für Optimierer. Es ist ein Spiel für Menschen, die gerne zuschauen, gestalten, wachsen lassen. |

Wenn Städte nicht geplant, sondern erzählt werden
Es gibt Aufbauspiele, die fühlen sich an wie Tabellenarbeit. Raster, Effizienz, perfekte Winkel. Und dann gibt es Spiele, die einen anderen Weg gehen – Spiele, die nicht fragen, wie optimal etwas ist, sondern wie es sich anfühlt. City Tales – Medieval Era gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.
Schon nach den ersten Stunden war mir klar: Das hier ist kein klassischer Städtebau im Sinne von „alles muss perfekt laufen“. Es ist ein Spiel über organisches Wachstum, über Geschichten, die aus Straßen entstehen, über Dörfer, die langsam zu Städten werden – nicht weil man es plant, sondern weil es passiert.
Ein Mittelalter ohne Lineal
Was City Tales – Medieval Era sofort von vielen Genrevertretern unterscheidet, ist der komplette Verzicht auf starre Raster. Straßen schlängeln sich, Gebäude passen sich an, Plätze entstehen aus Zufällen. Genau so, wie man es aus echten mittelalterlichen Städten kennt.
Man merkt sofort: Die Entwickler haben verstanden, dass mittelalterlicher Städtebau nicht logisch, sondern historisch chaotisch war. Häuser stehen schief, Wege führen nicht immer direkt ans Ziel, und genau daraus entsteht Charme.
Ich habe mich dabei ertappt, wie ich absichtlich nicht optimiert habe. Wie ich Wege laufen ließ, statt sie zu erzwingen. Wie ich Viertel entstehen ließ, weil sich dort Handwerker ansiedelten – nicht, weil ich es ihnen befohlen habe, sondern weil es Sinn ergab. Dieses Gefühl, die Kontrolle bewusst ein Stück weit abzugeben, ist ungewohnt, aber unglaublich befreiend.

Geschichten statt Systeme
Der Titel ist Programm: City Tales will Geschichten erzählen. Nicht über Zwischensequenzen oder lange Texte, sondern über das, was in deiner Stadt passiert.
Bewohner haben Bedürfnisse, Berufe, Tagesabläufe. Man beobachtet, wie Händler morgens ihre Stände aufbauen, wie Kinder über den Marktplatz laufen, wie abends die Tavernen voller werden. Es ist kein Simulationstiefgang wie bei Hardcore-Wirtschaftsspielen, aber genug, um eine glaubwürdige Welt zu erschaffen.
Was mir besonders gefallen hat: Jede Stadt fühlt sich anders an. Nicht nur optisch, sondern auch atmosphärisch. Ein Dorf am Fluss entwickelt andere Schwerpunkte als eine Siedlung im Wald oder in den Bergen. Und obwohl die Mechaniken ähnlich bleiben, entstehen völlig unterschiedliche Stadtbilder.
Das ist kein Spiel, das man „durchspielt“. Es ist ein Spiel, das man beobachtet.
Aufbau ohne Stress, aber mit Anspruch
City Tales – Medieval Era verzichtet bewusst auf viele Stressmechaniken. Es gibt keine permanenten Katastrophen, keinen gnadenlosen Ressourcenmangel, keine Minutentimer.
Das heißt aber nicht, dass das Spiel anspruchslos ist. Die Herausforderung liegt woanders. Man muss Zusammenhänge verstehen, langfristig denken, Geduld haben. Wer seine Stadt falsch wachsen lässt, merkt das erst Stunden später – etwa durch Verkehrsprobleme, schlechte Versorgung oder soziale Spannungen.
Mir hat dieser entschleunigte Ansatz sehr gefallen. Es ist ein Spiel, das man auch nach einem langen Tag starten kann, ohne sofort unter Druck zu geraten. Gleichzeitig bleibt es spannend, weil jede Entscheidung langfristige Auswirkungen hat.

Gestaltung: Ein Spiel für Schönbauer
Für Schönbauer ist City Tales – Medieval Era ein absoluter Traum. Die Vielfalt an Gebäuden, Deko-Elementen, Straßenarten und Landschaftsdetails ist enorm.
Man kann kleine Details setzen, Plätze gestalten, Viertel thematisch aufbauen. Und weil alles organisch wächst, sieht selbst eine ungeplante Stadt erstaunlich harmonisch aus.
Ich habe mehr Zeit damit verbracht, meine Stadt zu verschönern, als neue Produktionsketten zu optimieren. Und das fühlt sich hier nicht falsch an – im Gegenteil. Das Spiel belohnt Ästhetik. Schöne Städte ziehen mehr Bewohner an, steigern die Zufriedenheit und erzeugen ein positives Gesamtbild.
Es ist eines dieser Spiele, bei denen man gerne einfach reinzoomt und zuschaut.
Technik und Präsentation
Grafisch ist City Tales – Medieval Era kein Hochglanzprodukt, aber sehr stimmungsvoll. Der Stil ist weich, warm, fast märchenhaft. Farben sind bewusst zurückhaltend, Lichtstimmungen spielen eine große Rolle.
Gerade bei Sonnenuntergang oder im Morgengrauen entfaltet das Spiel eine unglaubliche Atmosphäre. Nebel über den Feldern, Rauch aus Schornsteinen, Licht in den Fenstern – es wirkt lebendig, ohne aufdringlich zu sein.
Die Performance war in meinem Spiel solide, auch bei größeren Städten. Kleine Ruckler traten gelegentlich auf, vor allem beim schnellen Zoomen oder bei sehr dicht bebauten Bereichen, aber nichts, was den Spielfluss ernsthaft gestört hätte.
Der Soundtrack ist ruhig, mittelalterlich angehaucht, aber nie dominant. Er begleitet das Spiel, statt es zu kommentieren. Genau richtig für ein Spiel, das eher erzählt als antreibt.

Kritikpunkte: Tiefe mit Grenzen
So sehr ich City Tales – Medieval Era mag, es ist nicht frei von Schwächen.
Die wirtschaftliche Tiefe ist begrenzt. Wer komplexe Produktionsketten, tiefgehende Handelsmechaniken oder politische Systeme erwartet, wird hier nicht fündig. Das Spiel setzt bewusst auf Zugänglichkeit und Atmosphäre – und das geht auf Kosten der Komplexität.
Auch die Ereignisse wiederholen sich nach einiger Zeit. Es fehlt ein wenig an überraschenden Wendungen oder größeren Herausforderungen, die den Spielverlauf aufbrechen.
Zudem hätte ich mir mehr Einflussmöglichkeiten auf die Bevölkerung gewünscht. Entscheidungen fühlen sich manchmal zu indirekt an, gerade wenn man gezielt in eine Richtung steuern möchte.
Diese Kritikpunkte sind jedoch keine Designfehler, sondern klare Designentscheidungen. City Tales will kein Hardcore-Aufbauspiel sein – und das sollte man akzeptieren.
Ein Städtebau wie ein gutes Buch
City Tales – Medieval Era ist kein Spiel für Optimierer. Es ist ein Spiel für Menschen, die gerne zuschauen, gestalten, wachsen lassen.
Es fühlt sich an wie ein gutes Buch: ruhig, detailverliebt, mit Raum für eigene Interpretation. Jede Stadt erzählt ihre eigene Geschichte, jede Straße hat ihren Ursprung, jedes Viertel seine Identität.
Ich habe selten ein Aufbauspiel gespielt, das so viel Wert auf Atmosphäre legt, ohne dabei beliebig zu wirken. Es ist kein Spiel, das dich zwingt weiterzumachen – aber eines, das dich immer wieder zurückholt.
Für mich ist City Tales – Medieval Era eine der angenehmsten Städtebau-Erfahrungen der letzten Zeit. Nicht, weil es alles besser macht als andere, sondern weil es bewusst etwas anderes macht.

