Prison Escape Simulator: Dig Out (PlayWay S.A.)
Juli 2025
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Zu lange hier – Zeit für die Flucht. Zieh den Teppich weg und grabe mit einem Löffel. Pass auf den Wächter auf, verkaufe ihm gefundenen Müll. Handle mit Insassen, verbessere deine Ausrüstung. Erweitere den Tunnel, nutze Leuchtstäbe und Dynamit. Schaffst du es?
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Entwickler: Digital Melody
Genre: Simulation
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75%
Spielspaß 68%
Wiederspielbarkeit 65%
Langzeitmotivation 70%
Grafik 72%
Umsetzung |
| Für ein paar Stunden bietet es genau das, was der Titel verspricht. |

Prison Escape Simulator: Dig Out
Freiheit – ein großes Wort, das in einer Gefängniszelle klingt wie ein flüchtiger Gedanke. Genau dort beginnt Prison Escape Simulator: Dig Out. Du startest eingesperrt, ohne Plan, ohne Werkzeug – nur mit einem rostigen Löffel und einer unerschütterlichen Idee: raus hier. Kein Spektakel, kein Actionkino, sondern leises Improvisationstheater hinter Gittern.
Das Spiel will nicht mit Explosionen oder Hollywood-Flair glänzen. Es setzt auf Geduld, Beobachtung und ein gesundes Maß an Wahnsinn. Und genau dadurch entsteht ein eigenwilliger Sog, der dich langsam, aber stetig in seinen Tunnel zieht.
Der Tunnel als Lebenswerk
Im Zentrum des Spiels steht das Graben. Du schaufelst dir Zentimeter für Zentimeter deinen Weg in die Freiheit, musst Energie verwalten, Ressourcen organisieren, deine Aktivitäten tarnen und dabei stets ein Auge auf die Wärter haben. Dabei entsteht ein Spielgefühl, das gleichermaßen entschleunigend wie angespannt ist.
Die Spielmechanik ist simpel, aber effektiv. Graben, handeln, upgraden, schlafen, weitermachen. Alles greift ineinander. Je besser du planst, desto effizienter wirst du. Dieser Loop kann schnell süchtig machen – zumindest für eine gewisse Zeit. Denn nach dem dritten Eimer Dreck weißt du: Der Weg ist nicht das Ziel, sondern die Flucht.

Atmosphäre statt Action
Die Optik von Dig Out ist zurückhaltend, aber stimmig. Graue Mauern, flackerndes Licht, sterile Zellen – alles wirkt trist und eng, genau wie es sein soll. Technisch ist das Spiel keine Offenbarung, aber es liefert genau das, was es verspricht: ein glaubwürdiges, bedrückendes Gefängnisgefühl.
Der Soundtrack tritt dezent in den Hintergrund, was die beklemmende Atmosphäre noch verstärkt. Jeder Schritt eines Wärters, jedes Rascheln im Tunnel bekommt Gewicht. Nichts wirkt übertrieben oder künstlich auf Spannung getrimmt. Es ist diese subtile Stimmung, die das Spiel auszeichnet – nicht seine grafische Brillanz.
Der Reiz des Immergleichen
Nach ein bis zwei gelungenen Fluchten stellt sich allerdings Ernüchterung ein. Die Struktur des Spiels verändert sich kaum. Du kannst neue Strategien ausprobieren, andere Werkzeuge testen, mit verschiedenen Zelleninsassen interagieren – aber das Grundprinzip bleibt identisch.
Das Spiel bietet eine gewisse Wiederspielbarkeit, aber keine echte Tiefe. Die Langzeitmotivation leidet unter dem Mangel an echten Überraschungen. Es gibt keine alternativen Level, keine komplexen neuen Mechaniken. Wer nach der ersten Flucht weitermacht, macht im Grunde das Gleiche noch einmal – mit kleinen Variationen.

Zwischen Cleverness und Krücke
Trotz aller Begrenzungen ist spürbar, wie viel Herzblut in der Umsetzung steckt. Die Menüs sind übersichtlich, die Steuerung funktioniert sauber, und der Spielfluss ist weitgehend stabil. Kleinere Bugs und KI-Aussetzer trüben gelegentlich den Eindruck, reißen aber das Gesamterlebnis nicht in den Abgrund.
Besonders charmant ist der leicht skurrile Humor, der immer wieder durchblitzt – sei es in den Dialogen mit Mitinsassen oder in absurden Handelssituationen. Das Spiel weiß, dass es nicht perfekt ist – und nimmt sich selbst nicht zu ernst. Genau das macht es auf seine Weise sympathisch.
Fazit: Klein, schräg, aber mit Charakter
Prison Escape Simulator: Dig Out ist kein großes Spiel, aber ein ungewöhnliches. Es erzählt keine epische Geschichte, es bietet keine cineastische Inszenierung – aber es hat eine klare Idee und zieht sie durch. Wer bereit ist, sich auf das entschleunigte, monotone und zugleich kreative Spielprinzip einzulassen, wird mit einem eigenwilligen Erlebnis belohnt.
Für ein paar Stunden bietet es genau das, was der Titel verspricht: den Nervenkitzel eines Ausbruchs, die Faszination am Improvisieren und den triumphalen Moment, wenn man sich durch den letzten Meter Tunnel gekämpft hat. Kein Spiel für die Ewigkeit – aber eines, das hängen bleibt.

