MENACE (Hooded Horse)
Februar 2026
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Führe in diesem Runden-Taktik-RPG der Battle Brothers-Entwickler eine Kampftruppe gegen eine Alienbedrohung. Folge Notrufen zu verschiedenen Welten, trainiere und rüste Infanterie aus, nutze Panzer und Mechs, plane und führe Missionen aus.
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Entwickler: Overhype Studios
Genre: Sci-Fi / Strategie
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82%
Spielspaß 79%
Wiederspielbarkeit 81%
Langzeitmotivation 78%
Grafik 80%
Umsetzung |
| Für Fans von anspruchsvollen Strategiespielen ist das schon jetzt ein sehr spannender Titel. |

MENACE
Es gibt Taktikspiele, die dich wie ein Schachspieler fühlen lassen. Und es gibt solche, die dich wie einen Einsatzleiter mitten im Krisengebiet behandeln. MENACE gehört eindeutig zur zweiten Sorte. Schon nach den ersten Missionen wird klar: Das hier ist kein gemütlicher Rundentaktik-Ausflug mit klaren Lösungen. Das ist ein Spiel, das dich permanent unter Druck setzt, dich Entscheidungen treffen lässt, deren Konsequenzen du oft erst Stunden später wirklich spürst.
Als jemand, der taktische Spiele liebt, war ich sofort drin. Nicht wegen bombastischer Inszenierung oder spektakulärer Effekte, sondern wegen dieses ganz speziellen Gefühls, Verantwortung zu tragen. Jeder Soldat zählt. Jede Positionierung kann den Unterschied machen. Und jeder Fehler kostet dich Ressourcen, Moral – oder Menschen.
Science-Fiction mit Bodenhaftung
MENACE spielt in einem düsteren Sci-Fi-Setting, bleibt dabei aber erstaunlich geerdet. Hier gibt es keine Superhelden, keine übermächtigen Einheiten, die alles allein regeln. Du führst reguläre Truppen: Infanterie, Fahrzeuge, Spezialisten. Menschen mit Ausrüstung, nicht mit Wunderkräften.
Das gefällt mir sehr, denn dadurch wirkt jede Mission glaubwürdig. Deine Soldaten sind keine Wegwerf-Avatare, sondern Teil einer laufenden Kampagne. Verluste tun weh. Nicht nur spielmechanisch, sondern emotional, weil du Zeit in diese Einheiten investierst, sie aufwertest, ausrüstest und kennenlernst.
Dieses bodenständige Militärgefühl erinnert stellenweise an klassische Taktikspiele, kombiniert mit moderner Präsentation und deutlich mehr strategischer Tiefe.

Schlachtfeld statt Schachbrett
Das Herzstück von MENACE sind die Gefechte. Diese laufen rundenbasiert ab, fühlen sich aber erstaunlich dynamisch an. Deckung ist entscheidend, Sichtlinien spielen eine große Rolle, Höhenunterschiede verändern komplette Gefechtssituationen. Wer einfach nur nach vorne rennt, wird brutal bestraft.
Was mir besonders gefallen hat: Es gibt selten perfekte Züge. Oft arbeitest du mit halbgaren Informationen. Du weißt nicht immer, wo der Gegner steckt. Du musst scouten, absichern, Risiken eingehen. Das erzeugt Spannung, ohne unfair zu wirken.
Die Karten sind dabei angenehm offen gestaltet. Du hast mehrere Angriffswege, kannst flankieren, dich eingraben oder langsam vorrücken. Jede Mission fühlt sich anders an, weil Gelände und Gegneraufstellung variieren. Es entsteht dieses schöne Gefühl, wirklich taktisch zu arbeiten, statt nur Aktionspunkte effizient abzuklappern.
Auch die Gegner-KI macht einen ordentlichen Job. Sie nutzt Deckung, versucht deine Flanken zu bedrohen und zwingt dich immer wieder, deine ursprünglichen Pläne über Bord zu werfen.
Der eigentliche Kampf beginnt zwischen den Missionen
Fast noch wichtiger als die Gefechte selbst ist das strategische Meta-Spiel. Zwischen Einsätzen verwaltest du deine Truppen, verteilst Ausrüstung, entscheidest über Verstärkungen und priorisierst Missionen auf der Karte.
Hier zeigt MENACE seine größte Stärke: Langfristige Planung.
Du kannst nicht alles machen. Ressourcen sind begrenzt. Soldaten brauchen Erholung. Fahrzeuge müssen repariert werden. Manchmal musst du eine Mission sausen lassen, weil dein Team schlicht erschöpft ist. Und genau diese Entscheidungen machen das Spiel so spannend.
Ich habe mehrfach gemerkt, wie frühere Fehlentscheidungen später nachhallen. Zu aggressive Spielweise rächt sich. Zu vorsichtige Planung kostet Chancen. MENACE zwingt dich, ständig abzuwägen – kurzfristiger Erfolg gegen langfristige Stabilität.
Das fühlt sich erwachsen an. Kein Spiel, das dir alles schenkt. Eher eines, das dich fragt: Bist du sicher?

Progression mit Substanz
Deine Einheiten entwickeln sich weiter. Sie bekommen neue Fähigkeiten, bessere Ausrüstung, spezialisierte Rollen. Aber auch hier bleibt MENACE angenehm zurückhaltend. Es gibt keine absurden Power-Spikes. Verbesserungen fühlen sich sinnvoll an, nicht übertrieben.
Gerade diese langsame, stetige Entwicklung sorgt für Bindung. Du erinnerst dich an den Trupp, der eine aussichtslose Position gehalten hat. An den Scharfschützen, der dir ein Match gerettet hat. Das Spiel erzeugt Geschichten – nicht durch Skripte, sondern durch Systeme.
Und das ist für mich immer ein Qualitätsmerkmal.
Präsentation: Funktional mit Atmosphäre
Grafisch ist MENACE nicht spektakulär, aber stimmig. Die Schlachtfelder sehen gut aus, Effekte sind sauber umgesetzt, Explosionen haben Wucht. Es ist kein Hochglanzprodukt, aber ein sehr solides.
Besonders gefallen hat mir die Übersichtlichkeit während der Kämpfe. Du erkennst schnell, wer wo steht, welche Einheiten unter Beschuss sind und wo deine Schwachstellen liegen. Die Benutzeroberfläche ist klar, ohne steril zu wirken.
Der Sound trägt viel zur Atmosphäre bei. Waffenfeuer, Funksprüche, entfernte Explosionen – alles wirkt glaubwürdig und unterstützt das Gefühl, Teil einer laufenden militärischen Operation zu sein. Die Musik hält sich meist zurück, baut in entscheidenden Momenten Spannung auf, ohne sich aufzudrängen.

Zugänglichkeit und Lernkurve
MENACE ist kein Einsteiger-Taktikspiel. Die Mechaniken sind komplex, die Lernkurve spürbar. Das Tutorial erklärt die Grundlagen, aber viele Feinheiten erschließen sich erst mit Erfahrung.
Ich habe mehrere Missionen gebraucht, um wirklich ein Gefühl für Positionierung, Reichweiten und Synergien zu bekommen. Aber genau das macht den Reiz aus. Das Spiel belohnt Aufmerksamkeit und Lernbereitschaft.
Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, bekommt ein tiefes, befriedigendes Spielerlebnis.
Kritikpunkte: Noch nicht am Ziel
So stark MENACE ist, es gibt auch klare Baustellen. Der Umfang wirkt aktuell noch etwas begrenzt. Mehr Missionstypen, mehr Gegnervarianten und zusätzliche strategische Optionen würden dem Spiel guttun.
Auch die Balance ist an manchen Stellen noch nicht ganz rund. Einige Einheiten fühlen sich deutlich stärker an als andere, und bestimmte Taktiken funktionieren zu zuverlässig. Das ist nichts Dramatisches, aber spürbar.
Zudem hätte ich mir etwas mehr narrative Einbindung gewünscht. Die Rahmenhandlung ist da, bleibt aber eher funktional. Hier steckt noch Potenzial für mehr emotionale Tiefe.

Fazit: Anspruchsvolle Taktik mit echtem Gewicht
MENACE ist kein Spiel für zwischendurch. Es ist ein Spiel für Abende, an denen man Zeit hat. Für Spieler, die gerne planen, analysieren und mit Konsequenzen leben.
Ich hatte viele intensive Momente. Situationen, in denen ich dachte, alles im Griff zu haben – und dann plötzlich unter Druck stand. Genau das macht MENACE so stark. Es fühlt sich nicht wie ein Puzzle an, sondern wie ein laufender Konflikt.
Overhype Studios liefern hier eine taktische Erfahrung ab, die nicht auf Effekthascherei setzt, sondern auf Systemtiefe und Entscheidungsfreiheit. Mit etwas Feinschliff und mehr Inhalt hat MENACE das Potenzial, sich dauerhaft im Taktik-Genre zu etablieren.
Für Fans von anspruchsvollen Strategiespielen ist das schon jetzt ein sehr spannender Titel.

