ENDLESS Legend™ 2

ENDLESS Legend™ 2 (Hooded Horse)

September 2026

Ein Strategiespiel voller ungleicher Fraktionen mit mächtigen Helden auf einer sich stetig wandelnden Welt. Errichte dein Reich, übe politischen Einfluss aus und führe große Armeen an, um die dunklen Geheimnisse in den Tiefen des Planeten zu lüften.
Entwickler: AMPLITUDE Studios
Genre: Strategie
91%
Spielspaß
94%
Wiederspielbarkeit
93%
Langzeitmotivation
88%
Grafik
87%
Umsetzung
ENDLESS Legend 2 erinnert mich daran, warum ich mich überhaupt auf riesige Strategiespiele einlasse, bei denen ich bereits beim Start weiß, dass die nächsten Stunden verschwinden werden.


91%

Nur noch eine Runde

Es gibt diese ganz bestimmten Strategiespiele, bei denen ich mir irgendwann spät am Abend vornehme, wirklich nur noch eine Runde zu spielen. Noch schnell das neue Forschungsprojekt abschließen, eine Stadt erweitern, eine Armee verschieben und danach ist Schluss. Natürlich passiert dann irgendetwas. Ein Nachbar erklärt mir den Krieg, irgendwo taucht eine neue Quest auf oder ich entdecke eine Ressource, die meine gesamte weitere Planung verändert. Bei ENDLESS Legend 2 kommt noch eine besonders gemeine Variante hinzu: Plötzlich zieht sich das Meer zurück und ein großer Teil der Weltkarte verändert sich.

Die sogenannten Tidefalls gehören für mich zu den besten Ideen des Spiels. Saiadha ist eine Welt, die zu großen Teilen von Wasser bedeckt ist. Im Verlauf einer Partie sinkt der Meeresspiegel allerdings mehrfach dramatisch und legt vollkommen neue Landmassen frei. Dort warten Ressourcen, Ruinen, neue Wege und möglicherweise auch Dinge, von denen ich lieber gar nichts erfahren hätte. Damit gelingt AMPLITUDE etwas, das in einem 4X-Spiel erstaunlich schwierig ist: Selbst die bereits erkundete Welt bleibt nicht dauerhaft bekannt.

ENDLESS Legend brauchte eigentlich gar keinen Nachfolger – bis man diesen spielt

Der erste ENDLESS Legend war schon deshalb besonders, weil seine Fraktionen nicht einfach dieselbe Mechanik mit unterschiedlichen Prozentboni spielten. Andere 4X-Spiele sagen mir vielleicht, dass Volk A zehn Prozent mehr Forschung bekommt und Volk B etwas bessere Soldaten besitzt. AMPLITUDE sagt dagegen gerne: Diese Fraktion benötigt überhaupt keine Nahrung. Jene breitet Korallen über den Planeten aus. Und die nächste möchte am liebsten einfach sämtliche Nachbarn auffressen.

Genau diese Philosophie treibt der zweite Teil weiter. Die Vollversion bringt sechs große Fraktionen sowie zwei sogenannte Rogue Factions mit. Zu den großen Völkern gehören die Kin of Sheredyn, Aspects, Necrophage, Last Lords, Tahuks und die mit Version 1.0 hinzugekommenen Sandshapers. Order of Zelavas und Severed Claws sind wiederum Abspaltungen bestehender Völker, besitzen aber eigene Anführer, Mechaniken, Technologien und Questreihen.

Das bedeutet vor allem eines: Eine neue Partie fühlt sich tatsächlich neu an. Ich wähle nicht nur eine andere Farbe auf der Weltkarte, sondern muss teilweise komplett umdenken.

Die Fraktionen sind wieder die eigentlichen Stars

Nehmen wir die Last Lords. Diese Wesen benötigen keine normale Nahrung. Bevölkerung wächst nicht einfach über Food, sondern wird mit Dust gekauft und muss anschließend ebenfalls über Dust versorgt werden. Selbst Heilung funktioniert anders und kann direkt mit dieser wichtigen Ressource bezahlt werden. Das verändert praktisch meine gesamte Wirtschaft.

Die Aspects wiederum sind eine bizarre Symbiose aus Maschine und Koralle. Sie verbreiten ihre Korallen über Saiadha, profitieren davon wirtschaftlich und militärisch und beschäftigen sich stärker mit Koexistenz und Diplomatie. Die Necrophage verfolgen erwartungsgemäß eine wesentlich aggressivere Philosophie und machen aus Krieg und Leichen einen Teil ihrer Ökonomie. Die Kin of Sheredyn eignen sich stärker für Spieler, die Befestigungen und ein kontrolliertes Wachstum bevorzugen, während die Tahuks Wissenschaft und ihre besondere religiöse Vorstellung miteinander verbinden.

Mit Version 1.0 kamen schließlich die Sandshapers hinzu. Sie erinnern sich an Saiadha aus einer Zeit, bevor die Welt von riesigen Wassermassen bedeckt war. Ihre Antwort auf die aktuelle Situation ist entsprechend radikal: Sie terraformen Land zurück in Wüste. Dadurch verbessern sie ihre eigene Wirtschaft und machen dieselben Flächen für andere Reiche weniger attraktiv.

Genau solche Mechaniken machen für mich gutes Fraktionsdesign aus. Ich muss eine Fraktion spielen, statt nur ihre Boni mitzunehmen.

Tidefalls verändern nicht nur die Optik der Karte

Auch deshalb funktionieren die Tidefalls so gut. Bei einem normalen 4X-Spiel ist die Erkundungsphase irgendwann vorbei. Nach einigen Dutzend Runden kenne ich meinen Kontinent, weiß, wo sämtliche wichtigen Ressourcen liegen, und aus Exploration wird Verwaltung.

ENDLESS Legend 2 lässt mich damit nicht so einfach davonkommen.

Wenn sich das Wasser zurückzieht, entstehen plötzlich neue Verbindungen. Zwei Reiche, die vorher durch einen Ozean getrennt waren, können unerwartet Nachbarn werden. Eine vermeintlich sichere Grenze existiert vielleicht plötzlich nicht mehr. Neue Rohstoffe erscheinen und Gebiete, die eben noch wertlos beziehungsweise unzugänglich waren, können strategisch enorm wichtig werden.

Dadurch kann ein Tidefall meine gesamte Planung zerstören. Und das meine ich als Kompliment.

Ich habe vielleicht gerade meine Verteidigung perfekt auf zwei Engstellen ausgerichtet und plötzlich öffnet sich südlich davon ein komplett neuer Zugang. Gleichzeitig möchte ich natürlich selbst möglichst schnell die freigelegten Gebiete erkunden, bevor meine Konkurrenten dort die besten Regionen beanspruchen.

So bleibt Exploration weit über die Anfangsphase hinaus relevant.

Städte wachsen diesmal wirklich zu Städten

Auch beim Städtebau wurde sinnvoll erweitert. Siedlungen bestehen aus unterschiedlichen Bezirken, die abhängig von Gelände, Nachbarschaft und Spezialisierung verschiedene Erträge erzeugen. Mit zunehmendem Wachstum breiten sie sich über mehrere Felder aus und können irgendwann tatsächlich wie große zusammenhängende Metropolen wirken.

Das bekannte FIDSI-System – Food, Industry, Dust, Science und Influence – bildet weiterhin die Grundlage. Ich muss also Bevölkerung versorgen, Produktion organisieren, Geld beziehungsweise Dust erwirtschaften, Forschung betreiben und politischen Einfluss erzeugen.

Das klingt zunächst klassisch, bekommt aber durch die einzelnen Fraktionen völlig unterschiedliche Bedeutungen. Bei den Last Lords fällt beispielsweise Nahrung als normaler Wirtschaftsfaktor praktisch weg. Andere Fraktionen verändern wiederum einzelne Distrikte oder erschließen Ressourcen auf ganz eigene Weise.

Gerade deshalb beschäftige ich mich wesentlich intensiver mit der Stadtplanung, als ich zunächst erwartet hatte. Ein schlecht gesetzter Bezirk kann später richtig ärgerlich werden, während eine klug geplante Stadt über ihre Nachbarschaftsboni enorme Erträge produzieren kann.

Heroes machen aus Generälen richtige Figuren

Die Helden gehören ebenfalls wieder fest zum Konzept. Sie führen Armeen, sammeln Erfahrung, bekommen Ausrüstung und Fähigkeiten und können gleichzeitig als Gouverneure wichtige Aufgaben innerhalb meines Reiches übernehmen.

Hier merkt man den leichten Rollenspiel-Einschlag besonders deutlich. Helden besitzen eigene Eigenschaften, können besondere Begleiter erhalten und sind teilweise direkt mit den Fraktionsgeschichten verbunden. Weitere Figuren lassen sich beispielsweise über Quests oder den Söldnermarkt gewinnen.

Ich mag diese Mischung aus großer Strategie und persönlicheren Figuren. In vielen 4X-Spielen ist eine Armee letztlich nur ein Stapel von Einheiten. Hier verbindet sich ein erfolgreicher Feldzug stärker mit dem Helden, der ihn angeführt hat.

Trotzdem wird ENDLESS Legend 2 dadurch nicht plötzlich zum Rollenspiel. AMPLITUDE selbst betont ausdrücklich, dass Heroes, Ausrüstung und Quests nur zusätzliche Ebenen innerhalb des Strategiespiels darstellen. Genau das ist auch die richtige Balance. Die Figuren geben meiner Welt mehr Persönlichkeit, ohne dass ich plötzlich zwei Stunden Inventare verwalten muss.

Die Kämpfe sind endlich wesentlich nachvollziehbarer

Einer meiner größeren Kritikpunkte am ersten Teil war das Kampfsystem. Ich gab Befehle, anschließend versuchten meine Einheiten diese abhängig von Initiative und Situation selbstständig auszuführen. Theoretisch interessant, praktisch aber gelegentlich ein wunderbares System, um zuzusehen, wie eine Einheit etwas völlig anderes macht als das, was ich eigentlich wollte.

AMPLITUDE hat daraus offensichtlich gelernt.

In ENDLESS Legend 2 kontrolliere ich meine Truppen direkt und rundenweise. Sobald zwei Armeen aufeinandertreffen, wird ein Bereich der normalen Weltkarte zum Schlachtfeld. Zusätzliche Armeen innerhalb dieses Gebietes können als Verstärkung hinzukommen. Anschließend positioniere ich einzelne Einheiten und führe sie direkt durch den Kampf.

Das gefällt mir erheblich besser.

Gelände, erhöhte Positionen und Engstellen spielen eine wichtige Rolle. Gleichzeitig besitzen praktisch alle Einheitentypen spezielle Fähigkeiten, wodurch es mehr zu überlegen gibt als lediglich „Nahkämpfer nach vorne, Bogenschützen nach hinten“.

Trotzdem dauern manche Kämpfe länger, als sie müssten

Die bessere Kontrolle besitzt allerdings auch ihren Preis. Je größer die Armeen werden, desto häufiger verbringe ich ziemlich viel Zeit in taktischen Gefechten.

AMPLITUDE wollte die Kämpfe bewusst kompakt halten, damit das eigentliche Imperiumsmanagement weiterhin im Mittelpunkt steht. Das gelingt meistens, aber nicht immer.

Gerade wenn ich bereits ziemlich sicher weiß, wie eine Begegnung ausgehen wird, möchte ich nicht unbedingt jede einzelne Einheit noch einmal manuell bewegen. Natürlich kann man Kämpfe automatisch berechnen lassen, aber dann gibt man eben genau jene taktische Kontrolle auf, die das neue System eigentlich besser macht.

Die KI ist ebenfalls nicht immer perfekt. Gegner können sehr aggressiv spielen und gelegentlich entstehen Situationen, in denen bestimmte Mechaniken wesentlich stärker ausgenutzt werden können, als wahrscheinlich gedacht. PC Gamer kritisiert zudem, dass manche Gefechte aufgrund von KI-Vorteilen beziehungsweise Balancing etwas nach dem Ausnutzen bestimmter Systeme verlangen können.

Für mich bleibt das neue Kampfsystem trotzdem ein klarer Fortschritt gegenüber Teil eins.

Quests machen aus einer Welt mehr als eine zufällig erzeugte Karte

Das vielleicht größte Talent von AMPLITUDE ist ohnehin Worldbuilding. Saiadha fühlt sich nicht einfach wie eine zufällig generierte Hexfeldkarte an, auf der fünf farbige Reiche um Rohstoffe kämpfen.

Überall gibt es Ruinen, kleinere Völker, Ereignisse und Questreihen. Besonders die eigene Fraktionsgeschichte zieht sich durch eine Partie und vermittelt mir, warum dieses Volk überhaupt auf Saiadha existiert und was es erreichen möchte.

Das ist enorm wichtig, weil asymmetrische Mechaniken dadurch erzählerisch begründet werden. Die Last Lords benutzen Dust nicht einfach deshalb anders, weil irgendein Designer Abwechslung wollte. Ihre gesamte Geschichte und Existenz erklärt diese Ökonomie. Dasselbe gilt für die Korallen der Aspects oder den Hunger der Necrophage.

Dadurch entsteht diese ganz typische ENDLESS-Mischung aus Science-Fiction und Fantasy. Roboter, spirituelle Wesen, uralte Technologie, Magie und seltsame Kreaturen existieren völlig selbstverständlich nebeneinander.

Manchmal verstehe ich nicht sofort, was zum Teufel ich da gerade entdeckt habe. Genau das gehört aber für mich zum Charme.

Kleinere Fraktionen sind nicht einfach nur kostenlose Städte

Auch die kleineren Völker auf der Welt sind mehr als neutrale Dörfer, die man früher oder später einfach übernimmt. Sie können befriedet, über Quests beeinflusst und teilweise als Protektorate beziehungsweise Partner eingebunden werden.

Gerade bei diplomatischeren Fraktionen ist das wichtig. Nicht jedes Problem muss durch militärische Eroberung gelöst werden.

Dadurch fühlt sich Expansion etwas organischer an. Ich habe häufig mehrere Möglichkeiten, mit einem kleineren Volk umzugehen, und ihre besonderen Einheiten beziehungsweise Boni können anschließend Teil meiner eigenen Strategie werden.

Dieses System gab es in Grundzügen schon im Vorgänger, funktioniert hier aber wieder hervorragend, weil es perfekt mit dem Fraktionsdesign zusammenspielt.

Politik und Diplomatie könnten trotzdem noch besser sein

Nicht jeder Bereich ist auf demselben Niveau. Diplomatie funktioniert ordentlich und Einfluss ist eine relevante Ressource, aber gerade verglichen mit den fantastischen Wirtschaftssystemen einzelner Fraktionen wirkt der zwischenstaatliche Teil gelegentlich konventioneller.

Verträge, Beziehungen und politische Entscheidungen sind vorhanden, trotzdem habe ich selten das Gefühl, dass Diplomatie denselben Überraschungseffekt besitzt wie ein Tidefall oder eine neue Fraktionsmechanik.

Das ist ein wiederkehrendes Problem vieler 4X-Spiele. Krieg erzeugt klare Situationen und unmittelbare Konsequenzen, Diplomatie wird dagegen schnell zu einer Sammlung von Zahlen und Modifikatoren.

ENDLESS Legend 2 macht das besser als viele Konkurrenten, aber ausgerechnet bei einem Spiel mit derart kreativen Fraktionen hätte ich mir manchmal noch ungewöhnlichere diplomatische Systeme gewünscht.

Die Oberfläche ist hübsch, aber nicht immer praktisch

Beim Interface bin ich ebenfalls zwiegespalten. Optisch sieht alles fantastisch aus. Menüs besitzen diese typische elegante AMPLITUDE-Ästhetik und passen hervorragend zur Welt.

Informationsdesign ist aber etwas anderes.

Gerade als Neueinsteiger kann man von Tooltips, Symbolen, Ressourcen und Untermenüs erschlagen werden. Selbst als erfahrener Strategiespieler musste ich gelegentlich länger suchen, als mir lieb war. PC Gamer kritisiert ebenfalls, dass die Benutzeroberfläche nicht immer intuitiv ist.

Bei einem derart komplexen Spiel lässt sich das natürlich nie komplett vermeiden. Trotzdem gibt es Situationen, in denen eine wichtige Information zwei Klicks weniger vertragen hätte.

Die deutsche Übersetzung hilft immerhin. Oberfläche und Untertitel sind vollständig auf Deutsch verfügbar, lediglich die vollständige Sprachausgabe bleibt Englisch. Insgesamt unterstützt die Vollversion 16 Sprachen.

Saiadha ist wunderschön und ziemlich seltsam

Visuell gehört ENDLESS Legend 2 zu meinen liebsten aktuellen Strategiespielen. Das liegt weniger an technischer Brillanz als an Art Design.

Saiadha sieht fremdartig aus. Küsten, Korallenlandschaften, fantastische Bauwerke und die unterschiedlichen Fraktionsarchitekturen geben der Karte enorm viel Persönlichkeit. Besonders nach einem Tidefall verändert sich das Bild teilweise dramatisch.

Auch die Einheiten besitzen hervorragende Designs. Die Fraktionen lassen sich schon optisch klar voneinander unterscheiden, statt einfach dieselben menschlichen Soldaten in unterschiedlichen Farben aufzustellen.

Technisch gibt es allerdings Grenzen. Beleuchtung wirkt nicht überall gleich stark und bei sehr genauer Betrachtung erkennt man natürlich, dass das Spiel primär aus strategischer Entfernung betrachtet werden soll. Genau darauf weist auch PC Gamer hin.

Für mich ist das vollkommen in Ordnung. Wenn ich aus der Karte herauszoome und meine riesige Stadt neben einer Korallenlandschaft sehe, funktioniert die Welt hervorragend.

Arnaud Roy gehört längst zum ENDLESS-Universum

Auch musikalisch gibt es wenig zu kritisieren. Arnaud Roy komponiert erneut den Soundtrack und versteht diese Welt inzwischen wahrscheinlich genauso gut wie die Entwickler selbst.

Die Musik kann ruhig und beinahe melancholisch sein, während sie in anderen Momenten deutlich größer und dramatischer wird. Besonders beim Erkunden passt sie hervorragend zu diesem Gefühl, eine Welt zu betreten, deren Geschichte weit älter ist als mein eigenes Reich.

Das ist einer dieser Soundtracks, bei denen ich gelegentlich gar nicht merke, wie stark er die Atmosphäre trägt, bis ich bewusst darauf achte.

Für ein Spiel, in dem ich problemlos mehrere Stunden am Stück auf dieselbe Weltkarte schaue, ist das enorm wichtig.

Version 1.0 bedeutet nicht, dass sämtliche Baustellen verschwunden sind

ENDLESS Legend 2 befand sich seit dem 22. September 2025 im Early Access und erschien am 17. September 2026 als Version 1.0. Das zusätzliche Jahr Entwicklung hat dem Spiel sichtbar gutgetan.

Mit der Vollversion kamen nicht nur die Sandshapers und beiden Rogue Factions hinzu, sondern auch eine große Menge an Fehlerkorrekturen und Anpassungen. Trotzdem erscheinen unmittelbar nach Veröffentlichung bereits weitere Updates. Im 1.0-Changelog listet AMPLITUDE selbst noch bekannte Probleme auf und hat seitdem mehrere zusätzliche Fixes veröffentlicht.

Das sollte man erwähnen, ohne das Spiel deshalb als unfertig zu bezeichnen.

Der Umfang und die grundlegenden Systeme wirken wie ein vollständiges Spiel. Es gibt aber weiterhin kleinere Fehler, Balancefragen und Komfortprobleme, bei denen ich davon ausgehe, dass AMPLITUDE noch länger daran arbeiten wird.

Gerade bei einem 4X-Spiel dieser Größenordnung überrascht mich das wenig.

Acht Varianten sorgen für enorme Wiederspielbarkeit

Die vielleicht größte Stärke ist letztlich die Wiederspielbarkeit.

Wenn ich eine Kampagne mit einer anderen Fraktion beginne, ändere ich nicht nur meine Anfangsposition. Meine Wirtschaft funktioniert teilweise anders, meine Einheiten besitzen andere Fähigkeiten, die Fraktionsquest erzählt eine andere Geschichte und selbst mein Verhältnis zu bestimmten Ressourcen verändert sich.

Mit den sechs großen Fraktionen und den zwei Rogue Factions stehen zum Start der Vollversion acht spielbare Varianten zur Verfügung. Die beiden Rogue Factions teilen zwar Teile ihrer DNA mit Kin of Sheredyn beziehungsweise Necrophage, besitzen aber eigene Anführer, Eigenschaften, Technologien, Gebäude und Quests.

Dazu kommen prozedural generierte Welten und Tidefalls, die selbst mit derselben Fraktion für andere geopolitische Situationen sorgen können.

Das ist genau die Art Strategiespiel, bei der ich nach einer langen Kampagne nicht unbedingt sage: Jetzt habe ich das Spiel beendet.

Ich denke eher: Jetzt möchte ich wissen, wie völlig anders sich die Necrophage spielen.

Die Steam-Spieler sehen das ähnlich

Die Resonanz auf Version 1.0 fällt aktuell sehr positiv aus. Zum Zeitpunkt dieser Rezension sind auf Steam rund 82 Prozent von etwas mehr als 3.000 Nutzerbewertungen positiv. Auch die jüngsten Rezensionen bewegen sich ungefähr auf diesem Niveau.

Das ist für einen komplexen 4X-Titel ein ziemlich starkes Ergebnis, gerade weil solche Spiele häufig an jedem noch so kleinen Balanceproblem auseinandergenommen werden.

Gleichzeitig zeigen die restlichen negativen Bewertungen ziemlich gut, wo die Reibungspunkte liegen: Interface, KI, einzelne Balanceentscheidungen und die Tatsache, dass manche Spieler nach dem Early Access noch etwas mehr Feinschliff erwartet hätten.

Ich kann diese Kritik nachvollziehen.

Sie verändert für mich aber nichts daran, dass der Kern hervorragend funktioniert.

Fazit – Genau deshalb liebe ich 4X-Spiele

ENDLESS Legend 2 erinnert mich daran, warum ich mich überhaupt auf riesige Strategiespiele einlasse, bei denen ich bereits beim Start weiß, dass die nächsten Stunden verschwinden werden.

Es ist dieses Gefühl, eine vollkommen fremde Welt zunächst kaum zu verstehen und irgendwann genau zu wissen, warum diese eine Stadt an dieser Stelle stehen muss, welche Fraktion mein größtes Problem ist und welchen Forschungsweg ich als Nächstes einschlage.

AMPLITUDE gelingt das vor allem über seine Fraktionen. Last Lords, Aspects, Necrophage, Kin of Sheredyn, Tahuks und Sandshapers spielen sich nicht wie dieselbe Zivilisation mit unterschiedlichen Bannern. Sie besitzen eigene wirtschaftliche Regeln und eigene Vorstellungen davon, wie ein Reich überhaupt funktionieren sollte. Genau diese Konsequenz macht jede neue Kampagne interessant.

Die Tidefalls setzen dem Ganzen die Krone auf. In vielen 4X-Spielen ist die Karte nach der frühen Erkundungsphase praktisch abgeschlossen. Hier kann sich die Geografie selbst später noch verändern. Neue Küsten entstehen, Ressourcen tauchen auf und Grenzen verlieren plötzlich ihre Bedeutung. Das hält die Welt erstaunlich lange lebendig.

Auch das überarbeitete Kampfsystem gefällt mir deutlich besser als im ersten Teil. Direkte Kontrolle, Terrain und individuelle Fähigkeiten machen Gefechte nachvollziehbarer und taktischer. Trotzdem können große Schlachten gelegentlich etwas zäh werden und die KI spielt nicht immer überzeugend.

Weitere Kritikpunkte gibt es bei Benutzeroberfläche, Diplomatie und einigen Balancefragen. Version 1.0 ist vollständig genug, um nicht mehr wie Early Access zu wirken, aber gleichzeitig noch nicht an jedem Ende perfekt poliert.

Das ändert nichts an meinem Gesamteindruck. ENDLESS Legend 2 besitzt genau die Sorte Kreativität, die dem 4X-Genre guttut. Statt einfach noch ein Spiel über historische Nationen mit minimal unterschiedlichen Boni zu bauen, wirft AMPLITUDE bizarre Völker auf einen sterbenden Ozeanplaneten und lässt jedes davon die Grundregeln auf seine eigene Weise brechen.

Und dann zieht sich plötzlich das Meer zurück und sämtliche Pläne sind wieder hinfällig. Genau deshalb habe ich nach einer Runde meistens noch Lust auf eine weitere.

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