StartBesonders empfehlenswertSerious Sam: Shatterverse

Serious Sam: Shatterverse

Serious Sam: Shatterverse (Devolver Digital)

AUGUST 2026

Serious Sam: Shatterverse ist ein Koop-Roguelite-Ego-Shooter für 1–5 Spieler. Durchstreift Universen im Wandel, sammelt wilde Boni, verzerrt die Regeln mit Lauf-Modifikatoren und jagt Mentals tödlichste Horden. Schnell sterben. Stärker zurückkommen.
Entwickler: Behaviour Interactive Inc.
Genre: Roguelike Shooter
76%
Spielspaß
76%
Wiederspielbarkeit
71%
Langzeitmotivation
75%
Grafik
72%
Umsetzung
Serious Sam: Shatterverse ist ein interessantes Experiment.


74%

Serious Sam als Roguelite

Serious Sam war für mich immer eines dieser Spiele, bei denen man ziemlich genau weiß, was man bekommt. Große Gegnerhorden, dicke Waffen, absurder Humor und eigentlich nur eine Regel: Wenn irgendwo etwas lebt, schießt man darauf. Serious Sam: Shatterverse versucht nun, dieses bekannte Konzept in ein Roguelite zu übertragen. Statt einer klassischen linearen Kampagne kämpft man sich wiederholt durch verschiedene Abschnitte, sammelt Boni, verändert seinen Build und versucht, Runde für Runde stärker zu werden. Gespielt werden kann allein oder im Koop mit bis zu fünf Spielern.

Auf dem Papier passt das erstaunlich gut. Schließlich bestand Serious Sam schon immer aus riesigen Gegnerwellen und der Freude daran, irgendwann völlig übertriebene Feuerkraft auf alles loszulassen, was einem entgegenkommt. Genau diese Eskalation ist auch im Roguelite-Genre enorm wichtig. In der Praxis funktioniert die Kombination durchaus, allerdings längst nicht so rund, wie sie eigentlich könnte. Shatterverse ist kein schlechtes Spiel, aber man merkt relativ schnell, dass einige Systeme noch nicht optimal ausbalanciert sind.

Fünf Sams gegen Mentals Multiversum

Die Geschichte ist selbstverständlich wieder hauptsächlich ein Vorwand, möglichst viele Monster zu erschießen. Uber Mental hat diesmal die Grenzen zwischen verschiedenen Universen zerstört und dadurch das sogenannte Shatterverse erschaffen. Sam ist entsprechend nicht mehr allein unterwegs. Verschiedene Versionen des bekannten Helden treffen aufeinander und müssen gemeinsam Mentals Truppen bekämpfen. Ziel ist es, dessen fünf mächtige Leutnants auszuschalten.

Das Multiversum ist natürlich eine bequeme Erklärung dafür, warum unterschiedliche Varianten von Sam gleichzeitig existieren können, passt aber wunderbar zum ohnehin völlig durchgeknallten Stil der Serie. Insgesamt stehen fünf unterschiedliche Sams zur Verfügung, die jeweils eigene Fähigkeiten beziehungsweise spielerische Besonderheiten besitzen. Dadurch entsteht zumindest ein wenig Variation, auch wenn die wichtigste Beschäftigung natürlich weiterhin aus Schießen besteht.

Das Gunplay ist solide

Wenn Shatterverse eines richtig machen muss, dann das Schießen. Und hier fällt mein Eindruck gemischt aus. Die grundlegende Bewegung funktioniert gut, Gegner kommen wieder in größeren Mengen auf einen zugerannt und das bekannte Rückwärtslaufen, Ausweichen und gleichzeitige Feuern fühlt sich grundsätzlich nach Serious Sam an. Behaviour Interactive orientierte sich nach eigener Aussage besonders an The First Encounter und The Second Encounter und wollte dieses klassische Gefühl in Unreal Engine übertragen.

Ganz erreicht wird die alte Wucht für mich allerdings nicht. Einige Waffen fühlen sich ordentlich an, andere könnten deutlich mehr Durchschlagskraft vermitteln. Auch die Nahkampfangriffe beziehungsweise Finisher wirken vergleichsweise unspektakulär. Gerade bei einem Spiel, das so stark von permanenter Action lebt, fällt das auf. Es fehlt manchmal dieses kompromisslose Gefühl, mit völlig übertriebener Bewaffnung durch eine Gegnerhorde zu pflügen.

Trotzdem kann das Spiel in seinen besten Momenten richtig Spaß machen. Wenn der Bildschirm voller Gegner steht, Explosionen überall stattfinden und gleichzeitig mehrere Spieler ihre Fähigkeiten einsetzen, entsteht genau dieses typische Serious Sam-Chaos.

Im Koop funktioniert das Ganze deutlich besser

Besonders im Multiplayer spielt Shatterverse seine Stärken aus. Bis zu fünf Spieler können gemeinsam antreten, dazu kommt Crossplay. Mit mehreren Spielern entsteht schlicht wesentlich mehr Chaos, und genau davon lebt die Reihe.

Allein funktioniert das Spiel ebenfalls, aber dann treten die Wiederholungen deutlich stärker hervor. Im Koop kann man darüber hinwegsehen, weil ständig irgendjemand irgendeinen Unsinn anstellt oder ein völlig übertriebener Build entsteht. Solo konzentriert man sich dagegen stärker auf die eigentlichen Systeme, und dort merkt man schneller, wo noch Luft nach oben besteht.

Gerade auf höheren Schwierigkeitsgraden kann das Zusammenspiel allerdings richtig unterhaltsam werden. Dann wird es wichtig, sich sinnvoll zu positionieren, Fähigkeiten miteinander zu kombinieren und nicht einfach blind in jede Gegnergruppe zu springen.

Boni und Builds sorgen für die nötige Roguelite-Motivation

Während eines Runs sammelt man sogenannte Boons, also Boni, die den eigenen Charakter immer stärker verändern können. Dazu kommen Run-Modifikatoren, die bestimmte Regeln verändern und dadurch für zusätzliche Abwechslung sorgen sollen. Nach und nach entstehen Builds, die teilweise ziemlich absurd werden können. Genau hier funktioniert das Roguelite-Prinzip am besten.

Es macht Spaß, zu Beginn noch relativ schwach unterwegs zu sein und später Kombinationen zu erreichen, mit denen ganze Gegnergruppen innerhalb weniger Sekunden verschwinden. Gerade diese Eskalation passt hervorragend zu Serious Sam. Manchmal bekommt man Kombinationen, die fast schon unfair stark wirken, ein anderes Mal dagegen Modifikatoren, die einen Run deutlich schwieriger machen.

Das Problem ist allerdings, dass die Progression außerhalb der einzelnen Runs teilweise zu langsam ausfällt. Waffen und permanente Verbesserungen werden nicht schnell genug freigeschaltet, wodurch gerade die ersten Stunden unnötig zäh wirken können. Genau diese langsame Progression gehört auch zu den häufigsten Kritikpunkten in frühen Tests.

Die ersten Stunden sind leider die schwächsten

Das ist für mich eines der größten Probleme des Spiels. Ein Roguelite muss relativ schnell zeigen, warum ein weiterer Run spannend ist. Bei Shatterverse braucht es jedoch eine Weile, bis die Systeme tatsächlich Fahrt aufnehmen.

Gerade am Anfang sind die Builds noch vergleichsweise unspektakulär, die Waffenvielfalt eingeschränkt und einige der interessanteren Möglichkeiten noch nicht verfügbar. Dadurch entsteht ein ziemlich schwacher erster Eindruck. Erst später, wenn mehr Optionen freigeschaltet sind, werden die Runs deutlich interessanter.

Das ist schade, weil viele Spieler wahrscheinlich genau in dieser Phase entscheiden, ob sie weiterspielen möchten. Und angesichts der aktuell nur rund 48 Prozent positiven Steam-Nutzerbewertungen scheint diese Einstiegshürde tatsächlich viele abzuschrecken.

Zu wenige wirklich unterschiedliche Gebiete

Auch bei den Schauplätzen merkt man relativ schnell, dass der Umfang begrenzt ist. Die einzelnen Runs greifen immer wieder auf bekannte Arenen und Strukturen zurück. Modifikatoren verändern zwar Gegner, Regeln und manchmal das Spielgefühl, können aber nicht vollständig darüber hinwegtäuschen, dass die eigentliche Auswahl an Gebieten relativ überschaubar bleibt.

Genau hier verliert Shatterverse etwas von der Stärke klassischer Serious Sam-Spiele. Dort waren die großen, handgebauten Level ein wichtiger Bestandteil des Erlebnisses. Man wusste nie genau, welche absurde Arena oder welche völlig übertriebene Gegnerwelle als Nächstes wartet. Das Roguelite-Prinzip sorgt hier zwar für mehr Wiederholbarkeit, gleichzeitig geht aber etwas von diesem klassischen Leveldesign verloren. Auch andere Tests bemängeln eine begrenzte Anzahl einzigartiger Areale.

Bosskämpfe zwischen Spektakel und Routine

Mental schickt fünf Leutnants ins Rennen, die als große Zwischenziele dienen. Grundsätzlich gefällt mir die Idee, jedem Run größere Bossbegegnungen entgegenzustellen. Einige Kämpfe können tatsächlich ziemlich spektakulär werden und funktionieren besonders im Koop hervorragend.

Allerdings erreichen nicht alle Bosse das gleiche Niveau. Manche fühlen sich wie echte Höhepunkte an, andere eher wie größere Varianten gewöhnlicher Begegnungen. Das ist etwas enttäuschend, weil Behaviour Interactive ausdrücklich betont hat, dass die großen Bosskämpfe ein wichtiger Bestandteil des Projekts waren.

Gerade bei Serious Sam darf es bei Bossen ruhig völlig übertrieben sein. Wenn das Spiel ohnehin mit einem Multiversum arbeitet, hätte man hier noch wesentlich verrückter werden können.

Technisch noch nicht ganz sauber

Auch technisch gibt es aktuell noch einige Probleme. Spieler berichten unter anderem von Bugs, durch die Runs beeinträchtigt oder sogar beendet werden können. Besonders problematisch sind Situationen, in denen man durch Umgebungen fällt oder nach einem Knockdown nicht vernünftig weiterspielen kann.

Bei einem Roguelite sind solche Fehler besonders ärgerlich. Wenn ein gewöhnliches Spiel nach zwanzig Minuten abstürzt, ist das nervig. Wenn ein Roguelite nach einem guten Run mit starkem Build Probleme macht, fühlt sich das deutlich schlimmer an, weil der gesamte Fortschritt dieser Runde verloren sein kann.

Das Spiel ist erst am 31. August 2026 erschienen, weshalb hier sicherlich noch Updates folgen werden. Trotzdem muss die aktuelle Version bewertet werden, und momentan fehlt an einigen Stellen noch technischer Feinschliff.

Optisch bunt, sauber und etwas weniger Serious Sam

Grafisch geht Shatterverse einen deutlich bunteren und teilweise fast cartoonartigen Weg. Das passt natürlich zum Multiversum-Konzept und sorgt dafür, dass sich das Spiel klar von den bisherigen Teilen unterscheidet.

Technisch sieht das ordentlich aus, erreicht aber keinen Punkt, an dem ich regelmäßig stehenbleiben würde, um die Umgebung zu bewundern. Dafür bleibt ohnehin kaum Zeit. Positiv ist, dass Gegner meist gut erkennbar sind und die Übersicht selbst bei größeren Gegnerwellen noch halbwegs funktioniert.

Der Stil wird wahrscheinlich nicht jedem langjährigen Fan gefallen. Ich finde ihn grundsätzlich in Ordnung, allerdings fehlt mir stellenweise etwas von der dreckigen, absurden Atmosphäre früherer Teile.

Ein Serious Sam für zwischendurch

Was Shatterverse gut gelingt, ist die Struktur für kürzere Spielsessions. Man startet einen Run, schießt sich durch mehrere Gegnerwellen, sammelt neue Boni und schaut, wie weit man diesmal kommt. Dafür eignet sich das Konzept hervorragend.

Langfristig hängt die Motivation allerdings stark davon ab, wie gerne man Roguelites spielt. Wer permanent neue Runs starten und Builds optimieren möchte, bekommt durchaus einiges geboten. Wer dagegen hauptsächlich wegen klassischem Serious Sam hier ist, könnte sich irgendwann nach einer normalen Kampagne mit handgebauten Levels sehnen.

Für mich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Ich mag die Idee, finde einige Kombinationen richtig spaßig und würde das Spiel im Koop jederzeit wieder starten. Gleichzeitig fehlt mir die Abwechslung, die nötig wäre, um wirklich über viele Wochen hinweg immer wieder zurückzukehren.

Fazit

Serious Sam: Shatterverse ist ein interessantes Experiment. Die Idee, das bekannte Horde-Shooter-Prinzip mit einem Roguelite zu verbinden, ergibt absolut Sinn. Wenn mehrere Spieler gleichzeitig durch große Gegnergruppen pflügen und die eigenen Boni langsam völlig außer Kontrolle geraten, funktioniert das richtig gut.

Leider braucht das Spiel zu lange, bis dieser Punkt erreicht wird. Die Progression startet zu langsam, einige Arenen wiederholen sich zu häufig und technisch gibt es noch mehrere Baustellen. Auch das Gunplay besitzt nicht immer die Wucht, die ich von Serious Sam erwarte. Besonders solo treten diese Schwächen deutlich stärker hervor.

Im Koop sieht die Sache besser aus. Mit Freunden können die hektischen Kämpfe richtig Spaß machen und gerade spätere Builds zeigen, wie gut die Idee eigentlich funktionieren kann. Deshalb würde ich Shatterverse keineswegs abschreiben. Es besitzt eine solide Grundlage, die mit besserem Balancing, mehr Levels und einigen technischen Updates deutlich gewinnen könnte.

Momentan bleibt für mich ein ordentliches, aber keineswegs herausragendes Serious Sam. Wer Roguelites und Koop-Shooter mag, kann definitiv seinen Spaß haben. Wer allerdings ein neues The First Encounter oder The Second Encounter erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht sein.

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