QUITT ist ein Buch aus dem Omnino Verlag und erschien am 18. März 2024.

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QUITT
Das von harter Hand geführte Familienunternehmen Peter GmbH & Co. KG in Oberklemmbach bringt zufällig einen sensationellen neuen Quittenbrand mit geheimnisvollen Zutaten auf den Markt und löst damit einen irrwitzigen Hype im ganzen Land aus, als ob die ganze Nation nur darauf gewartet hätte, endlich mal wieder von einer obskuren Obstbranntwein-Kreation umgehauen zu werden. In der Firma jagt deshalb ein Meeting das andere. Alle sind bis zur Oberkante beschäftigt. Manche wittern neue Karrierechancen. Andere fürchten um ihr ruhiges Dasein. Der ganz normale Wahnsinn des Arbeitsalltags steigert sich schließlich auf groteske Weise. Korruption und Verrat überschatten die Euphorie um die neue Erfolgsformel, die streng geheim bleiben muss. Die Konkurrenz schläft jedoch nicht und das Unternehmen wird Opfer filmreifer chinesischer Spionageaktionen. Alles gipfelt schließlich in einem fragwürdig wie symbolträchtigen Firmen-Event in der Kanalisation Oberklemmbachs. Eine implosionsreife Welt eröffnet sich – wenn da nicht dieser kleine zugelaufene Hund wäre … Ein satirischer Roman für Menschen, die mit der Arbeitswelt, ihren Absurditäten und ungeschriebenen Gesetzen vertraut sind, Sarkasmus schätzen und sich den hart erarbeiteten Frust über den Job mal richtig vom Leib lachen wollen. Menschen, die das Leben in Kleinstädten kennen und sich darüber amüsieren können. Menschen, die einfach so gern lachen oder es lernen wollen. „Ein größenwahnsinniger Gesellschaftsroman – so monumental, dass er die ‚Buddenbrooks‘ verblassen lässt. Alles andere wäre für Gliwitzkis Buch wohl unverschämt untertrieben …“
„QUITT“ von Stefan Gliwitzki ist ein satirischer Roman, der die Absurditäten der Arbeitswelt in einer mittelständischen Firma auf humorvolle Weise darstellt. Bereits der Klappentext deutet an, dass hier keine gewöhnliche Geschichte auf uns wartet: Die Peter GmbH & Co. KG, ein Familienunternehmen in der fiktiven Kleinstadt Oberklemmbach, entwickelt durch Zufall einen Quittenbrand, der die Nation in einen skurrilen Hype versetzt. Dieser Erfolg führt jedoch nicht nur zu Jubel, sondern auch zu Chaos, Verrat und Korruption im Unternehmen. Was mir an QUITT besonders gefallen hat, ist die scharfe Satire, mit der Gliwitzki die Welt der mittelständischen Unternehmen entlarvt. Der Autor selbst kennt diese Welt gut, da er jahrelang in solchen Strukturen tätig war. Er bringt seine Erfahrungen auf den Punkt und zeigt auf humorvolle Weise, wie Meetings, Bürokratie und zwischenmenschliche Intrigen den Arbeitsalltag bestimmen. Das Buch nimmt die Karikaturen des Alltags aufs Korn und überzeichnet sie so, dass sie zwar grotesk wirken, aber gleichzeitig unheimlich realistisch bleiben.
Der Protagonist des Romans, die Peter GmbH, wirkt fast schon wie eine eigene Figur. Sie ist von Hierarchien durchdrungen, und die Einführung des Quittenbrands bringt eine Dynamik mit sich, die sowohl komisch als auch tragisch ist. Gliwitzki zeigt, wie Mitarbeiter versuchen, ihre Positionen zu behaupten oder neue Chancen zu ergreifen, während andere um ihre Routine fürchten. Die Situationskomik in den oft absurder werdenden Geschäftsgesprächen und internen Machtspielen ist bemerkenswert. Besonders gelungen fand ich, wie Gliwitzki den Bürokratie-Irrsinn auf die Spitze treibt. Meetings, in denen nichts entschieden wird, geheime Rezepturen und chinesische Spionage – all das klingt zunächst überzogen, doch im Kern steckt viel Wahres. Stefan Gliwitzki, der als Anglist und Theologe studierte und auch als Musiker tätig ist, lebt auf der Insel Föhr und hat als Leiter verschiedener mittelständischer Unternehmen ein tiefes Verständnis für die dortigen Strukturen entwickelt. Sein Hang zur Ironie zieht sich durch das gesamte Buch. Es ist diese Ironie, gepaart mit einem bitteren Humor, die den Roman so lesenswert macht. Man merkt, dass Gliwitzki selbst mit den Absurditäten der Arbeitswelt vertraut ist und dies auf höchst amüsante Weise verarbeitet. Seine Paralleltätigkeit als Musiker – er spielt in der Folk-Band Tone Fish – scheint ihm zusätzlich einen kreativen Zugang zu verschaffen, der in seinen Erzählungen spürbar wird.
Der Roman ist nicht nur für Menschen interessant, die in Unternehmen arbeiten oder sich mit der Arbeitswelt identifizieren können. Auch diejenigen, die einfach Freude an gut gemachter, scharfsinniger Satire haben, werden auf ihre Kosten kommen. Dabei ist der Humor zwar oft bissig, aber niemals bösartig. Vielmehr schafft Gliwitzki es, den Leser zum Nachdenken zu bringen, ohne belehrend zu wirken. Eine besondere Stärke des Buches liegt auch in der Beschreibung des Kleinstadtlebens. Oberklemmbach wirkt wie ein typisches, verschlafenes Örtchen, in dem das neue Produkt, der Quittenbrand, eine regelrechte Sensation auslöst. Hier zeigt sich Gliwitzkis Talent für Milieubeschreibungen: die kleinen Kämpfe der Dorfbewohner, die Eitelkeiten und der subtile Machtkampf zwischen den Alteingesessenen und den „Aufsteigern“ wirken lebendig und nachvollziehbar.
Interessant ist auch der Vergleich, den einige Kritiker ziehen: Gliwitzkis Roman wird als eine moderne, satirische Version der „Buddenbrooks“ bezeichnet, ein Gesellschaftsroman, der die Dynamiken und Veränderungen innerhalb eines Familienunternehmens im Kontext der modernen Arbeitswelt zeigt. Diese Anspielung ist nicht nur ein netter Gag, sondern unterstreicht auch den Anspruch des Buches, eine weitreichende Analyse unserer heutigen Gesellschaft zu liefern – allerdings mit viel mehr Humor als bei Thomas Mann. Insgesamt ist QUITT ein intelligenter und zugleich unterhaltsamer Roman, der tiefgründige Themen aufgreift und sie in einer leicht zugänglichen, humorvollen Weise präsentiert. Wer nach einer Lektüre sucht, die den Wahnsinn der Arbeitswelt in all seiner Komplexität, aber auch Lächerlichkeit einfängt, der wird mit diesem Buch sicher seine Freude haben. Gliwitzki liefert hier eine erfrischende und lesenswerte Satire, die nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Nachdenken anregt.
QUITT
Hat mir besonders gefallen
- Das Buch bietet eine bissige und zugleich humorvolle Darstellung der Absurditäten der Arbeitswelt.
- Gliwitzki schafft es, das Leben in einer Kleinstadt und die Dynamiken innerhalb eines Familienunternehmens eindrucksvoll darzustellen.
- Die Figuren sind gut ausgearbeitet und verkörpern realistische Archetypen der Arbeitswelt.
- Der Roman ist durchgehend ironisch und witzig, ohne bösartig zu sein, was für einen hohen Unterhaltungswert sorgt.
- Der Roman greift zeitgenössische Themen wie Bürokratie, Korruption und den Alltagswahnsinn der modernen Arbeitswelt auf.

