Die Kapelle

Die Kapelle ist ein Roman aus dem Gmeiner Verlag und erschien am 10. Januar 2024. 

Die Kapelle

Der Kunsthistoriker Benedikt Oswald wird von einem Freiburger Kollegen gebeten, in einem Schwarzwalddorf ein Gutachten über den Erhalt einer Kapelle zu erstellen. Doch es kommt anders. Vom Tag der Anreise an findet er sich einer seltsamen Welt gegenüber. Ereignisse aus ferner Vergangenheit werden lebendig, die Gegenwart verwirrt ihn. Die unscheinbare Kapelle mit der Statue der Heiligen Barbara öffnet ihm einen Weg, auf dem nichts ist, wie es scheint. Und dann gibt es die geheimnisvolle Witwe, mit der er sich auf unerklärliche Weise verbunden fühlt.

Beim Lesen von „Die Kapelle“ von Thomas Erle wurde ich sofort von der einladenden Prämisse und dem geheimnisvollen Klappentext angezogen. Die Geschichte folgt dem Kunsthistoriker Benedikt Oswald, der auf eine fesselnde Reise durch ein Schwarzwalddorf geschickt wird, um ein Gutachten über den Erhalt einer Kapelle zu erstellen. Diese Ausgangslage versprach eine interessante Mischung aus Historie und geheimnisvoller Erzählung, die mich anfänglich sehr begeisterte. Die ersten Kapitel des Buches haben mich mit ihrer detaillierten Beschreibung des Dorfes und der Kapelle, sowie der Vorstellung der Dorfgemeinschaft, regelrecht in ihren Bann gezogen. Thomas Erles Fähigkeit, die Szenerie mit wenigen, aber präzisen Worten zum Leben zu erwecken, erinnerte mich an die knappe Erzählweise, die man oft bei französischen Autoren findet. Diese Erzähltechnik schaffte es, mich als Leser sofort in die Geschichte zu integrieren und meine Neugier zu wecken.

Jedoch begann meine Begeisterung zu wanken, als die Geschichte fortschritt. Die Verwebung von Historie und Dorfleben, obwohl anfänglich ein ansprechendes Konzept, fühlte sich zunehmend oberflächlich an. Der Roman präsentierte viele interessante Ansätze und Charaktere, die jedoch oft nur kurz eingeführt wurden und deren Geschichten schnell wieder in den Hintergrund traten. Diese Erzählweise ließ mich als Leser oft mit dem Wunsch zurück, tiefer in die Geheimnisse und Beziehungen des Dorfes eintauchen zu können. Besonders die mystischen Elemente, die mit der Kapelle und den Schwindelanfällen des Protagonisten eingeführt wurden, verstärkten mein Gefühl der Verwirrung. Anstatt eine tiefere Ebene der Erzählung zu eröffnen, machten sie die Handlung diffus und ließen mich fragend zurück, ob diese Elemente mehr zur Ergriffenheit oder zur Schwäche des Romans beitrugen.

Gegen Ende des Buches wurde meine Enttäuschung noch größer. Die vielen losen Enden und die mangelnde Verknüpfung der Handlungsstränge führten dazu, dass das anfängliche Versprechen einer fesselnden Geschichte nicht eingelöst wurde. Auch die Beziehung zwischen dem Protagonisten und der geheimnisvollen Witwe, die ein zentrales Element der Geschichte zu sein schien, blieb unausgereift und ohne klare Bedeutung für die Gesamthandlung. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Die Kapelle“ von Thomas Erle mit vielversprechenden Ideen und einer fesselnden Ausgangssituation beginnt, jedoch im Verlauf der Erzählung an Tiefe und Kohärenz verliert. Trotz der geschickten Beschreibungen und der interessanten Ansätze konnte mich der Roman letztlich nicht überzeugen, da es ihm an einer durchgängigen und tiefgründigen Ausarbeitung der Geschichte und der Charaktere mangelt.

Die Kapelle

7.7

Aufmachung

7.9/10

Umfang

8.5/10

Schreibstil / Bilder

7.2/10

Umsetzung

7.0/10

Hat mir besonders gefallen

  • Einladende Prämisse und geheimnisvoller Klappentext, der Neugier weckt.
  • Detaillierte und präzise Beschreibungen des Dorfes und der Kapelle, die die Szenerie lebendig machen.
  • Interessante Mischung aus Historie und Dorfleben, die anfänglich fesselt.

War nicht ganz so toll

  • Viele Handlungsstränge und Charaktere werden nur oberflächlich behandelt und nicht weiterentwickelt.
  • Die mystischen Elemente tragen zur Verwirrung bei und lassen die Handlung diffus erscheinen.
  • Fehlende Tiefe in der Ausarbeitung der Geheimnisse und Beziehungen des Dorfes.
  • Die zentrale Beziehung im Roman bleibt unausgereift und ohne klare Bedeutung für die Gesamthandlung.
Mediennerd
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