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KELOID: – vom überleben und lieben

KELOID: – vom überleben und lieben ist ein Buch aus dem Verlag Edition STROUX und erschien am 6. Mai 2024. 

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KELOID: – vom überleben und lieben

Christina, eine junge deutsche Medizinstudentin in den USA, verliebt sich Anfang der 1980er Jahre in einen Mitstudenten, der die Traumata seiner jüdischen Familie in Body-Actionpaintings austobt. Sein Vater Leon, ehemaliger GI bei den legendären Thunderbirds, die das KZ Dachau befreiten, ist strikt gegen „alles Deutsche“ und vor allem gegen sie. Sieben Jahre später liegt Leon nach einem Verkehrsunfall in einem deutschen Krankenhaus auf dem OP-Tisch vor Christina. Aus dem Wiedererkennen entwickelt sich eine spannungsgeladene Beziehung: Leon, der Christina von alten und uralten Verletzungen anhand seiner Edelsteinsammlung erzählt, wird für sie zum wichtigsten Menschen ihres Lebens. In KELOID – der medizinische Fachbegriff für eine wuchernde Narbe – verwebt Kristin Rubra den Werdegang der deutschen Studentin zur Oberärztin und ihre Beziehungen in eine jüdische Familie in den USA. Sie erzählt, wie entscheidend Kriegstraumata das Leben deformieren und wie sie weitergegeben werden. Auch unter einer solchen Last wird die Liebe intensiv gesucht und findet ungewöhnliche Wege.

Kristin Rubras Debütroman „KELOID: – vom Überleben und Lieben“ hat mich tief berührt und nachhaltig beeindruckt. Der Roman verwebt geschickt die persönlichen und historischen Traumata seiner Protagonisten und bietet dabei eine ebenso spannende wie emotionale Lektüre. Die Geschichte beginnt in den frühen 1980er Jahren, als Christina, eine junge deutsche Medizinstudentin, sich in den USA in ihren Kommilitonen Jamie verliebt. Jamie ist nicht nur ein talentierter Künstler, sondern auch schwer belastet durch die Traumata seiner jüdischen Familie. Sein Vater Leon, ein ehemaliger GI, der das KZ Dachau befreite, lehnt alles Deutsche ab, einschließlich Christina. Diese schwierige Ausgangslage ist der Grundstein für die komplexen Beziehungen und die emotionale Tiefe, die Rubra in ihrem Roman entwickelt.

Sieben Jahre später, zurück in Deutschland, trifft Christina unter dramatischen Umständen erneut auf Leon. Diese Begegnung führt zu einer spannungsgeladenen Beziehung, die weit über die bloße Arzt-Patienten-Dynamik hinausgeht. Leon, der Christina von den Verletzungen seiner Vergangenheit durch seine Edelsteinsammlung erzählt, wird für sie zu einer zentralen Figur in ihrem Leben. Diese Beziehung entwickelt sich zu einer faszinierenden und intensiven Verbindung, die sowohl von alten Wunden als auch von neuen Verletzungen geprägt ist. Rubra schafft es meisterhaft, die psychologischen und emotionalen Tiefen ihrer Charaktere auszuloten. Die Protagonisten sind durch ihre physischen und psychischen Narben gezeichnet, was der Titel des Buches treffend symbolisiert. Ein Keloid, eine überschießende Narbenbildung, dient als Metapher für die unauslöschlichen Wunden, die Krieg und Gewalt hinterlassen haben. Diese Narben verbinden die Charaktere auf schmerzhafte Weise miteinander und beeinflussen ihr Leben nachhaltig.

Die Autorin erzählt die Geschichte mit einer beeindruckenden sprachlichen Präzision und einer tiefen emotionalen Intensität. Die Dialoge sind lebendig und authentisch, die Beschreibungen von Landschaften, Städten und Menschen sind so detailliert und anschaulich, dass man sich mitten in der Handlung wähnt. Rubras medizinischer Hintergrund verleiht den Beschreibungen der physischen Verletzungen und ihrer Auswirkungen eine besondere Authentizität und Tiefe. Was mich besonders beeindruckt hat, ist die Art und Weise, wie Rubra die historischen und persönlichen Traumata miteinander verwebt. Die Vergangenheit, insbesondere die Schrecken des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust, sind ständig präsent und beeinflussen das Leben der Charaktere auf vielschichtige Weise. Diese Verknüpfung von individueller und kollektiver Geschichte verleiht dem Roman eine besondere Tiefe und Resonanz.

„KELOID“ ist mehr als nur eine Liebesgeschichte; es ist ein Roman über das Überleben, die Bewältigung von Traumata und die Suche nach Identität. Rubra zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie Gewalt und Liebe eng miteinander verknüpft sind und wie sie die Leben der Menschen nachhaltig beeinflussen. Die Charaktere sind komplex und vielschichtig, ihre Beziehungen zueinander sind ebenso faszinierend wie tragisch. Insgesamt ist „KELOID: – vom Überleben und Lieben“ ein herausragender Roman, der sowohl durch seine tiefgründige Thematik als auch durch seine sprachliche Brillanz besticht. Rubra hat ein beeindruckendes Debüt vorgelegt, das sicherlich noch lange nachhallen wird. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der sich für die Verstrickungen von Geschichte und persönlichem Schicksal interessiert und bereit ist, sich auf eine emotionale Reise voller Höhen und Tiefen einzulassen.

KELOID: - vom überleben und lieben

8.2

Aufmachung

8.2/10

Umfang

8.1/10

Schreibstil

8.0/10

Thema

8.2/10

Aufbau

8.3/10

Lesbarkeit

8.5/10

Illustrationen Cover

8.0/10

Umsetzung

8.2/10

Hat mir besonders gefallen

  • Tiefgründige Verwebung von persönlichen und historischen Traumata.
  • Authentische und lebendige Dialoge sowie detaillierte Beschreibungen.
  • Intensive und emotionale Erzählweise.
  • Komplexe und vielschichtige Charaktere.
  • Eindringliche Darstellung der Verstrickung von Gewalt und Liebe.
Mediennerd
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Medienproduzent/Blogger, Katzenliebhaber und 1. FC Köln Fan im hohen Norden. Mit meiner Berufs- und Lebenserfahrung teste und vermarkte ich seit 2009 Produkte aller Art. Sie erhalten immer ein ehrliches Feedback.
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