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Total War: SHOGUN 2 – Complete Edition

Total War: SHOGUN 2 – Complete Edition (SEGA)

Oktober 2026

Einen Sie Japan und werden Sie Shogun in der modernisierten Komplett-Edition von Total War: SHOGUN 2. Schließen Sie Bündnisse, sabotieren und überlisten Sie den Feind und erleben Sie flüssiges rundenbasiertes Empire-Building mit Echtzeit-Kämpfen.
Entwickler: Creative Assembly, MATABOO
Genre: Strategie
Wertung erfolgt später
Bewerten möchte ich dieses Spiel erst dann, wenn es wirklich da ist.


Ein Klassiker, bei dem ich mit der Wertung noch warte

Normalerweise steht am Ende meiner Reviews eine Prozentzahl. Ich bewerte Spielspaß, Grafik, Umsetzung, Wiederspielbarkeit und Langzeitmotivation und komme daraus zu einer Gesamtwertung. Bei Total War: SHOGUN 2 – Complete Edition werde ich das dieses Mal bewusst nicht machen, denn ich halte es in der aktuellen Situation schlicht für unfair, eine endgültige Wertung unter das Spiel zu setzen.

Nicht etwa, weil Shogun 2 ein schlechtes Spiel wäre. Eher das Gegenteil ist der Fall. Das ursprüngliche Total War: SHOGUN 2 erschien bereits 2011 und gilt bis heute als einer der beliebtesten historischen Teile der gesamten Reihe. Mit seiner Mischung aus rundenbasierter Reichsverwaltung, Diplomatie, Agenten, Wirtschaft und riesigen Echtzeitschlachten hat Creative Assembly damals einen Titel geschaffen, der auch anderthalb Jahrzehnte später noch ausgesprochen gut funktioniert. Die Complete Edition sollte genau diesen Klassiker technisch modernisieren und ihn einer neuen Generation zugänglich machen. Das ist eine hervorragende Idee – nur ist die erste Umsetzung gründlich schiefgegangen.

Von 2011 bis zur Complete Edition

Shogun 2 führt uns in das zerrissene Japan des 16. Jahrhunderts. Unterschiedliche Clans kämpfen um Macht, Territorien und letztlich um den Titel des Shogun. Auf der Kampagnenkarte verwalte ich Provinzen, betreibe Diplomatie, entwickle Technologien und bewege Armeen, während die eigentlichen Schlachten in Echtzeit ausgetragen werden. Das Grundprinzip ist klassisches Total War, aber gerade die vergleichsweise klar strukturierte japanische Karte und die stärker fokussierten Fraktionen machten den zweiten Shogun-Teil immer zu einem besonders zugänglichen Vertreter der Serie.

Über die Jahre kamen zahlreiche DLCs hinzu. Besonders wichtig sind Rise of the Samurai, das in die Zeit des Genpei-Krieges zurückgeht, sowie Fall of the Samurai, das den gewaltigen technologischen und gesellschaftlichen Wandel des 19. Jahrhunderts behandelt. Damit deckt das Gesamtpaket sehr unterschiedliche Phasen japanischer Geschichte ab und bietet weit mehr als nur die ursprüngliche Sengoku-Kampagne. Genau dieses komplette Paket sollte die neue Complete Edition nun zusammenführen und gleichzeitig technisch überarbeiten.

Eigentlich klang die Neuauflage genau richtig

Auf dem Papier gefällt mir die Idee der Complete Edition ausgesprochen gut. Creative Assembly, Entwicklungspartner MATABOO und SEGA versprachen verbesserte Beleuchtung, neue Schatten und Texturen, skalierbare Benutzeroberflächen für 1440p und 4K, modernisierte Steuerung und ein Upgrade auf 64 Bit. Hinzu kommen japanische und chinesische Sprachausgabe, Ultrawide-Unterstützung, neue Optionen für Farbenblindheit und über 50 bislang nicht regulär spielbare kleinere Fraktionen. Auch das ungeliebte Realm-Divide-System bekam einen Regler, mit dem es abgeschwächt oder vollständig deaktiviert werden kann.

Das sind genau die Dinge, die ich von einer solchen Neuauflage erwartet hätte. Das ursprüngliche Spiel muss nicht neu erfunden werden, denn sein strategischer Kern funktioniert nach wie vor. Eine vernünftige Modernisierung sollte vielmehr dafür sorgen, dass Shogun 2 auf aktuellen Rechnern komfortabler läuft, moderne Auflösungen vernünftig unterstützt und einige Alterserscheinungen der Benutzeroberfläche beseitigt werden.

Dann kam der 13. Oktober 2026

Leider entwickelte sich die Veröffentlichung völlig anders. Die Complete Edition erschien am 13. Oktober 2026 und wurde innerhalb kürzester Zeit auf Steam regelrecht zerrissen. Zeitweise waren nur rund 19 Prozent der Rezensionen positiv, später lag der Anteil sogar noch niedriger. Spieler berichteten über starke Performanceprobleme, Abstürze, Bugs bei Einheiten und KI sowie verschiedene Probleme mit der neuen grafischen Aufbereitung.

Besonders kontrovers wurden überarbeitete Grafiken und Einheitenkarten diskutiert. Spieler stellten verzerrte Details und ungewöhnliche Bildartefakte fest und warfen der Neuauflage vor, bei Teilen der Grafik KI-gestütztes Upscaling eingesetzt zu haben. Diese Vorwürfe wurden von verschiedenen Medien aufgegriffen; eine klare öffentliche Bestätigung von SEGA, welche Verfahren tatsächlich für sämtliche betroffenen Grafiken eingesetzt wurden, liegt bislang allerdings nicht vor. Deshalb würde ich hier auch nicht so tun, als wäre jede Vermutung der Community bereits abschließend belegt. Unabhängig davon steht aber fest, dass die überarbeitete Präsentation bei vielen Spielern deutlich schlechter ankam als beabsichtigt.

Auch bei den Mods entstand ein Problem

Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Modding-Community. Das ursprüngliche Shogun 2 wurde über viele Jahre mit Mods erweitert und verändert. Die Complete Edition setzt nun auf integrierte Mod.io-Unterstützung, allerdings sind bestehende Mods des Originals nicht automatisch mit der neuen Fassung kompatibel.

Technisch kann ich verstehen, dass eine modernisierte 64-Bit-Fassung und neue Strukturen nicht zwangsläufig jede alte Mod unverändert übernehmen können. Für Spieler, die ihr Shogun 2 seit Jahren mit umfangreichen Modifikationen spielen, ist der Wechsel dadurch aber natürlich wesentlich weniger attraktiv. Gerade bei einem 15 Jahre alten Strategiespiel ist die gewachsene Modding-Szene ein wichtiger Teil der Langzeitmotivation.

Das Original wurde erst zurückgedrängt

Besonders unglücklich war der Umgang mit der ursprünglichen Version. Seit dem 28. September 2026 konnte das alte Total War: SHOGUN 2 nicht mehr separat auf Steam gekauft werden. Es sollte künftig gemeinsam mit der Complete Edition angeboten werden. Bestehende Besitzer konnten das Original weiterhin spielen und sollten fehlende DLCs kostenlos erhalten. Wer die Complete Edition auf Steam kaufte, bekam wiederum auch das ursprüngliche Spiel samt DLCs – mit Ausnahme des Blood Packs – dazu.

Nach dem missglückten Start musste SEGA praktisch sofort zurückrudern. Am 15. Oktober erklärten SEGA und Creative Assembly offiziell, dass die Complete Edition hinter den Erwartungen und den eigenen Qualitätsansprüchen zurückgeblieben sei. Gemeinsam mit den Plattformbetreibern werde deshalb daran gearbeitet, die neue Version aus dem Verkauf zu entfernen und das ursprüngliche Spiel wieder anzubieten. Besitzer der Complete Edition behalten weiterhin Zugriff auf ihre Version.

Dass ein Publisher nur zwei Tage nach Veröffentlichung einen Titel freiwillig aus dem Verkauf nimmt, sagt natürlich einiges darüber aus, wie ernst die Situation ist.

Genau deshalb möchte ich jetzt nicht auf das Spiel einschlagen

Natürlich könnte ich die aktuelle Fassung nehmen, sämtliche technischen Probleme aufzählen und anschließend irgendeine niedrige Prozentwertung daruntersetzen. Das wäre momentan sogar ziemlich einfach. Ich halte es nur nicht für besonders sinnvoll.

SEGA und Creative Assembly haben den Fehler anerkannt, die Version aus dem Verkauf genommen beziehungsweise deren Entfernung eingeleitet und ausdrücklich angekündigt, gemeinsam mit dem Entwicklungspartner an den Ursachen zu arbeiten und Verbesserungen vorzunehmen. Unter diesen Umständen möchte ich lieber sehen, was aus dieser Überarbeitung wird, bevor ich ein endgültiges Urteil abgebe.

Das gilt umso mehr, weil unter all diesen Problemen weiterhin Total War: SHOGUN 2 steckt. Und dessen Qualität ist nicht plötzlich verschwunden. Die Mischung aus strategischer Kampagne und gewaltigen Echtzeitschlachten funktioniert weiterhin, das japanische Szenario gehört für mich zu den interessantesten historischen Schauplätzen der Serie und durch Rise of the Samurai und Fall of the Samurai steckt in diesem Paket grundsätzlich enorm viel Inhalt.

Viele der Neuerungen möchte ich eigentlich unbedingt haben

Deshalb finde ich die Situation auch so ärgerlich. 64 Bit, vernünftige 4K-Skalierung, moderne Steuerung und zusätzliche spielbare Fraktionen sind alles Dinge, die einem Klassiker wie diesem wirklich guttun können. Auch die Möglichkeit, Realm Divide den eigenen Vorlieben anzupassen, finde ich sinnvoll, weil genau diese Mechanik schon beim Original viele Spieler genervt hat.

Über 50 zusätzliche kleinere Fraktionen sind ebenfalls eine nette Ergänzung, auch wenn sie natürlich nicht alle dieselbe Individualität wie die großen etablierten Clans besitzen. Dazu kommen Quick Deals für die Diplomatie und diverse moderne Steuerungsfunktionen, die sich an neueren Total War-Spielen orientieren. Das Grundkonzept einer modernisierten Komplettausgabe halte ich also weiterhin für absolut richtig.

Es ist nicht die Idee, die hier gescheitert ist. Es ist der Zustand, in dem diese Idee veröffentlicht wurde.

Ich bin trotzdem optimistisch

Vielleicht klingt das angesichts der katastrophalen Steam-Reaktionen etwas ungewöhnlich, aber ich bin tatsächlich überzeugt davon, dass aus der Complete Edition noch etwas Gutes werden kann. Der entscheidende Vorteil ist schließlich, dass Creative Assembly und MATABOO kein schlechtes Grundspiel retten müssen. Sie müssen eine misslungene Modernisierung eines bereits hervorragenden Grundspiels reparieren.

Performanceprobleme können behoben werden, fehlerhafte Texturen können ersetzt, Bugs korrigiert und Benutzeroberflächen weiter überarbeitet werden. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass diese Arbeit trivial wäre oder die Veröffentlichung in diesem Zustand entschuldigt werden sollte. Es bedeutet lediglich, dass die Grundlage weiterhin vorhanden ist.

Und dass SEGA so schnell reagiert und das Original wieder in den Verkauf bringt, halte ich ebenfalls für die richtige Entscheidung. Niemand sollte momentan gezwungen werden, die problematische Neuauflage zu kaufen, wenn die 2011er-Version weiterhin besser funktioniert.

Vorläufiges Fazit

Total War: SHOGUN 2 – Complete Edition bekommt von mir heute bewusst keine Prozentwertung. Nicht null Prozent, nicht 40 Prozent und auch keine wohlwollenden 80 Prozent aufgrund der Qualität des Originals. Keine Zahl würde die aktuelle Situation vernünftig widerspiegeln.

Das Spiel wurde am 13. Oktober veröffentlicht und nur zwei Tage später kündigten SEGA und Creative Assembly an, es wieder aus dem Verkauf zu nehmen. Zu groß waren die Probleme mit Performance, Bugs und Teilen der grafischen Überarbeitung. Dass die ursprüngliche Version nun wieder angeboten werden soll, ist deshalb absolut richtig.

Ich werde die Complete Edition erneut bewerten, wenn Creative Assembly, MATABOO und SEGA ihre Überarbeitung abgeschlossen haben und klar ist, in welchem Zustand das Spiel tatsächlich dauerhaft angeboten werden soll. Alles andere wäre für mich momentan unfair – sowohl gegenüber einem großartigen Strategieklassiker als auch gegenüber einer Neuauflage, die offensichtlich noch nicht dort angekommen ist, wo ihre Entwickler sie selbst sehen möchten.

Bis dahin würde ich niemandem empfehlen, wegen der aktuellen Diskussionen einen endgültigen Haken hinter Shogun 2 – Complete Edition zu machen. Ganz im Gegenteil: Ich würde das Spiel unbedingt im Auge behalten. Das ursprüngliche Shogun 2 gehört nicht ohne Grund bis heute zu den angesehensten historischen Total War-Spielen, und viele der geplanten Modernisierungen ergeben absolut Sinn.

Wenn Performance, Grafik, Bugs und die übrigen technischen Probleme vernünftig behoben werden, kann genau daraus noch die Complete Edition werden, die dieser Klassiker von Anfang an verdient hätte. Ich bin jedenfalls überzeugt davon, dass hier noch ein richtig gutes Gesamtpaket entstehen kann.

Nur bewerten möchte ich dieses Gesamtpaket erst dann, wenn es wirklich da ist.

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