Crimson Capes (Poor Locke)
Februar 2026
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Stürze dich in flüssige 2D-Pixel-Art-Schwertkämpfe, bringe Hexen zur Strecke, bezwinge Monster und erlebe das Zeitalter epischer Abenteuer. Tritt der Gilde der Crimson Capes bei und erkunde eine Fantasy-Welt mit Schwert und Zauberei.
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Entwickler: Poor Locke
Genre: Abenteuer
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85%
Spielspaß 86%
Wiederspielbarkeit 84%
Langzeitmotivation 74%
Grafik 82%
Umsetzung |
| Crimson Capes ist ein Spiel, das genau weiß, was es sein will. |

Crimson Capes – Kleine Helden, große Gefechte und der Reiz des immer nächsten Runs
Manchmal stolpert man über Spiele, die nicht mit riesigem Marketing auftreten, nicht mit Trailern voller Explosionen locken – sondern einfach still da sind. Crimson Capes ist genau so ein Titel. Ein Action-Roguelite mit Top-Down-Perspektive, schnellem Kampfsystem und dieser klassischen „Nur noch ein Run“-Magie, die einen länger festhält, als man ursprünglich geplant hatte.
Ich bin ohne große Erwartungen gestartet. Und habe mich dann doch dabei erwischt, wie ich mehrere Abende hintereinander immer wieder neu losgezogen bin.
Ein simples Konzept mit erstaunlicher Wirkung
Das Grundprinzip von Crimson Capes ist schnell erklärt: Du wählst einen Helden, stürzt dich in zufällig generierte Areale, kämpfst gegen Gegnerwellen, sammelst Upgrades und versuchst, möglichst weit zu kommen, bevor dich der Tod wieder an den Anfang schickt. Klingt bekannt? Ist es auch.
Doch Poor Locke schafft es, diesem bekannten Roguelite-Gerüst eine eigene Identität zu geben. Die Steuerung ist direkt, die Kämpfe sind flott, und jede Figur bringt einen klar erkennbaren Spielstil mit. Nahkämpfer fühlen sich anders an als Fernkämpfer, defensive Builds funktionieren komplett anders als aggressive Glaskanonen.
Was mir besonders gefallen hat: Das Spiel erklärt sich fast von selbst. Nach wenigen Minuten weißt du, was Sache ist. Keine überladenen Tutorials, keine ellenlangen Tooltips. Rein ins Getümmel.

Kampfgefühl: Schnell, präzise, gnadenlos
Das Herz von Crimson Capes ist eindeutig das Kampfsystem. Angriffe sitzen knackig, Ausweichrollen fühlen sich reaktionsschnell an, Treffer haben spürbaren Impact. Du bist ständig in Bewegung, liest Gegneranimationen, weichst Projektilen aus und versuchst, dein eigenes Schadensfenster optimal zu nutzen.
Die Gegnerdesigns sind abwechslungsreich genug, um dich wachzuhalten. Kleine schnelle Kreaturen, schwer gepanzerte Brocken, Elitegegner mit Spezialfähigkeiten – alles verlangt eine etwas andere Herangehensweise. Und dann sind da noch die Bosskämpfe.
Diese sind klar inszeniert, mit eigenen Arenen und Angriffsmustern, die man lernen muss. Die ersten Versuche enden meist im Desaster. Aber genau das gehört dazu. Jeder Boss ist ein kleines Lernspiel für sich – und jeder Sieg fühlt sich verdient an.
Progression: Kleine Schritte, große Motivation
Wie es sich für ein Roguelite gehört, stirbst du oft. Sehr oft. Doch jeder Run bringt Fortschritt. Neue Charaktere, permanente Upgrades, zusätzliche Fähigkeiten – Stück für Stück öffnet sich das Spiel.
Das Progressionssystem ist angenehm übersichtlich gehalten. Du weißt immer, worauf du hinarbeitest. Keine versteckten Mechaniken, kein unnötiger Ballast. Das sorgt für eine klare Motivation: Noch ein Run, noch ein Upgrade, noch ein Versuch.
Was ich besonders mochte: Auch gescheiterte Runs fühlen sich nicht sinnlos an. Fast immer nimmst du irgendetwas mit, das dich beim nächsten Versuch stärker macht. Genau diese Balance zwischen Herausforderung und Belohnung funktioniert hier sehr gut.

Präsentation: Stilvoll, aber technisch schlicht
Grafisch setzt Crimson Capes auf einen klaren Indie-Stil mit Pixel-Elementen und stylisierten Effekten. Das sieht ordentlich aus, ist aber kein visuelles Feuerwerk. Die Umgebungen sind funktional gestaltet, manchmal etwas karg, erfüllen aber ihren Zweck.
Charaktere und Gegner haben genug Persönlichkeit, um im Gedächtnis zu bleiben, auch wenn man sich insgesamt etwas mehr Detailtiefe wünschen könnte. Besonders die Areale wirken stellenweise austauschbar.
Der Sound hingegen passt gut zum schnellen Gameplay. Treffer klingen wuchtig, Fähigkeiten haben klare Audio-Feedbacks, und die Musik treibt die Action ordentlich voran, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Atmosphärisch funktioniert das Spiel – auch wenn es visuell eher pragmatisch bleibt.
Schwierigkeit: Herausfordernd, aber fair
Crimson Capes ist kein Spaziergang. Gerade am Anfang kassiert man ordentlich. Gegner bestrafen Fehler gnadenlos, und wer unbedacht in Gruppen springt, liegt schnell am Boden. Aber: Das Spiel fühlt sich fair an.
Du stirbst selten, weil etwas unklar war. Meistens weißt du genau, was schiefgelaufen ist. Zu gierig gespielt. Zu spät ausgewichen. Falsche Upgrades gewählt. Diese Transparenz ist enorm wichtig – und hier gut umgesetzt.
Mit wachsender Erfahrung merkt man deutlich, wie man besser wird. Man liest Muster schneller, optimiert Builds, bewegt sich flüssiger durch die Arenen. Dieser persönliche Lernprozess ist einer der größten Motivationsfaktoren.

Wiederspielbarkeit: Der Klassiker funktioniert
Die Wiederspielbarkeit entsteht aus mehreren Faktoren: unterschiedliche Helden, variierende Upgrades, zufällige Levelstrukturen und steigende Schwierigkeitsgrade. Jeder Run fühlt sich leicht anders an, auch wenn die Grundmechanik gleich bleibt.
Natürlich wiederholen sich Muster mit der Zeit – das lässt sich bei diesem Genre kaum vermeiden. Aber durch die verschiedenen Spielstile der Charaktere bleibt das Erlebnis lange frisch. Gerade wer gerne experimentiert, findet hier viel Raum für eigene Builds und Strategien.
Kritikpunkte: Mehr Tiefe wäre möglich
So spaßig Crimson Capes ist, es bleibt in manchen Bereichen etwas oberflächlich. Die Story ist minimalistisch, die Welt wird kaum erklärt, und auch die Meta-Systeme könnten langfristig mehr Tiefe vertragen.
Grafisch hätte ich mir etwas mehr Abwechslung in den Umgebungen gewünscht, und manche Animationen wirken noch etwas steif. Das sind keine großen Probleme, verhindern aber den Sprung in die absolute Spitzenklasse. Man merkt, dass hier ein kleines Team am Werk war – mit viel Herz, aber begrenzten Ressourcen.

Fazit: Ehrliche Roguelite-Action mit viel Flow
Crimson Capes ist ein Spiel, das genau weiß, was es sein will: schnelle Action, klare Mechaniken, motivierende Progression. Es erfindet das Genre nicht neu, aber es setzt bekannte Elemente sauber um. Ich hatte viele Abende, an denen ich eigentlich nur kurz reinschauen wollte – und dann doch länger geblieben bin. Genau dieses Gefühl ist für mich der größte Erfolg eines Roguelites.
Poor Locke liefert hier einen Titel ab, der zwar technisch schlicht ist, spielerisch aber überzeugt. Wer schnelle Top-Down-Action mag und Freude an wiederholbaren Runs hat, bekommt hier ein rundes Gesamtpaket.

