Sportgeschichte vor Gericht

Sportgeschichte vor Gericht: Ein Gutachten zu Dopingpraxis und SED-Unrecht im DDR-Sport ist ein Buch aus dem Arete Verlag und erschien am 16. Mai 2024. 

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Sportgeschichte vor Gericht

Die Gerichtsakten der „Doping-Prozesse“ der 1990er Jahre bieten eine umfangreiche Grundlage, um die Dopingpraxis der DDR aus doppelter Perspektive neu zu beleuchten: Weshalb war Doping trotz staatlicher Planung von Willkür geprägt? Wie und warum radikalisierten sich die Methoden in unberechenbarer Weise? Wer waren die Mitwisser der Dopingschäden in Sport und Gesellschaft? Welche Repression war mit der Dopingpraxis verbunden? Neben der Rekonstruktion historischer Details gilt es zudem, die nachträgliche Deutung von Geschichte zu hinterfragen: Wie rechtfertigten die Verantwortlichen ihr Handeln im Rückblick, weshalb wirkten Schweigegebote bis weit nach der Zeit der Friedlichen Revolution 1989/90? Die Studie von Jutta Braun und René Wiese (Zentrum deutsche Sportgeschichte) wurde vom Landessportbund Thüringen e.V., der Thüringer Staatskanzlei und dem Deutschen Olympischen Sportbund gefördert. Hiermit setzen die Förderer ihr Anliegen fort, zur Aufklärung der individuellen Leidensgeschichten von Betroffenen beizutragen, sie in eine umfassende Missbrauchsgeschichte in der Diktatur einzuordnen und Unterstützungsangebote zu entwickeln.

Das Buch „Sportgeschichte vor Gericht: Ein Gutachten zu Dopingpraxis und SED-Unrecht im DDR-Sport“, veröffentlicht vom renommierten Arete Verlag, bietet eine tiefgründige Analyse und Aufarbeitung der Dopingpraxis in der ehemaligen DDR. Die Autoren, Dr. Jutta Braun und Dr. René Wiese, die seit 2004 das Zentrum deutsche Sportgeschichte leiten, haben ihre Forschungsergebnisse in dieses sachlich fundierte Werk einfließen lassen, das auf Gerichtsakten der 1990er Jahre basiert. Dieses Buch untersucht nicht nur die Methoden und Hintergründe des Dopings, sondern wirft auch ein kritisches Licht auf die Verantwortlichen und die kulturellen sowie gesellschaftlichen Konsequenzen, die damit verbunden waren. Die Autoren stellen Fragen nach der Willkür staatlicher Planung und der Radikalisierung der Dopingmethoden, die weit über das Sportliche hinausgingen und tief in das gesellschaftliche Gefüge der DDR eingegriffen haben.

Interessant ist vor allem, wie Braun und Wiese die Schweigegebote und Rechtfertigungen der Verantwortlichen nach dem Zusammenbruch der DDR analysieren. Sie zeigen auf, wie tiefgreifend die Manipulationen waren und welchen langanhaltenden Einfluss diese auf die Opfer und die gesamte Sportwelt hatten. Ihre Forschung wird durch die Förderung des Landessportbundes Thüringen e.V., der Thüringer Staatskanzlei und des Deutschen Olympischen Sportbundes unterstützt, was die Relevanz und Aktualität des Themas unterstreicht. Die Aufarbeitung der individuellen Leidensgeschichten der Betroffenen, eingebettet in die umfassendere Geschichte des Missbrauchs in der Diktatur, macht das Buch zu einem wichtigen Beitrag zur deutschen Zeitgeschichte. Durch die Verbindung von wissenschaftlicher Forschung und der Entwicklung von Unterstützungsangeboten für die Opfer, leisten die Autoren einen bedeutenden gesellschaftlichen Beitrag.

Die klare Struktur und die fundierte Analyse machen das Buch zu einer empfehlenswerten Lektüre für Historiker, Sportwissenschaftler sowie für jeden, der sich für die Auswirkungen von politischen Systemen auf den Sport und dessen Athleten interessiert. Besonders hervorzuheben ist die umfassende Dokumentation und die kritische Auseinandersetzung mit den Quellen, die dieses Werk von vielen anderen historischen Aufarbeitungen abhebt. Zusammenfassend ist „Sportgeschichte vor Gericht“ ein bemerkenswertes Buch, das nicht nur die dunklen Kapitel des DDR-Sports beleuchtet, sondern auch dazu beiträgt, die Geschichte aufzuarbeiten und Lehren für die Zukunft zu ziehen. Es ist ein entscheidender Beitrag zur Verständnisbildung über die Mechanismen von Macht und Unterdrückung im Sport unter autoritären Regimen.

Sportgeschichte vor Gericht

7.9

Aufmachung

7.7/10

Umfang

7.6/10

Schreibstil

8.0/10

Thema

8.2/10

Aufbau

8.0/10

Lesbarkeit

8.0/10

Illustrationen Cover

7.7/10

Umsetzung

7.8/10

Hat mir besonders gefallen

  • Das Buch bietet eine umfassende Untersuchung der Dopingpraxis in der DDR und beleuchtet die Hintergründe und Methoden des staatlich geplanten Dopings.
  • Neben sportwissenschaftlichen Aspekten werden auch soziopolitische und kulturelle Einflüsse des Dopings dargestellt, was das Buch für ein breites Publikum interessant macht.
  • Die Autoren untersuchen die Rechtfertigungsstrategien der Verantwortlichen und die anhaltenden Schweigegebote nach dem Zusammenbruch der DDR, was ein selten beleuchtetes Thema ist.
  • Die Forschung basiert auf Gerichtsakten und ist durch die Unterstützung namhafter Institutionen wie dem Deutschen Olympischen Sportbund gefördert, was die Glaubwürdigkeit und Tiefe der Studie unterstreicht.
  • Durch die Aufarbeitung individueller Leidensgeschichten und die Entwicklung von Unterstützungsangeboten für Opfer leistet das Buch einen bedeutenden Beitrag zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema.
Mediennerd
Mediennerd
Medienproduzent/Blogger, Katzenliebhaber und 1. FC Köln Fan im hohen Norden. Mit meiner Berufs- und Lebenserfahrung teste und vermarkte ich seit 2009 Produkte aller Art. Sie erhalten immer ein ehrliches Feedback.
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