Brucknermaterial

Brucknermaterial (Klever Verlag)

Oktober 2024

Florian Neuner, mit Bruckners Musik seit seiner Kindheit vertraut, beschäftigt sich in seinem Buch mit dem „Sprechen über Bruckner“.
Autor: Florian Neuner
Genre: Unterhaltungsliteratur
75%
Umfang
82%
Schreibstil
88%
Thema
68%
Lesbarkeit
70%
Buchcover
60%
Illustrationen
Das Buch richtet sich vor allem an Leser, die Freude an experimenteller Literatur und Musikwissenschaft haben.


74%

Brucknermaterial von Florian Neuner

Brucknermaterial von Florian Neuner ist ein außergewöhnliches Werk, das sich mit der Musik und dem Erbe von Anton Bruckner auseinandersetzt. Das Buch, veröffentlicht im Klever Verlag, ist keine herkömmliche Biografie oder musikwissenschaftliche Abhandlung. Vielmehr handelt es sich um eine Art literarische Collage, die Neuner mit der Technik der Montage erstellt hat. Dieses Stilmittel sorgt für eine kreative Auseinandersetzung mit dem Diskurs um Bruckners Werk, das seit jeher kontrovers betrachtet wird – verehrt von seinen Anhängern, kritisiert von seinen Gegnern.

Inhalt und Struktur des Buches

Neuners Herangehensweise an das Thema ist bemerkenswert. Er selbst ist seit seiner Kindheit mit Bruckners Musik vertraut, was man deutlich spürt. In Brucknermaterial inszeniert er die „Reibung“, die entsteht, wenn Sprache auf die Musik trifft. Dabei bezieht er sich auf literarische und musikwissenschaftliche Texte aus dem späten 20. Jahrhundert, die sich sowohl kritisch als auch lobend mit Bruckners Schaffen auseinandersetzen.

Besonders spannend ist, wie Neuner den Text aufbaut: Er setzt bewusst auf eine Fragmentierung, was dem Leser das Gefühl gibt, sich in einer Collage aus Worten, Meinungen und Interpretationen zu befinden. Dies ist keine leichte Lektüre, sondern fordert die aktive Auseinandersetzung mit Bruckners Musik und der Art, wie über sie gesprochen wird. Neuner orientiert sich dabei auch an Notationskonzepten des Komponisten Christoph Herndler, was den literarischen Diskurs auf ein zusätzliches künstlerisches Niveau hebt.

Stil und Sprache

Die Sprache des Buches ist teils poetisch, teils analytisch. Neuner schafft es, verschiedene Stimmen zu integrieren – seien es zeitgenössische Kritiker oder Texte aus dem späten 20. Jahrhundert. Es ist eine Mischung aus direkter Kritik, Hommage und lyrischen Passagen. Die Montagetechnik sorgt dafür, dass man als Leser zwischen verschiedenen Sichtweisen auf Bruckner hin- und hergerissen wird. Das macht das Buch besonders reizvoll, aber auch herausfordernd.

Zum Autor

Florian Neuner, geboren 1972 in Wels, Österreich, lebt und arbeitet als Schriftsteller und Publizist in Berlin. Er ist vor allem als Rundfunkautor für den Deutschlandfunk Kultur bekannt. In seinen Arbeiten setzt er sich intensiv mit Literatur und Musik auseinander, was sich auch in Brucknermaterial zeigt. Neuner veröffentlichte bereits mehrere Essaysammlungen, darunter Für eine andere Literatur (2022), die ebenfalls im Klever Verlag erschienen ist. Mit seiner literarischen Arbeit lotet er regelmäßig die Grenzen zwischen Text und anderen künstlerischen Medien aus.

Fazit

Brucknermaterial ist ein faszinierendes Werk für alle, die sich intensiver mit Anton Bruckner und seiner musikalischen Rezeption auseinandersetzen möchten. Es ist keine Lektüre für zwischendurch, sondern ein Buch, das Geduld und Konzentration erfordert. Neuners innovative Herangehensweise an das Thema, gepaart mit seiner Leidenschaft für Musik und Literatur, machen Brucknermaterial zu einer Bereicherung für den intellektuellen Diskurs über Bruckners Werk.

Das Buch richtet sich vor allem an Leser, die Freude an experimenteller Literatur und Musikwissenschaft haben. Wer sich für klassische Musik und die Möglichkeiten der literarischen Darstellung von musikalischen Themen interessiert, wird hier auf seine Kosten kommen.

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