Underchoice

Underchoice (Targem Games)

JUNI 2026

Underchoice ist ein Überlebenssimulator, der in einem versiegelten Bunker spielt. Werden Sie zum Aufseher und bestimmen Sie das Schicksal derer, die an die Tür klopfen. Jede Ihrer Entscheidungen hat einzigartige Konsequenzen und führt zu unterschiedlichen Enden.
Entwickler: TG Indie
Genre: Simulation
82%
Spielspaß
84%
Wiederspielbarkeit
80%
Langzeitmotivation
76%
Grafik
83%
Umsetzung
Kein Spiel für jeden Abend, aber eines, das im Kopf bleibt.


88%

Underchoice

Underchoice ist eines dieser Spiele, die auf den ersten Blick klein wirken, aber sehr schnell deutlich schwerer werden, als man erwartet. Nicht, weil es mechanisch übermäßig kompliziert wäre, sondern weil jede Entscheidung eine unangenehme moralische Schwere bekommt. Die Welt draußen ist nicht mehr sicher, der Bunker ist einer der letzten Orte, an denen Menschen überhaupt noch überleben können, und wir übernehmen die Rolle des Aufsehers. Das klingt nach klassischer Postapokalypse, aber der eigentliche Reiz liegt nicht im Weltuntergang selbst, sondern in der Frage, wen wir retten und wen wir draußen lassen.

Schon nach kurzer Zeit entfaltet das Spiel eine bedrückende Spannung. Es klopft an der Tür, jemand bittet um Einlass, und plötzlich muss man entscheiden. Ist diese Person eine Chance für den Bunker oder ein Risiko? Bringt sie Fähigkeiten mit, Nahrung, Medizin, Hoffnung? Oder Krankheit, Gewalt, Lügen und Gefahr? Underchoice erinnert damit stark an Spiele wie Papers, Please, nur eben verlegt in einen geschlossenen Bunker, in dem jede falsche Entscheidung den ohnehin dünnen Faden des Überlebens weiter ausfransen lässt.

Gameplay – Bürokratie im Weltuntergang

Spielerisch dreht sich fast alles um Entscheidungen, Ressourcen und Konsequenzen. Man sitzt nicht mit einer Waffe in der Hand vor der Tür, sondern in einer Position, die viel unangenehmer ist: Man verwaltet Schicksale. Menschen kommen mit Geschichten, Bitten, Ausreden oder Warnzeichen. Dazu kommen interne Probleme im Bunker, technische Defekte, begrenzte Vorräte und Konflikte zwischen Bewohnern. Nahrung, Medikamente und Werkzeuge sind knapp, und genau deshalb ist jede großzügige Entscheidung gleichzeitig auch ein Risiko für alle, die bereits drinnen sind.

Das Spiel funktioniert besonders gut, weil es seine Mechaniken nicht unnötig aufbläht. Man prüft Situationen, wägt Informationen ab und trifft Entscheidungen. Aber unter dieser Einfachheit liegt der eigentliche Druck. Manchmal wirkt eine Entscheidung im Moment richtig, nur um später unangenehme Folgen zu zeigen. Jemand, den man hereingelassen hat, verursacht Probleme. Jemand, den man abgewiesen hat, hätte vielleicht helfen können. Dadurch entsteht ein ständiges Gefühl von Unsicherheit. Man spielt nicht auf perfekte Optimierung, sondern versucht irgendwie, mit den Folgen der eigenen Urteile zu leben.

Atmosphäre – klein, kalt und unangenehm nah

Die Atmosphäre ist die größte Stärke von Underchoice. Der Bunker fühlt sich nicht wie ein heroischer Zufluchtsort an, sondern wie ein letzter, enger Rest von Ordnung in einer zerfallenen Welt. Die Retro-Computeroptik, die schlichte Benutzeroberfläche und die reduzierte Präsentation passen sehr gut zum Thema. Man hat nie das Gefühl, wirklich Kontrolle zu besitzen. Man verwaltet Mangel, Angst und Misstrauen. Das Spiel erzeugt seine Spannung nicht durch laute Effekte, sondern durch diese ständige Frage, ob man gerade einen Fehler gemacht hat.

Besonders stark ist, wie gut das Spiel mit Fantasie arbeitet. Es zeigt nicht alles aus, sondern lässt viel im Kopf entstehen. Die Menschen vor der Tür sind keine riesig animierten Charaktere mit Hollywood-Dialogen, sondern oft eher Situationen, Beschreibungen und Entscheidungen. Gerade dadurch wirken sie manchmal echter. Man füllt die Lücken selbst, und das macht die Entscheidungen härter. Wer mit solchen text- und entscheidungsbasierten Spielen etwas anfangen kann, wird hier schnell hineingezogen.

Entscheidungen und mehrere Enden

Ein wichtiger Motivationsfaktor sind die verschiedenen Enden. Underchoice legt spürbar Wert darauf, dass Entscheidungen nicht nur kosmetisch sind. Der Verlauf des Bunkers verändert sich, Menschen überleben oder verschwinden, Konflikte eskalieren oder werden entschärft. Dadurch bekommt das Spiel einen ordentlichen Wiederspielwert, weil man wissen möchte, was passiert, wenn man beim nächsten Mal härter, menschlicher, misstrauischer oder risikofreudiger handelt.

Gerade diese moralische Bandbreite macht viel aus. Man kann versuchen, möglichst viele zu retten, aber das führt schnell zu Engpässen. Man kann brutal selektieren, aber dann verliert der Bunker vielleicht seine Menschlichkeit. Das Spiel stellt keine einfache Frage nach Gut und Böse, sondern nach Verantwortung unter Druck. Genau diese Grauzonen tragen das Erlebnis.

Präsentation und Technik

Grafisch ist Underchoice bewusst schlicht. Pixelgrafik, reduzierte Animationen und eine funktionale Oberfläche bestimmen das Bild. Das ist nicht spektakulär, aber passend. Wer moderne Hochglanzoptik erwartet, wird hier nicht glücklich. Wer jedoch eine stimmige, minimalistische Präsentation mag, bekommt ein Spiel, das seine Mittel gut einsetzt. Die Optik unterstützt das Gefühl von Isolation und Ressourcenknappheit, ohne sich in Details zu verlieren.

Technisch wirkt das Spiel sauber und übersichtlich. Die Menüs sind verständlich, die Abläufe klar, und die Konzentration liegt jederzeit auf den Entscheidungen. Genau das ist wichtig, denn ein Spiel dieser Art lebt davon, dass nichts zwischen Spieler und Situation steht. Die deutsche Sprache ist ebenfalls enthalten, was bei einem textlastigen Spiel ein echter Pluspunkt ist.

Kritikpunkte

So gut Underchoice in seinem Kern funktioniert, ganz ohne Schwächen ist es nicht. Der Spielablauf wiederholt sich mit der Zeit. Menschen kommen, Probleme entstehen, Ressourcen müssen verteilt werden. Das ist bewusst so angelegt, kann aber nach mehreren Durchläufen etwas mechanisch wirken. Gerade wenn man die Grundmuster einmal verstanden hat, verliert ein Teil der Entscheidungen etwas von ihrer ursprünglichen Wucht.

Außerdem hätte ich mir stellenweise noch mehr erzählerische Tiefe bei einzelnen Personen gewünscht. Manche Schicksale bleiben eher Skizzen als echte Geschichten. Das ist bei einem kleineren Spiel verständlich, aber gerade weil die Grundidee so stark ist, wünscht man sich manchmal noch mehr Verflechtungen, mehr wiederkehrende Figuren und mehr langfristige emotionale Bindung.

Fazit – ein kleines Spiel mit schwerem Gewicht

Underchoice ist kein Spiel für jeden Abend, aber eines, das im Kopf bleibt. Es ist ruhig, reduziert und stellenweise unbequem. Die Stärke liegt nicht in spektakulären Momenten, sondern in der ständigen moralischen Spannung. Man sitzt im Bunker, hört das nächste Klopfen und weiß: Wieder muss jemand entscheiden. Und dieser jemand bist du.

Wer Spiele wie Papers, Please mag oder generell Freude an düsteren Entscheidungsspielen mit Ressourcenmanagement hat, sollte sich Underchoice unbedingt ansehen. Es ist nicht riesig, nicht perfekt und nicht besonders aufwendig inszeniert, aber es hat eine klare Idee und setzt diese sehr konsequent um.

Mediennerd
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Medienproduzent/Blogger, Katzenliebhaber und 1. FC Köln Fan im hohen Norden. Mit meiner Berufs- und Lebenserfahrung teste und vermarkte ich seit 2009 Produkte aller Art. Sie erhalten immer ein ehrliches Feedback.
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