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Zeit und Mensch: Facetten einer Kulturgeschichte

Zeit und Mensch: Facetten einer Kulturgeschichte ist ein Buch aus dem Schwabe Verlag und erschien am 8. Januar 2024. 

Zeit und Mensch: Facetten einer Kulturgeschichte

Vom Beginn seiner Geschichte an befasst sich der Mensch mit dem Thema Zeit. Dabei ist diese Auseinandersetzung ein zunehmender Abstraktionsprozess, der die Zeit immer weiter von unserem Erleben entfernt. Udo Marquardt zeichnet diesen Prozess hin zu einem «absoluten», von allem Erleben losgelösten Zeitbegriff nach. Diese Entwicklung ist kein Zufall: Der abgekoppelte Zeitbegriff wird benötigt, um unsere moderne Form von Gesellschaft zu organisieren – vom weltweiten Warentransport über das Internet bis zum Navi im Auto. Dieser abstrakten und entfremdeten Zeit setzt der Autor einen existentiell-lebensweltlichen Begriff von der Zeit als Zeit des je eigenen Lebens entgegen, die mit der Geburt beginnt und dem Tod endet. Nur solange wir Zeit haben, sind wir. Zeit ist nicht etwas an den Dingen oder auf unseren Uhren, sondern ein zutiefst menschliches, an unser Leben gebundenes Phänomen.

Das Buch „Zeit und Mensch: Facetten einer Kulturgeschichte“ von Udo Marquardt hat mein Interesse geweckt, da es verspricht, einen tiefgründigen Einblick in die Beziehung zwischen Zeit und Mensch zu geben. Die Auseinandersetzung mit der Zeit, wie Marquardt sie beschreibt, ist nicht nur eine philosophische Übung, sondern ein essentieller Teil unseres Daseins. Die Art und Weise, wie Zeit unser Leben durchdringt und unsere Gesellschaft formt, ist ein faszinierendes Thema, das der Autor mit großer Sorgfalt angeht. Marquardt führt uns durch die Geschichte der Zeitwahrnehmung und zeigt, wie sich unsere Beziehung zur Zeit von einer konkreten, erlebbaren Größe zu einem abstrakten Konzept entwickelt hat. Diese Entwicklung, so argumentiert er, ist notwendig für die Organisation unserer modernen Gesellschaft, von globalen Logistikketten bis hin zur alltäglichen Technologie, die unser Leben prägt. Dabei verliert er jedoch nie den Blick dafür, dass Zeit auch ein zutiefst persönliches Erleben ist, das mit unserem individuellen Dasein verbunden bleibt.

Die Breite von Marquardts Interessen, die von der Antike bis zur modernen Neurowissenschaft reichen, ist beeindruckend. Sein akademischer Hintergrund und seine langjährige Erfahrung im Bereich der Philosophie bereichern das Buch ungemein. Durch seine vielseitigen Veröffentlichungen und seine Präsenz im Hörfunk bringt Marquardt eine einzigartige Perspektive in die Diskussion ein. Die Zielgruppe des Buches zu bestimmen, ist allerdings nicht ganz einfach. Marquardt scheint mit seinem Werk eine breite Leserschaft ansprechen zu wollen, von Philosophiestudierenden über interessierte Laien bis hin zu seinen treuen Blog-Lesern. Diese Vielseitigkeit ist zugleich eine Stärke und eine Schwäche des Buches. Einerseits bietet es eine reiche Auswahl an Themen und Denkanstößen, andererseits kann es dadurch aber auch seinen Fokus verlieren und Leser, die eine tiefere Auseinandersetzung mit spezifischen Aspekten suchen, möglicherweise enttäuschen.

Eine Lücke in Marquardts Darstellung ist die Vernachlässigung der Neurowissenschaften. In einer Zeit, in der die Grenzen zwischen den Disziplinen immer mehr verschwimmen, wäre eine stärkere Berücksichtigung der Erkenntnisse über die Zeitwahrnehmung im menschlichen Gehirn eine Bereicherung gewesen. Die Beiträge der Neurowissenschaften hätten weitere spannende Perspektiven auf das Phänomen Zeit eröffnet. Mein Fazit fällt dennoch positiv aus. „Zeit und Mensch“ ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt und wichtige Diskussionen über das Wesen der Zeit und ihre Bedeutung in unserem Leben und unserer Gesellschaft anstößt. Es ist eine Einladung, über die Zeit hinaus zu denken und sie als einen wesentlichen Bestandteil unserer menschlichen Erfahrung zu begreifen. Trotz der erwähnten Kritikpunkte bietet Marquardts Werk wertvolle Einblicke und regt zur weiteren Auseinandersetzung mit einem Thema an, das uns alle betrifft.

Zeit und Mensch: Facetten einer Kulturgeschichte

8.5

Aufmachung

8.5/10

Umfang

8.4/10

Schreibstil

8.6/10

Umsetzung

8.5/10

Hat mir besonders gefallen

  • Marquardt bietet einen tiefgründigen Einblick in die Entwicklung der Zeitwahrnehmung und zeigt auf, wie diese unsere Gesellschaft und das individuelle Erleben prägt.
  • Der Autor nutzt seinen reichen akademischen Hintergrund, um eine breite Palette von Perspektiven zu integrieren, von der antiken Philosophie bis zur modernen Technologie.
  • Marquardt betont die Bedeutung der Zeit als ein zutiefst menschliches Phänomen, das untrennbar mit dem individuellen Leben verbunden ist.

War nicht ganz so toll

  • Trotz der umfassenden Betrachtung fehlt eine tiefere Auseinandersetzung mit den neurowissenschaftlichen Erkenntnissen zur Zeitwahrnehmung, was eine wertvolle Perspektive hätte hinzufügen können.
Mediennerd
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Medienproduzent/Blogger, Katzenliebhaber und 1. FC Köln Fan im hohen Norden. Mit meiner Berufs- und Lebenserfahrung teste und vermarkte ich seit 2009 Produkte aller Art. Sie erhalten immer ein ehrliches Feedback.
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