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Mehr aus 31 Jahren hinter Gittern: Ein ehemaliger Anstaltsleiter erzählt

Mehr aus 31 Jahren hinter Gittern: Ein ehemaliger Anstaltsleiter erzählt ist ein Buch aus dem Omnino Verlag und erschien am 29. August 2024. 

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Mehr aus 31 Jahren hinter Gittern

„Resozialisierung? Alles Gefühlsduselei. Der Knast ist viel zu lasch. Hotelvollzug statt Abschreckung!“ Solche abfälligen Kommentare hörte der Autor während seines langen Berufslebens in vier Gefängnissen immer wieder. Auch in seinem zweiten Buch bleibt er überzeugt, es besser zu wissen. Der erfahrene Sozialpädagoge und Jurist Norbert Henke gibt uns erneut Einblick in die unbekannte Welt hinter hohen Mauern. Nach über drei Jahrzehnten im Justizvollzug und als „Gefängnisdirektor“ möchte Henke im Ruhestand sein Wissen und seine Erfahrungen nicht einfach „abschließen“. Das Buch bietet fesselnde Erzählungen, berührende Anekdoten und historische Hintergründe über Justiz und Strafvollzug. Sachinformationen werden nahezu beiläufig vermittelt. Henke öffnet uns die versteckte Welt der Justiz, zeigt die Chancen auf, Menschen zu verändern, und beleuchtet zugleich die Unzulänglichkeiten und Herausforderungen des Systems „Gefängnis“. Mit überzeugender Stimme appelliert Henke an uns, den Strafvollzug nicht länger als reine Abstellkammer für Gescheiterte zu betrachten. Er fordert dazu auf, Gefangene als Menschen ernst zu nehmen und die Resozialisierung in den Mittelpunkt zu stellen. Denn eine erfolgreiche Wiedereingliederung ist nicht nur im Interesse der Gefangenen, sondern auch der beste Schutz für potenzielle Opfer. Norbert Henke ist damit ein eindringliches Buch gelungen, das nicht nur den Gefängnisalltag eines ehemaligen Anstaltsleiters beleuchtet, sondern auch Wege aufzeigt, wie die Verhältnisse hinter den Anstaltsmauern besser und menschenwürdiger gestaltet werden können.

Die Lektüre des Buches „Mehr aus 31 Jahren hinter Gittern: Ein ehemaliger Anstaltsleiter erzählt“ von Norbert Henke ist für mich eine Reise in eine Welt, die normalerweise im Verborgenen liegt. Henke, ein erfahrener Sozialpädagoge und Jurist, hat über drei Jahrzehnte im deutschen Justizvollzug gearbeitet, davon 21 Jahre als Leiter verschiedener Justizvollzugsanstalten (JVA) in Rheinland-Pfalz. In seinem Buch gibt er uns wertvolle Einblicke in die täglichen Herausforderungen und die komplexe Dynamik hinter den Gefängnismauern. Was mich besonders beeindruckt hat, ist die Authentizität, mit der Henke seine Erlebnisse und Erkenntnisse schildert. Er malt ein realistisches Bild des Strafvollzugs, das fernab von filmischen Klischees liegt. Seine Schilderungen sind nicht nur nüchterne Sachberichte, sondern gespickt mit berührenden Anekdoten und Momenten, die unter die Haut gehen. Henke erzählt zum Beispiel von Begegnungen mit Häftlingen, die den schmalen Grat zwischen Hoffnung und Resignation wandern, und schildert eindrücklich, wie schwierig es sein kann, echte Resozialisierung in einem System zu fördern, das oft eher als „Abstellkammer für Gescheiterte“ fungiert.

Henke bleibt dabei aber nie nur bei der Analyse der Gefängniswelt stehen. Er geht weiter und beleuchtet die tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen des Systems: Wie schwer es ist, unter den gegebenen Umständen wirklich Veränderungen herbeizuführen, sei es im Verhalten der Häftlinge oder im System selbst. Besonders auffällig ist sein Appell, den Strafvollzug menschlicher zu gestalten. Die Resozialisierung, so Henke, müsse wieder in den Mittelpunkt gerückt werden. Er kritisiert die gängige Meinung, dass der Strafvollzug zu „lasch“ sei und dass härtere Strafen die Lösung seien. Für Henke ist klar: Eine erfolgreiche Wiedereingliederung der Gefangenen in die Gesellschaft ist der beste Schutz für uns alle – und hier liegt das wahre Potenzial des Strafvollzugs, wenn er richtig umgesetzt wird. Henke selbst ist in seiner Argumentation sehr überzeugend. Er schöpft aus einem reichen Erfahrungsschatz und lässt uns an der Entwicklung des Strafvollzugs über die letzten Jahrzehnte teilhaben. Man merkt, dass Henke die Probleme und Herausforderungen nicht nur theoretisch, sondern hautnah erlebt hat. Dies verleiht dem Buch eine besondere Tiefe und Glaubwürdigkeit. Seine Auseinandersetzung mit Themen wie Gewalt, Drogen und psychischen Problemen im Gefängnisalltag ist sachlich, aber auch empathisch. Er versteht die Schwierigkeiten sowohl auf Seiten des Personals als auch der Häftlinge.

Auch in seinem zweiten Buch – nach dem Erfolg seines ersten Werks – bleibt Henke seiner Linie treu: Er schildert die Realität des Justizvollzugs unverblümt, vermeidet jedoch einfache Antworten oder pauschale Verurteilungen. Es geht ihm nicht darum, Schuldzuweisungen zu machen, sondern konstruktive Lösungen aufzuzeigen. Eine der stärksten Botschaften des Buches ist, dass der Strafvollzug nur dann langfristig erfolgreich sein kann, wenn er die Menschen in den Mittelpunkt stellt und sich nicht nur auf Strafe und Vergeltung konzentriert. Ein weiteres Highlight des Buches sind die vielen kleinen Geschichten und Episoden, die Henke aus seiner Zeit im Gefängnis erzählt. Sie verleihen dem Werk eine menschliche und oft nachdenkliche Note. Man kann sich als Leser in die Situationen hineinversetzen, die er beschreibt, und bekommt eine Ahnung davon, wie komplex die tägliche Arbeit im Justizvollzug ist.

Für mich war „Mehr aus 31 Jahren hinter Gittern“ ein äußerst lesenswertes Buch, das nicht nur für Menschen interessant ist, die beruflich mit dem Strafvollzug zu tun haben. Es ist auch ein wertvoller Beitrag zur Diskussion über Strafrecht und Resozialisierung in Deutschland. Norbert Henke hat es geschafft, ein schwieriges Thema zugänglich und gleichzeitig tiefgründig zu behandeln. Wer sich für das Thema interessiert oder einfach einen authentischen Einblick in die Gefängniswelt bekommen möchte, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Insgesamt ist Henkes Werk ein eindringlicher Appell für mehr Menschlichkeit im Strafvollzug und eine Mahnung, den Resozialisierungsgedanken nicht aus den Augen zu verlieren. Es regt zum Nachdenken an und fordert auf, sich mit den grundlegenden Fragen unseres Justizsystems auseinanderzusetzen.

Mehr aus 31 Jahren hinter Gittern: Ein ehemaliger Anstaltsleiter erzählt

8.4

Aufmachung

8.5/10

Umfang

8.5/10

Schreibstil

8.5/10

Thema

8.6/10

Aufbau

8.4/10

Lesbarkeit

8.5/10

Illustrationen

8.0/10

Umsetzung

8.4/10

Hat mir besonders gefallen

  • Das Buch bietet einen realistischen Blick hinter die Mauern des Strafvollzugs, der sich fern von üblichen Klischees bewegt und tiefgehende Informationen über den Justizalltag vermittelt
  • Henkes Anekdoten und Geschichten über die Gefangenen und das Personal verleihen dem Buch eine menschliche und empathische Note, die den Leser emotional berührt
  • Der Autor beleuchtet die strukturellen Probleme des Strafvollzugs und betont die Notwendigkeit von Resozialisierung, was eine wichtige gesellschaftliche Diskussion anstößt
  • Henke bringt seine jahrzehntelange Erfahrung als Sozialpädagoge und Anstaltsleiter ein, was dem Buch Glaubwürdigkeit und Tiefe verleiht​
  • Das Buch vermittelt eindringlich, dass Resozialisierung und ein menschlicher Umgang mit Gefangenen langfristig nicht nur für die Häftlinge, sondern auch für die Gesellschaft von Vorteil sind
Mediennerd
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Medienproduzent/Blogger, Katzenliebhaber und 1. FC Köln Fan im hohen Norden. Mit meiner Berufs- und Lebenserfahrung teste und vermarkte ich seit 2009 Produkte aller Art. Sie erhalten immer ein ehrliches Feedback.
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