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Stick It to the Stickman

Stick It to the Stickman (Devolver Digital)

September 2026

Stick it to the Stickman ist ein physikbasiertes Roguelite-Prügelspiel, in dem du dich buchstäblich auf brutalste Weise die Karriereleiter emporprügelst!
Entwickler: Free Lives
Genre: Beat ’em up
85%
Spielspaß
83%
Wiederspielbarkeit
79%
Langzeitmotivation
76%
Grafik
77%
Umsetzung
Stick It to the Stickman ist genau die Art von Spiel, bei der Free Lives besonders gut funktioniert.


80%

Karriere macht man hier mit den Fäusten

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, im Berufsleben aufzusteigen. Man kann zuverlässig arbeiten, Verantwortung übernehmen, Fortbildungen besuchen und hoffen, irgendwann befördert zu werden. Oder man macht es wie in Stick It to the Stickman und tritt seinem Vorgesetzten einfach mit beiden Füßen ins Gesicht. Free Lives entscheidet sich erwartungsgemäß für die zweite Variante und verwandelt den alltäglichen Wahnsinn einer Firma in ein physikbasiertes Roguelite-Beat-‚em-up.

Mein Ziel ist denkbar einfach: Ich möchte CEO werden. Zwischen meinem Praktikantenstatus und der Chefetage stehen allerdings jede Menge Kollegen, Teamleiter, Manager und andere Strichmännchen, die offensichtlich ebenfalls Karriere machen möchten. Also prügele ich mich Etage für Etage nach oben, stelle aus immer neuen Attacken mein persönliches Moveset zusammen und verwandle Büros in Schlachtfelder. Dabei reichen die Methoden vom klassischen Tritt über Tacker und Messer bis zu Kettensägen und vollkommen absurden Spezialfähigkeiten. Seit dem 23. September 2026 ist Stick It to the Stickman nach gut einem Jahr Early Access offiziell in Version 1.0 erhältlich.

Die Physik macht aus jedem Kampf eine Katastrophe

Das Kampfsystem sieht zunächst extrem simpel aus. Figuren bestehen schließlich im Wesentlichen aus Strichen und ein Großteil meiner Angriffe aus Treten, Schlagen oder irgendwelchen improvisierten Waffen. Doch gerade die Physik sorgt dafür, dass daraus regelmäßig komplett unvorhersehbare Situationen entstehen.

Ein Gegner wird mit einem Tritt gegen seinen Kollegen geschleudert, beide fallen eine Treppe hinunter und reißen dabei vielleicht noch einen dritten Mitarbeiter mit. Ein anderer fliegt gegen einen Gegenstand in der Umgebung und plötzlich eskaliert eine eigentlich kontrollierte Prügelei vollständig. Genau in solchen Momenten ist Stick It to the Stickman am besten.

Das Kampfsystem besitzt diese herrliche Mischung aus Absicht und Chaos. Ich weiß grundsätzlich, welchen Angriff ich ausführen möchte, aber niemals hundertprozentig, was die Physik anschließend daraus macht. Dadurch können selbst bekannte Räume noch lustige Situationen erzeugen. Wenn fünf rote Strichmännchen gleichzeitig durch ein Büro fliegen, interessiert mich plötzlich überhaupt nicht mehr, dass hier technisch betrachtet keine besonders komplexe Kampfsimulation läuft.

Mein Lebenslauf besteht hauptsächlich aus Gewalt

Zwischen den Kämpfen stelle ich nach und nach mein Moveset zusammen. Neue Angriffe lassen sich auswählen und bestehende Fähigkeiten verbessern. Aus zunächst relativ gewöhnlichen Aktionen können später Hadouken-artige Projektile, Paketbomben und andere vollkommen übertriebene Techniken werden.

Gerade diese Entwicklung macht einen großen Teil des Roguelite-Reizes aus. Anfangs bin ich irgendein austauschbarer Mitarbeiter, wenige Etagen später trete ich Menschen durch Wände und verwandle mich langsam in eine wandelnde Kündigungswelle.

Dazu kommen unterschiedliche Arbeitnehmer-Archetypen mit eigenen Schwerpunkten. Ein Koffeinjunkie spielt sich anders als andere Angestellte, und neue Figuren sorgen dafür, dass ich beim nächsten Run nicht automatisch wieder exakt dieselben Fähigkeiten verwende. Die Kombinationen sind nicht immer perfekt ausbalanciert, aber gerade übermächtige Builds gehören ein Stück weit zum Spaß. Wenn eine Kombination vollkommen eskaliert, möchte ich sie eigentlich gar nicht fair haben.

Der Humor trifft erstaunlich oft

Free Lives kennt man unter anderem durch Broforce, Genital Jousting und Anger Foot. Wer eines dieser Spiele gespielt hat, dürfte ungefähr wissen, was ihn erwartet. Subtilität gehört nicht unbedingt zum Werkzeugkasten dieses Studios.

Stick It to the Stickman nimmt die moderne Arbeitswelt, Konzernstrukturen und den permanenten Wachstumszwang aufs Korn. Beförderungen werden buchstäblich erkämpft, Gewerkschaften sind Hindernisse, Politiker können bestochen werden und selbst Gentrifizierung sowie Lobbyarbeit werden zu Bestandteilen des komplett überzeichneten Unternehmenswahnsinns.

Natürlich funktioniert nicht jeder Witz gleich gut. Manche Pointen sind bewusst plump und nach mehreren Stunden erkennt man bestimmte Muster. Insgesamt passt dieser Humor aber hervorragend zum Gameplay. Schon die Vorstellung, dass ich meine Kolleginnen und Kollegen vermöbele, um den Shareholder Value zu erhöhen, reicht als Grundlage für erstaunlich viele absurde Situationen.

Mehr als nur Büroetagen

Zum Glück bleibt es nicht dabei, immer wieder dasselbe Bürohochhaus hochzuklettern. Während der Entwicklung wurden verschiedene Spielmodi ergänzt, die das Grundprinzip teilweise deutlich verändern. Es gibt unter anderem Plattforming-Aufgaben rund um Paketlieferungen, einen Fight-Club-artigen Modus mit Auto-Battler-Elementen und seit Version 1.0 sogar eine Survivors-artige Variante. In anderen Bereichen tauchen wiederum Mechaniken wie ein Wanted-System auf.

Diese Vielfalt ist wichtig, denn das reine Prügeln würde sich irgendwann abnutzen. Nicht jeder Modus besitzt dieselbe Tiefe, und manche fühlen sich eher wie ein verrückter Nebenversuch an als wie ein vollwertiges zweites Spiel. Trotzdem gefällt mir, wie oft Free Lives eine Mechanik einführt, sie eine Weile ausreizt und mich dann mit dem nächsten Unsinn überrascht.

Das Spiel besitzt dadurch einen angenehmen Rhythmus. Es möchte gar nicht, dass ich jeden einzelnen Modus hundert Stunden lang meistere. Häufig reicht bereits die Frage: Was haben sie sich jetzt wieder ausgedacht?

Zu zweit wird das Chaos noch besser

Besonders gut funktioniert das natürlich im Koop. Lokal beziehungsweise über Steam Remote Play kann ein zweiter Spieler mitmachen und gemeinsam durch die Firma geprügelt werden. Einen echten integrierten Online-Koop mit normalem Matchmaking gibt es dagegen nicht. Steam führt Shared/Split-Screen-Koop und Remote Play Together, aber keinen regulären Online-Koop.

Das finde ich schade. Gerade dieses Spiel schreit geradezu danach, unkompliziert mit Freunden online gespielt zu werden. Remote Play ist eine brauchbare Alternative, ersetzt für mich aber keinen vollwertigen Netzwerkmodus.

Mit jemandem auf der Couch wird das Chaos dagegen noch unterhaltsamer. Schon alleine produziert die Physik genug Unsinn, mit zwei Spielern wird aus jeder Auseinandersetzung endgültig eine völlig unkontrollierbare Prügelei. Man hilft sich gegenseitig, trifft gelegentlich irgendetwas anderes als geplant und lacht meistens genau dann am meisten, wenn überhaupt nichts so funktioniert, wie es eigentlich sollte.

Aus dem Early Access kommt leider nicht alles mit

Die Vollversion hat allerdings einen etwas unschönen Hintergrund. Während des Early Access hatte Free Lives zahlreiche zusätzliche Unternehmensbereiche und Modi angekündigt. Nicht alle davon wurden fertiggestellt.

Das Studio erklärte bereits vor dem 1.0-Release offen, dass unter anderem der Marketing Department-Modus und Rise of the Machines gestrichen wurden. Mit Veröffentlichung der Vollversion bestätigte Free Lives zusätzlich, dass beispielsweise das Science Center und die Employee Evaluation Trials ebenfalls nicht mehr umgesetzt werden. Als Grund nennt das Studio den enormen Entwicklungsaufwand; das Team sei im Verlauf der Produktion von acht auf vier Entwickler geschrumpft und eine Fertigstellung sämtlicher Ideen hätte mindestens ein weiteres Jahr benötigt.

Ich finde es richtig, dass Free Lives das transparent kommuniziert. Für Spieler, die das Spiel während des Early Access gerade wegen dieser angekündigten Inhalte gekauft haben, bleibt die Enttäuschung trotzdem nachvollziehbar. Eine Roadmap erzeugt Erwartungen, und Version 1.0 enthält nun einmal nicht alles, was ursprünglich geplant war.

Version 1.0 könnte außerdem mehr Politur vertragen

Noch problematischer finde ich, dass sich die Vollversion technisch nicht überall wie eine wirkliche 1.0 anfühlt. Aktuelle Spielerberichte nennen unter anderem Softlocks, Probleme beim Fulfillment Center und Runs, die nach bestimmten Bossbegegnungen nicht korrekt weitergehen. Auch ein aktueller Test kritisiert Performanceeinbrüche, UI-Probleme und Fehler, die komplette Runs beenden können.

Das fällt bei einem Roguelite besonders unangenehm auf. Wenn ich einen längeren Run durch einen eigenen Fehler verliere, gehört das zum Konzept. Wenn dagegen irgendein Trigger nicht funktioniert und ich deshalb neu starten muss, sieht die Sache anders aus.

Auch die Performance kann offenbar einbrechen, wenn besonders viele Figuren und Effekte gleichzeitig auftauchen. Gerade für ein grafisch derart minimalistisches Spiel hätte ich hier nach dem Ende des Early Access etwas mehr Feinschliff erwartet.

Strichmännchen sind hier die perfekte Grafik

Optisch finde ich das Spiel dagegen genau richtig. Natürlich könnte man argumentieren, dass ein paar schwarze und rote Strichmännchen technisch nicht gerade beeindruckend sind. Aber eine realistische Darstellung würde diesem Spiel vermutlich sogar schaden.

Die reduzierte Grafik sorgt dafür, dass ich selbst bei vollkommen chaotischen Gefechten noch halbwegs erkenne, was passiert. Gleichzeitig wirken dadurch selbst brutale Aktionen eher wie Slapstick. Ein Mitarbeiter fliegt durch eine Fensterscheibe und statt irgendeiner realistischen Gewaltdarstellung sehe ich hauptsächlich einen Haufen Linien durch die Gegend purzeln.

Entscheidend sind ohnehin die Animationen und die Physik. Und dort besitzt das Spiel enorm viel Persönlichkeit. Körper knicken weg, Gegner stolpern übereinander und manchmal reicht bereits die Art, wie ein Strichmännchen durch den Raum fliegt, für den nächsten Lacher.

Der Level-Editor verlängert das Leben deutlich

Ein echter Pluspunkt für die Langzeitmotivation ist der integrierte Level-Editor samt Steam-Workshop-Unterstützung. Spieler können eigene Inhalte erstellen und teilen, wodurch das Spiel nicht ausschließlich von den vorgegebenen Modi abhängig bleibt.

Gerade bei einem chaotischen Physikspiel ist das eine hervorragende Ergänzung. Die Community wird zwangsläufig Szenarien bauen, die wesentlich absurder sind als alles, was die Entwickler selbst einbauen würden.

Das verhindert natürlich nicht, dass sich das grundlegende Kampfsystem irgendwann wiederholt. Wer nach einigen Stunden keine Freude mehr daran hat, Strichmännchen durch Büros zu treten, wird auch durch hundert Workshop-Level nicht plötzlich zurückkehren. Wer allerdings genau diesen Unsinn liebt, bekommt dadurch erheblich mehr Beschäftigung.

Die Steam-Wertungen erzählen zwei unterschiedliche Geschichten

Die bisherige Resonanz ist interessant. Insgesamt steht Stick It to the Stickman auf Steam hervorragend da: Rund 95 Prozent von mehr als 8.000 Nutzerrezensionen sind positiv. Bei den jüngsten Bewertungen liegt der Anteil dagegen aktuell nur bei ungefähr 83 Prozent.

Dieser Unterschied passt für mich ziemlich gut zur aktuellen Situation. Das Spiel selbst macht enorm viel Spaß und wurde während des Early Access zurecht sehr positiv aufgenommen. Die Veröffentlichung von Version 1.0 hat dagegen neue Kritik ausgelöst, weil technische Probleme bestehen und mehrere zuvor geplante Inhalte endgültig gestrichen wurden.

Beides kann gleichzeitig stimmen. Stick It to the Stickman ist ein richtig unterhaltsames Spiel und trotzdem keine besonders saubere 1.0-Veröffentlichung.

Fazit

Stick It to the Stickman ist genau die Art von Spiel, bei der Free Lives besonders gut funktioniert. Das Konzept ist sofort verständlich, der Humor vollkommen bescheuert und die Physik sorgt dafür, dass selbst einfache Kämpfe regelmäßig in Situationen eskalieren, die kein Entwickler exakt hätte planen können.

Besonders gut gefällt mir die Entwicklung der eigenen Angriffe. Aus einem relativ normalen Mitarbeiter wird im Verlauf eines Runs eine völlig absurde Kampfmaschine, die Menschen tritt, tackert, mit Kettensägen bearbeitet oder mit irgendwelchen Spezialfähigkeiten quer durch das Büro schleudert. Dazu kommen verschiedene Modi, zahlreiche Arbeitnehmer-Archetypen und Koop, wodurch der eigentlich simple Kern erstaunlich lange funktioniert.

Ganz oben lande ich bei meiner Wertung trotzdem nicht. Die Action kann sich wiederholen, manche Fähigkeiten wirken deutlich sinnvoller als andere und ohne echten Online-Koop verschenkt das Spiel Potenzial. Schwerer wiegt allerdings der Zustand der Vollversion. Softlocks, Performanceprobleme und andere Fehler sollten vier Tage nach einem offiziellen 1.0-Release eigentlich nicht mehr in dieser Häufigkeit diskutiert werden.

Dazu kommt die ungewöhnliche Situation rund um den Early Access. Free Lives hat offen erklärt, warum einige zuvor angekündigte Modi gestrichen wurden, und die Gründe kann ich nachvollziehen. Wer das Spiel allerdings aufgrund genau dieser Versprechen gekauft hat, darf trotzdem enttäuscht sein.

Am eigentlichen Spaß ändert das erstaunlich wenig. Wenn ich einen Manager durch eine Bürotür trete, dieser zwei Kollegen mitnimmt und anschließend irgendein völlig unbeteiligtes Strichmännchen eine Treppe hinunterfällt, muss ich immer noch lachen. Genau davon lebt das Spiel.

Stick It to the Stickman ist also keine perfekt polierte Vollversion und auch nicht das vollständige Spiel, das während des Early Access einmal angekündigt wurde. Es ist aber ein herrlich chaotischer, überraschend abwechslungsreicher und oft wirklich lustiger Physik-Prügler. Wer mit Free Lives‘ Humor etwas anfangen kann, bekommt hier ziemlich genau das, was der Name verspricht: Man arbeitet sich nicht die Karriereleiter hoch. Man prügelt sich hoch.

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