Dienstag

Dienstag ist ein Roman von Axel Dielmann und erschien am 1. Oktober 2023. 

Dienstag

Die Uhr tickt, läuft durch einen offenbar ganz normalen Tag, einen Dienstag. Von dessen Morgen an bis in den Abend springt Dierk Wolters’ Erzählzeiger zwischen sechs Mitgliedern einer Familie hin und her, läßt in einem family stream of consciousness hören, was sie umtreibt. Wie uns alle. Aber Dierk Wolters kratzt in seinem zweiten Roman mehr als einen repräsentativen Wochentag frei. Vom Großvater bis zum Nesthäkchen, von mütterlichen Versorgungssorgen bis zum Ärger im Altenheim, von Freizeitsport bis Berufsnot reichen diese inneren Stimmen, und selbstverständlich nehmen sie auch einander aufs Korn. Unabhängig davon, ob es sich um einen Gedankensplitter eines der Familienmitglieder oder um eine innere Suada handelt, die teils amüsant, teils tiefgehend, teils bestens vertraut, teils schrullig sind – interessant ist es vor allem das zu belauschen, was zwischen den Figuren geschieht. Oder eben nicht. Denn zwischen den Rede- und Denkzeiten, welche Dierk Wolters seinen Figuren einräumt, wird dieser Roman bedenklich, im Wortsinn: Es gibt uns zu denken, wie wir unsere Leben zu organisieren versuchen, wie wir »miteinander« zu leben meinen, wo doch Mutmaßung und Selbsteinredung an die Stelle von Gespräch rücken; wie unsere gesellschaftlichen Funktionen und Positionierungen uns letztlich mehr voneinander trennen, als uns in Beziehungen zu setzen; wie stark Nähe und Distanzierung, Fremd- und Selbstbestimmung in unseren einzelnen Köpfen virulent ist, dort aber feststeckt – und uns voneinander fernhält. In den Sprüngen, welche uns Dierk Wolters an der Uhr seines »Dienstag« abzählt, zwischen den protokollierten Stimmfetzen, wird dieser Roman zum Chronometer für vertane oder lebenswert gemachte Lebenszeit. – Es ist also Dienstag …

In „Dienstag“ nimmt uns Dierk Wolters mit auf eine faszinierende Reise durch einen scheinbar ganz normalen Tag im Leben einer Familie. Als jemand, der sich gerne in die Tiefen menschlicher Beziehungen und Gedankenwelten vertieft, habe ich dieses Buch als eine außergewöhnliche Erfahrung empfunden. Wolters schafft es, durch den family stream of consciousness die Leser direkt in das Herz der Familie zu führen. Die Uhr tickt, und mit jeder Seite tauche ich tiefer in die Leben der sechs Familienmitglieder ein, von den Sorgen der Mutter bis hin zu den Herausforderungen im Altersheim. Besonders beeindruckend finde ich, wie Wolters die inneren Stimmen seiner Charaktere einfängt. Es ist, als würde man durch ein Kaleidoskop schauen, in dem jeder Gedankensplitter, jede innere Suada, ob amüsant oder tiefgehend, ein lebendiges Bild der Charaktere zeichnet. Diese Vielfalt macht das Buch zu einem spannenden und zugleich intimen Leseerlebnis.

Was mich an „Dienstag“ besonders nachdenklich stimmt, ist die Art und Weise, wie Wolters die Komplexität menschlicher Beziehungen darstellt. Die Figuren sind durch gesellschaftliche Funktionen und Positionen getrennt, was eine interessante Reflexion über Nähe und Distanz, Fremd- und Selbstbestimmung in unserem Leben anstößt. Diese Themen berühren mich, da sie mich an meine eigenen Erfahrungen und Beobachtungen in der Gesellschaft erinnern. Das Buch ist nicht nur eine Erzählung über einen Tag im Leben einer Familie, es ist ein Spiegel, der uns zeigt, wie wir unser Leben organisieren und wie wir „miteinander“ zu leben glauben. In den Sprüngen und Stimmfetzen, die Wolters uns präsentiert, wird „Dienstag“ zu einem Chronometer für unser eigenes Leben – für vertane oder lebenswert gemachte Lebenszeit.

Abschließend ist zu sagen, dass Dierk Wolters, mit seinem Hintergrund als erfahrener Journalist und Kenner der deutschen Literatur, ein Werk geschaffen hat, das sowohl unterhaltsam als auch tiefgründig ist. „Dienstag“ ist ein Buch, das ich jedem empfehlen würde, der sich für die Feinheiten des menschlichen Daseins und die Komplexität unserer täglichen Interaktionen interessiert. Es ist ein Werk, das lange nach dem Zuklappen des Buches zum Nachdenken anregt.

Dienstag

8

Aufmachung

7.2/10

Umfang

8.1/10

Schreibstil / Bilder

8.5/10

Umsetzung

8.0/10

Hat mir besonders gefallen

  • Die innere Welt und die Gedanken der verschiedenen Familienmitglieder werden eindrucksvoll und detailliert beschrieben.
  • Das Buch bietet interessante Reflexionen über Nähe, Distanz, sowie Fremd- und Selbstbestimmung in menschlichen Beziehungen.
  • Der "family stream of consciousness" macht die Erzählung lebendig und zieht den Leser direkt in das Geschehen hinein.
  • Das Buch regt zum Nachdenken über gesellschaftliche Funktionen und Positionierungen und deren Einfluss auf zwischenmenschliche Beziehungen an.
Mediennerd
Mediennerd
Medienproduzent/Blogger, Katzenliebhaber und 1. FC Köln Fan im hohen Norden. Mit meiner Berufs- und Lebenserfahrung teste und vermarkte ich seit 2009 Produkte aller Art. Sie erhalten immer ein ehrliches Feedback.
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