The Roottrees are Dead (Evil Trout Inc.)
September 2025
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Ein genealogisches Mysterium direkt aus dem Jahr 1998. Durchsuche das frühe Internet nach Hinweisen, entdecke verborgene Verbindungen und setze den Stammbaum der Familie Roottree zusammen.
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Entwickler: Evil Trout Inc.
Genre: Rätsel / Mystery
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88%
Spielspaß 82%
Wiederspielbarkeit 81%
Langzeitmotivation 75%
Grafik 85%
Umsetzung |
| The Roottrees are Dead ist ein intelligentes, forderndes und gleichzeitig faszinierendes Detektivspiel. |

The Roottrees are Dead
Schon beim ersten Start von The Roottrees are Dead spürt man, dass man hier kein gewöhnliches Spiel in die Hand bekommt. Kein hektisches Rumgeklicke, keine explosionsgeladenen Actionsequenzen – stattdessen eine Einladung, die Gedanken anzuspannen, die eigene Geduld zu testen und in eine Welt einzutauchen, die in ihrer Detailverliebtheit und Tiefe fast schon greifbar wirkt. Ich erinnere mich noch an den Moment, als ich die ersten Hinweise entdeckte: eine Mischung aus Faszination und Ehrfurcht. Die Entwickler von Evil Trout Inc. haben hier ein Spiel geschaffen, das auf den ersten Blick minimalistisch wirkt, auf den zweiten Blick aber mit einem unfassbar dichten Netz aus Geschichten, Hinweisen und Rätseln aufwartet.
Eine Geschichte, die nach Aufmerksamkeit verlangt
Die Handlung setzt im späten Dezember 1998 an. Ein Flugzeugabsturz fordert das Leben von Carl Roottree, dem Präsidenten eines einflussreichen Unternehmens, und seinen drei Töchtern. Sofort wird klar: Dies ist kein Spiel, bei dem man nur punktet, indem man Klicks sammelt oder Gegner besiegt. Hier ist das Ziel, die Wahrheit zu finden. Als Spieler übernimmt man die Rolle eines Ermittlers, der die verstreuten Informationen über die Roottree-Familie zusammenfügt. Was auf den ersten Blick wie genealogische Routine wirkt, entpuppt sich schnell als ein Puzzle aus Beziehungen, Geheimnissen und Intrigen. Ich saß da, gebannt, während ich durch fiktive Webseiten aus den 90er Jahren scrollte, jede Information analysierte und langsam ein Bild zusammensetzte. Es fühlte sich an, als würde man in einem alten Kriminalroman blättern, nur dass man selbst die Fäden zieht.

Die Mechanik – Denker statt Klicker
Was The Roottrees are Dead besonders macht, ist die Art, wie es mit den Hinweisen umgeht. Jeder Hinweis, sei es ein Foto, ein Zeitungsausschnitt oder ein kurzer Text, kann den entscheidenden Unterschied ausmachen. Man muss nicht nur suchen, sondern auch kombinieren, überlegen, Schlüsse ziehen. Ich erinnere mich, wie ich einmal stundenlang über eine kleine Diskrepanz in einem Dokument nachdachte – und als ich die Verbindung schließlich fand, fühlte es sich an, als hätte ich selbst einen kleinen Triumph errungen. Es ist ein Spiel, das Geduld belohnt, Kreativität und die Fähigkeit, Muster zu erkennen. Anders als bei typischen Adventure-Titeln wird man hier nicht an die Hand genommen – man wird herausgefordert, selbst den Weg zu finden.
Atmosphäre – Eine Zeitreise in die 90er
Die Atmosphäre ist ein weiteres Highlight. Alles ist auf die späten 1990er Jahre abgestimmt: der langsam aufbauende Modemton beim Laden der fiktiven Webseiten, die schlichte, aber funktionale Gestaltung der Seiten, die Art, wie Informationen präsentiert werden – es ist ein immersives Erlebnis, das sofort nostalgische Gefühle weckt. Ich fühlte mich wie ein Ermittler in den Anfängen des Internets, als jede Suche eine kleine Entdeckungsreise war, jeder gefundene Hinweis wie ein kleiner Schatz. Diese Liebe zum Detail schafft eine einzigartige Immersion, die heutzutage nur noch selten in Spielen zu finden ist.

Rätsel und Herausforderung
Die Rätsel selbst sind intelligent konstruiert. Man muss nicht nur lesen, sondern interpretieren, kombinieren und logisch denken. Ich erinnere mich an eine besonders knifflige Situation: Ich hatte mehrere Dokumente, deren Zusammenhänge nicht sofort ersichtlich waren. Stundenlang habe ich Hinweise verglichen, überlegt, vermutet – und als ich schließlich die Lösung fand, fühlte es sich an wie der Moment, in dem ein Detektiv endlich die Wahrheit enthüllt. Das Spiel schafft es, den Spieler zu fordern, ohne ihn zu frustrieren, was eine Gratwanderung ist, die nur wenige Entwickler so überzeugend meistern.
Präsentation und visuelle Gestaltung
Grafisch ist das Spiel bewusst schlicht gehalten, und das passt zum Konzept. Die Benutzeroberfläche ist funktional und übersichtlich, ohne überladen zu wirken. Jedes Element unterstützt die Erzählung, jedes Dokument, jede Seite trägt zur Immersion bei. Zwar wird man hier keine hochpolierten 3D-Modelle sehen, aber das ist bei diesem Spiel auch nicht nötig – im Gegenteil, die minimalistische Ästhetik verstärkt das Gefühl, selbst tief in der Recherche zu stecken, und lenkt nicht von den Inhalten ab. Ich fand, dass gerade diese Klarheit und der Fokus auf Informationen das Spiel besonders machen.

Persönlicher Eindruck
Für mich persönlich war The Roottrees are Dead ein Spiel, das nachdenklich stimmt und gleichzeitig Spaß macht. Anders als bei vielen Mainstream-Titeln ist der Reiz nicht in Action oder Effekten zu finden, sondern in der geistigen Herausforderung. Ich habe Stunden damit verbracht, Dokumente zu vergleichen, Hinweise zusammenzuführen und immer neue Facetten der Roottree-Familie zu entdecken. Es ist ein Spiel, das mich gefesselt hat, das mich zum Denken gebracht hat – und das immer wieder neue Momente bereithält, wenn man glaubt, alles verstanden zu haben.
Fazit
The Roottrees are Dead ist ein intelligentes, forderndes und gleichzeitig faszinierendes Detektivspiel. Es punktet mit einem tiefgründigen Gameplay, einer überzeugenden Retro-Atmosphäre und einer Geschichte, die Spieler fesselt und zum Nachdenken anregt. Wer bereit ist, Geduld und Aufmerksamkeit aufzubringen, wird mit einem einzigartigen Spielerlebnis belohnt. Für mich persönlich ist es ein Titel, der noch lange im Gedächtnis bleibt, weil er anders ist als die meisten Spiele auf dem Markt – subtil, klug und mit Herz gestaltet.

