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Die unendliche Lust am Leben: Aus dem Briefwechsel meiner Mutter 1925–85

Die unendliche Lust am Leben: Aus dem Briefwechsel meiner Mutter 1925–85 aus dem Dittrich Verlag erschien am 1. November 2023. 

Die unendliche Lust am Leben

Ihre Kindheit in gutbürgerlichen Verhältnissen war geprägt vom Kaiserreich und dem Ersten Weltkrieg. Die Weimarer Republik eröffnete ihr neue persönliche Freiheiten sowie die Chance, Chemie zu studieren. Während des Dritten Reiches brachte sie vier Kinder zur Welt und verlor ihren Ehemann in Stalingrad. Die sowjetische Besatzungsmacht erzwang die Enteignung der Textilfabrik, den Verlust des Wohnhauses und des Vermögens. In der DDR ernährte sie ihre sechsköpfige Familie als Straßenbahnschaffnerin und Taxifahrerin in Dresden und litt unter der flächendeckenden Überwachung der Stasi. Am Ende klang ihr Leben in relativer Behaglichkeit in der Bundesrepublik aus, wo sie 1985 starb. In Renate Böttgers Briefen spiegelt sich das von Katastrophen geprägte 20. Jahrhundert: zwei Weltkriege und fünf verschiedene politische Systeme, die sich jeweils konträr zu den vorangegangenen definierten. Die umwälzenden zeitgeschichtlichen Ereignisse und ihre unbändige Lebenslust aller Widrigkeiten zum Trotz prägen diesen Briefwechsel. Ihr außergewöhnlicher Schreibstil macht die Lektüre dieser Dokumente, sorgfältig von ihrer Tochter Barbara Böttger editiert, zu einem großartigen Leseerlebnis, die die Zeitläufte in einem ganz besonderen Licht erscheinen lässt.

Das Buch „Die unendliche Lust am Leben: Aus dem Briefwechsel meiner Mutter 1925–85“, herausgegeben von der promovierten Filmemacherin und Aktivistin Barbara Böttger, ist eine faszinierende und tiefgründige Darstellung des turbulenten Lebens von Renate Böttger. Durch die sorgfältige Zusammenstellung der Briefe ihrer Mutter ermöglicht es Barbara Böttger den Lesern, in eine Ära einzutauchen, die von dramatischen historischen Ereignissen geprägt war. Die Geschichte beginnt in der Zeit des Kaiserreichs und des Ersten Weltkriegs, einer Epoche, die das Leben der jungen Renate maßgeblich beeinflusste. Ihre Kindheit in gutbürgerlichen Verhältnissen und die damit verbundenen Einschränkungen der damaligen Zeit werden greifbar. Interessant ist, wie die Weimarer Republik ihr neue persönliche Freiheiten eröffnete, insbesondere die Möglichkeit, Chemie zu studieren – eine Seltenheit für Frauen jener Zeit.

Der Briefwechsel gewährt Einblicke in das private und berufliche Leben während des Dritten Reiches, eine Zeit, in der Renate Böttger vier Kinder zur Welt brachte und den Verlust ihres Ehemannes in Stalingrad ertragen musste. Die Enteignung der Textilfabrik und der Verlust des Wohnhauses sowie des Vermögens durch die sowjetische Besatzungsmacht sind tiefgreifende Ereignisse, die in den Briefen eindrucksvoll geschildert werden. Besonders beeindruckend ist die Darstellung ihres Lebens in der DDR. Die alltäglichen Herausforderungen als Straßenbahnschaffnerin und Taxifahrerin in Dresden, um ihre sechsköpfige Familie zu ernähren, sind ebenso bewegend wie die Beschreibungen der flächendeckenden Überwachung durch die Stasi. Trotz aller Widrigkeiten verlor Renate Böttger nie ihre Lebenslust, was sich in ihrem außergewöhnlichen Schreibstil widerspiegelt.

Das Buch schließt mit dem Ausklang ihres Lebens in der Bundesrepublik, wo sie 1985 in relativer Behaglichkeit starb. Dieser Abschnitt zeigt, wie sie die Veränderungen in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte und wie sie sich in den neuen gesellschaftlichen Strukturen zurechtfand. Barbara Böttgers akribische Arbeit an den Briefen ihrer Mutter ermöglicht es den Lesern, die Zeitläufte des 20. Jahrhunderts aus einer sehr persönlichen Perspektive zu erfahren. Die Berichte über zwei Weltkriege und fünf verschiedene politische Systeme, gepaart mit der unbändigen Lebenslust Renate Böttgers, machen das Buch zu einem herausragenden Leseerlebnis.

Fazit: „Die unendliche Lust am Leben“ ist mehr als nur eine Biografie; es ist ein Zeugnis menschlicher Resilienz und Ausdauer. Es bietet einen einzigartigen Einblick in ein bewegtes Jahrhundert aus der Perspektive einer außergewöhnlichen Frau. Dieses Buch ist eine unverzichtbare Lektüre für alle, die sich für Geschichte, persönliche Schicksale und die Kraft des menschlichen Geistes interessieren.

Die unendliche Lust am Leben: Aus dem Briefwechsel meiner Mutter 1925–85

8.6

Aufmachung

8.2/10

Umfang

9.1/10

Schreibstil / Bilder

8.7/10

Umsetzung

8.5/10

Hat mir besonders gefallen

  • Die Briefe bieten einen tiefen Einblick in die Lebensumstände und Ereignisse von zwei Weltkriegen und fünf unterschiedlichen politischen Systemen.
  • Durch die persönlichen Erlebnisse und Gefühle von Renate Böttger erhalten die historischen Ereignisse eine sehr menschliche und greifbare Dimension.
  • Das Buch zeigt eindrucksvoll, wie Renate Böttger trotz enormer Herausforderungen und Verluste ihre Lebensfreude und Stärke bewahrt hat.
  • Renate Böttgers einzigartige Art zu schreiben macht die Lektüre nicht nur informativ, sondern auch literarisch wertvoll.
Mediennerd
Mediennerd
Medienproduzent/Blogger, Katzenliebhaber und 1. FC Köln Fan im hohen Norden. Mit meiner Berufs- und Lebenserfahrung teste und vermarkte ich seit 2009 Produkte aller Art. Sie erhalten immer ein ehrliches Feedback.
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