Vampires: Bloodlord Rising (Toplitz Productions)
Januar 2026
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Erwache, Vampirfürst! Errichte und gestalte deine mächtige Burg, erkunde die offene düstere Welt voller Schätze. Jage nach Blut, fertige deine Werkzeuge, befehlige deine loyalen Diener und trotze der gnadenlosen Inquisition. Erkunde die Nacht als Fledermaus – allein oder im 4-Spieler-Ko-op.
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Entwickler: Mehuman Games
Genre: Vampire / Abenteuer
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84%
Spielspaß 82%
Wiederspielbarkeit 83%
Langzeitmotivation 76%
Grafik 78%
Umsetzung |
| Es macht vieles richtig – vor allem im Multiplayer. |

Gemeinsam in der Dunkelheit
Es gibt Spiele, die funktionieren allein. Und es gibt Spiele, die entfalten ihre wahre Stärke erst im Koop. Vampires: Bloodlord Rising gehört ganz klar zur zweiten Kategorie. Wir haben es zu dritt gespielt, mehrere Abende hintereinander, und auch wenn sich viele Aufgaben im Kern wiederholen, hatten wir eine verdammt gute Zeit.
Und manchmal ist genau das der entscheidende Punkt.
Vom Jäger zum Herrscher der Nacht
Das Grundkonzept ist schnell erklärt: Du bist ein Vampir, der seine Macht ausbaut, ein eigenes Reich errichtet und sich in einer feindlichen Welt behaupten muss. Tagsüber meidet man die Sonne, nachts streift man durch Wälder, Dörfer und Ruinen, sammelt Ressourcen, kämpft gegen Feinde und baut seine Burg Stück für Stück aus.
Allein gespielt fühlt sich das nach einem soliden Survival-Action-RPG an. In der Gruppe allerdings entsteht eine ganz andere Dynamik. Plötzlich teilt man Aufgaben auf, einer sammelt Ressourcen, einer baut, einer geht auf Erkundung. Diskussionen entstehen, Pläne werden geschmiedet, spontane Gefechte eskalieren schnell – und genau dadurch entsteht dieses Gemeinschaftsgefühl.

Gameplay: Wiederholung mit Wirkung
Man muss ehrlich sein: Die Aufgabenstruktur wiederholt sich. Ressourcen sammeln, Gegner besiegen, Gebäude errichten, Fortschritt freischalten. Das ist kein revolutionäres Design.
Aber im Koop verliert diese Wiederholung ihren negativen Beigeschmack. Wenn man zu dritt durch die Nacht streift, Beute teilt und gemeinsam seine Basis ausbaut, fühlt sich selbst das hundertste Holzsammeln nicht wie Arbeit an, sondern wie Teil eines größeren Projekts.
Wir hatten mehrere Momente, in denen wir eigentlich nur „noch kurz Material holen“ wollten – und plötzlich zwei Stunden später immer noch unterwegs waren. Genau dieses Soggefühl entsteht nicht durch Innovation, sondern durch funktionierende Mechanik im Multiplayer.
Kampf: Direkt, aber nicht übermäßig komplex
Das Kampfsystem ist zugänglich und relativ direkt gehalten. Nahkampfangriffe, Spezialfähigkeiten, etwas Magie – alles funktioniert solide. Gegner sind fordernd genug, um nicht gedankenlos hineinzurennen, aber selten unfair.
Im Solo-Modus wirken Kämpfe stellenweise etwas schlicht. Im Koop hingegen gewinnen sie an Dynamik. Einer zieht Gegner auf sich, der andere flankiert, der dritte nutzt Spezialfähigkeiten. Auch wenn das System nicht extrem tief ist, entsteht durch Teamarbeit automatisch mehr Spannung.
Was mir gefallen hat: Man fühlt sich tatsächlich wie eine kleine Vampir-Bruderschaft, die sich durch die Nacht kämpft.

Basisbau: Herzstück des Spiels
Der eigentliche Kern von Bloodlord Rising ist der Burgbau. Und hier entfaltet das Spiel seinen größten Reiz. Räume planen, Werkbänke platzieren, Produktionsketten optimieren – das ist klassisches Survival-Handwerk, aber mit einer sehr passenden Gothic-Atmosphäre.
Unsere Burg wuchs über mehrere Abende hinweg. Erst ein kleines Versteck, später eine imposante Festung mit mehreren Ebenen, Werkstätten und Verteidigungsanlagen. Gerade im Multiplayer macht das enorm Spaß, weil jeder eigene Ideen einbringt.
Natürlich merkt man, dass viele Systeme noch Feinschliff vertragen könnten. Manche Bauoptionen sind eingeschränkt, manche Mechaniken etwas sperrig. Aber das Grundgefühl stimmt: Es macht Spaß, sein eigenes dunkles Reich zu errichten.
Atmosphäre: Dunkel, passend, aber nicht spektakulär
Grafisch bewegt sich das Spiel im soliden Mittelfeld. Die Umgebungen sind düster, Wälder neblig, Burgen wuchtig. Es entsteht eine stimmige Vampir-Atmosphäre, auch wenn es optisch keine technischen Wunder vollbringt.
Die Beleuchtung bei Nacht funktioniert gut, Effekte bei Fähigkeiten sind ordentlich umgesetzt. Aber es fehlt dieser echte Wow-Moment. Man bekommt genau das, was man erwartet – nicht mehr, nicht weniger.
Der Sound passt ebenfalls ins Bild. Keine herausragenden Melodien, aber passende Hintergrundmusik und solide Effekte. Besonders nachts, wenn man gemeinsam unterwegs ist, entsteht eine angenehme, leicht bedrohliche Stimmung.

Technik und Koop-Erfahrung
Wir hatten im Multiplayer eine insgesamt stabile Erfahrung. Kleinere Bugs tauchten auf – NPCs, die sich seltsam verhielten, gelegentliche KI-Aussetzer –, aber nichts, was den Spielfluss ernsthaft gestört hätte.
Was positiv auffällt: Das Spiel funktioniert im Koop ohne große Hürden. Fortschritt wird sauber geteilt, Aufgaben lassen sich gut koordinieren. Genau hier zeigt sich, dass der Multiplayer kein nachträgliches Feature ist, sondern integraler Bestandteil des Designs.
Allein hätte ich vermutlich deutlich schneller die Motivation verloren. Zu dritt allerdings war jede Session ein kleines Event.
Kritikpunkte: Mehr Tiefe wäre wünschenswert
So viel Spaß wir hatten, man darf die Schwächen nicht ignorieren. Die Aufgaben wiederholen sich spürbar. Es fehlt an größeren Überraschungen, an wirklich neuen Gameplay-Elementen im späteren Spielverlauf.
Auch die Gegnervariation könnte höher sein. Mit der Zeit kennt man viele Muster. Und wer tiefgehende RPG-Systeme erwartet, wird sie hier nur in Ansätzen finden.
Das Spiel lebt von seinem Koop-Faktor. Solo wirkt es deutlich schwächer.

Fazit: Kein Meisterwerk, aber ein starker Koop-Titel
Vampires: Bloodlord Rising ist kein Genre-Meilenstein. Es erfindet Survival- oder Vampirspiele nicht neu. Aber es macht vieles richtig – vor allem im Multiplayer.
Wir hatten mehrere Abende, an denen wir gemeinsam gebaut, gekämpft und geplant haben. Auch wenn sich Aufgaben wiederholen, entsteht durch die Gruppendynamik ein starker Spielspaß. Es ist eines dieser Spiele, die man nicht wegen perfektem Design spielt, sondern wegen der gemeinsamen Erlebnisse.
Allein solide. Im Koop richtig gut.

