Center Ice Hockey (Joonas Kaunisto)
September 2026
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Ein rasantes, körperbetontes Eishockeyspiel. Schieße fulminante Slapshots, spiele Saucer-Pässe, schmeiße Gegner zu Boden und zieh dann die Handschuhe aus, um dich einer Schlägerei zu stellen.
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Entwickler: Joonas Kaunisto
Genre: Sport
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80%
Spielspaß 83%
Wiederspielbarkeit 82%
Langzeitmotivation 65%
Grafik 77%
Umsetzung |
| Es ist kein NHL für den PC und kann technisch selbstverständlich nicht mit einer solchen Produktion konkurrieren. Aber muss es auch nicht. |

Endlich wieder Eishockey auf dem PC
Bei Sportspielen auf dem PC gibt es eine ziemlich merkwürdige Situation. Fußball, Basketball, Motorsport oder Wrestling bekommt man regelmäßig in teilweise riesigen Produktionen serviert, beim Eishockey sieht die Auswahl dagegen erheblich dünner aus. Center Ice Hockey versucht gar nicht erst, diese Lücke mit einer Hochglanzsimulation und tausenden offiziellen Lizenzen zu schließen. Stattdessen konzentriert sich Entwickler Joonas Kaunisto auf etwas wesentlich Bodenständigeres: ein schnelles, körperliches Eishockeyspiel, das unkompliziert zu bedienen ist und trotzdem genügend echte Hockeyregeln besitzt, um sich nicht wie irgendein Partyspiel auf Eis anzufühlen.
Und genau dieser Ansatz gefällt mir. Ich kann harte Checks fahren, Schlagschüsse aufladen, den Puck mit einem Saucer Pass über einen gegnerischen Schläger heben und natürlich auch die Handschuhe fallen lassen, wenn eine Auseinandersetzung endgültig eskaliert. Gleichzeitig gibt es Abseits und andere klassische Bestandteile des Sports. Center Ice Hockey möchte ausdrücklich irgendwo zwischen Arcade-Spiel und echter Eishockeysimulation landen. Das funktioniert nicht immer elegant, aber wesentlich besser, als die einfache Präsentation zunächst vermuten lässt.

Das Spiel will nicht NHL nachbauen
Das merkt man bereits beim ersten Blick. Hier gibt es keine NHL-Lizenz, keine fotorealistischen Arenen und keine originalgetreu nachgebildeten Superstars. Stattdessen steht das eigentliche Spiel auf dem Eis im Mittelpunkt.
Das kann zunächst ernüchternd wirken. Wer moderne Sportspiele gewohnt ist, bei denen bereits der Einlauf der Mannschaften fast wie eine echte Fernsehübertragung inszeniert wird, erlebt hier einen deutlichen Rückschritt bei der Präsentation. Spieler, Arenen und Animationen sind funktional, aber ziemlich einfach gehalten. Schon nach wenigen Minuten wird allerdings deutlich, warum das für mich nicht automatisch ein Problem ist. Ich verbringe kaum Zeit in irgendwelchen Lifestyle-Menüs, öffne keine Kartenpakete und muss auch keinen virtuellen Battle Pass bearbeiten. Ich spiele Eishockey.
Diese Konzentration auf den Sport selbst besitzt etwas angenehm Altmodisches. Man startet ein Match und ist ziemlich schnell mitten im Geschehen. Gerade dadurch erinnert mich Center Ice Hockey eher an ältere Sportspiele, bei denen man nicht erst durch ein halbes digitales Ökosystem navigieren musste, bevor endlich der Puck fällt.
Schnell gelernt, aber nicht völlig anspruchslos
Das Fahrgefühl auf dem Eis ist klar in Richtung Arcade ausgelegt. Spieler reagieren direkt, das Tempo ist hoch und besonders Checks besitzen eine angenehm übertriebene Wirkung. Trotzdem wird nicht einfach nur wild über das Eis gefahren und auf das Tor geschossen.
Pässe spielen eine wichtige Rolle, und insbesondere der erwähnte Saucer Pass eröffnet schöne Möglichkeiten, einen Verteidiger zu überspielen. Schlagschüsse müssen vorbereitet werden, wodurch ich nicht in jeder Situation einfach dieselbe Taste drücken kann. Gleichzeitig muss ich natürlich die Position meiner Mitspieler berücksichtigen.
Gerade deshalb funktioniert die Mischung. Ein kompletter Neueinsteiger versteht relativ schnell, wie er den Puck bewegt und aufs Tor bekommt. Wer länger spielt, beginnt dagegen darüber nachzudenken, wann ein schneller Pass besser ist als ein harter Abschluss oder wie man einen freien Mitspieler überhaupt erst in Position bringt.
Das Ganze besitzt nicht die komplexe Steuerung großer Sportsimulationen. Genau das möchte es aber auch nicht.

Wenn es kracht, macht Center Ice Hockey Spaß
Besonders gelungen finde ich die Körperlichkeit. Eishockey ohne harte Checks würde sich nun einmal falsch anfühlen, und Center Ice Hockey hält sich hier nicht sonderlich zurück.
Wenn ein Gegner mit dem Puck an der Bande entlangläuft und im nächsten Moment auf dem Eis liegt, besitzt das genug Wucht, um befriedigend zu wirken. Noch schöner ist natürlich, wenn die Situation komplett eskaliert und die Handschuhe fallen.
Die Kämpfe sind dabei eher Teil des Arcade-Charakters als eine besonders tiefgehende Simulation. Das stört mich aber überhaupt nicht. Sie gehören zu dieser etwas raueren Interpretation des Sports und lockern ein Match auf.
Allerdings merkt man bei den Animationen erneut das begrenzte Budget. Kollisionen wirken nicht immer natürlich und manche Bewegungen können etwas steif aussehen. Gerade wenn mehrere Spieler gleichzeitig um den Puck kämpfen, entsteht gelegentlich ein kleines Durcheinander.
Eine komplette Saison mit 32 Mannschaften
Wer nicht nur einzelne Partien spielen möchte, bekommt eine vollständige Saison mit 32 Teams. Das ist für mich enorm wichtig, weil ein Sportspiel langfristig irgendeinen Wettbewerb benötigt. Ein paar Exhibition-Matches wären zwar nett für zwischendurch, würden mich aber kaum über längere Zeit beschäftigen.
Eine Saison verändert sofort, wie ich einzelne Spiele wahrnehme. Niederlagen sind nicht mehr egal, weil sie Einfluss auf die Tabelle haben. Gleichzeitig entsteht über mehrere Partien automatisch eine Beziehung zur eigenen Mannschaft.
Natürlich darf man hierbei keine Managementsimulation erwarten. Center Ice Hockey möchte nicht plötzlich mit einem komplexen Franchise-Modus voller Gehaltsobergrenzen, Scoutingabteilungen und Vertragsverhandlungen konkurrieren. Der Schwerpunkt bleibt klar auf den Spielen selbst.
Für mich ist das vollkommen in Ordnung. Gerade durch die relativ unkomplizierte Struktur eignet sich eine Saison hervorragend für Spieler, die einfach einige Partien hintereinander absolvieren möchten, ohne zwischendurch eine halbe Stunde Tabellenkalkulation zu betreiben.

Die Karriere ist überraschend ambitioniert
Interessanter finde ich ohnehin den Karrieremodus. Ich erstelle einen eigenen Spieler, verteile Fähigkeitspunkte und begleite ihn anschließend über mehrere Spielzeiten hinweg. Laut Entwickler kann diese Karriere sogar über Jahrzehnte laufen. Besonders gute Leistungen können dazu führen, dass der eigene Spieler für die Nationalmannschaft ausgewählt wird.
Das ist für ein derart kleines Sportspiel erstaunlich ambitioniert.
Genau solche Modi können einen langfristig an ein Spiel binden. Ein einzelnes Match ist irgendwann vergessen, aber wenn mein eigener Spieler mehrere Saisons hinter sich hat und sich langsam vom Nachwuchsspieler zum Star entwickelt, entsteht automatisch eine kleine persönliche Geschichte.
Natürlich ist auch hier die Inszenierung relativ schlicht. Ich bekomme keine aufwendigen Pressekonferenzen oder cineastische Karrieregeschichte. Der Reiz liegt stärker in Zahlen, Entwicklung und den eigentlichen Spielen.
Das ist weniger spektakulär, aber für mich teilweise sogar angenehmer. Die Karriere dreht sich um Eishockey und nicht darum, welche Sonnenbrille mein virtueller Sportler in der nächsten Zwischensequenz trägt.
Gemeinsam Karriere machen ist eine richtig gute Idee
Noch interessanter wird dieser Modus dadurch, dass Freunde mit eigenen Spielern derselben Karriere beitreten können. Steam führt sowohl Online-Koop als auch lokalen Splitscreen-Koop und Remote Play Together auf.
Die Idee gefällt mir ausgesprochen gut. Eine Saison gemeinsam mit Freunden zu spielen und dabei jeweils einen eigenen Charakter weiterzuentwickeln, besitzt wesentlich mehr Reiz als einfach ständig einzelne Freundschaftsspiele gegeneinander auszutragen.
Gerade im Koop dürfte Center Ice Hockey seine größte Stärke entwickeln. Wenn mehrere Menschen tatsächlich zusammenspielen müssen, werden Pässe, Laufwege und Positionierung automatisch interessanter. Gleichzeitig sorgt die Arcade-Ausrichtung dafür, dass nicht jeder Mitspieler vorher zwanzig Stunden trainieren muss.
Natürlich hängt der Online-Bereich langfristig davon ab, wie groß die Community überhaupt wird. Das ist bei einem kleinen Indie-Sportspiel immer ein Risiko. Wer hauptsächlich mit einer festen Freundesgruppe spielt, umgeht dieses Problem dagegen vollständig.

Der Editor ist wichtiger als offiziellen Lizenzen
Besonders sinnvoll ist deshalb der umfangreiche Team- und Spielereditor. Mannschaften und Spieler können angepasst und komplette Roster-Sets anschließend gespeichert und wieder geladen werden.
Gerade weil keine großen offiziellen Lizenzen vorhanden sind, ist das praktisch unverzichtbar. Spieler können ihre eigene Liga bauen, Mannschaften anpassen oder einfach einen komplett persönlichen Wettbewerb zusammenstellen.
Das verlängert die Lebensdauer enorm. Eine lizenzierte Mannschaft ist irgendwann veraltet, wenn Transfers stattgefunden haben. Ein guter Editor ermöglicht dagegen, den eigenen Datenbestand selbst weiterzuführen.
Ich hätte mir allerdings noch stärkere Möglichkeiten zum unkomplizierten Teilen solcher Roster gewünscht. Gerade bei Sportspielen kann eine engagierte Community fehlende Lizenzen erstaunlich gut kompensieren, wenn der Austausch entsprechend komfortabel funktioniert.
Optisch muss man wirklich beide Augen zudrücken
Bei der Grafik gibt es dagegen wenig schönzureden. Center Ice Hockey sieht sehr einfach aus.
Spielermodelle, Eisfläche, Arenen und Benutzeroberfläche vermitteln klar den Eindruck eines kleinen Indie-Projekts. Animationen sind zweckmäßig und es fehlt praktisch vollständig an der Präsentation, die moderne Sportspiele über Kamerafahrten, Wiederholungen und Arenaatmosphäre erzeugen.
Das muss man mögen beziehungsweise akzeptieren können.
Für mich funktioniert die Darstellung gerade noch ausreichend, weil auf dem Eis alles Wichtige gut erkennbar bleibt. Ich sehe Mitspieler, Gegner und Puck und kann die Situation schnell einschätzen. Viel mehr sollte man allerdings nicht erwarten.
Auch die Systemanforderungen zeigen, wie technisch genügsam das Spiel ist: Die Steam-Seite nennt unter anderem lediglich eine GeForce GT 1030 als Mindestanforderung und gerade einmal rund 500 MB Speicherplatz.
Das ist einerseits sympathisch, andererseits natürlich auch ein ziemlich guter Hinweis darauf, dass hier kein audiovisuelles Spektakel wartet.

Nur Englisch ist unnötig
Ein weiterer kleiner Kritikpunkt betrifft die Sprache. Momentan gibt es ausschließlich eine englische Oberfläche.
Das Spiel ist zwar nicht besonders textlastig, weshalb man auch mit relativ geringen Englischkenntnissen zurechtkommen sollte. Trotzdem wäre gerade bei Menüs, Karriereentwicklung und Editoren eine deutsche Übersetzung angenehm.
Bei einem Solo- beziehungsweise Kleinstprojekt kann ich nachvollziehen, dass nicht sofort zehn Sprachen angeboten werden. Langfristig wäre eine Erweiterung der Lokalisierung trotzdem wünschenswert.
KI wurde für Sound, Musik und das Interfaces verwendet
Erwähnenswert ist außerdem die auf Steam ausgewiesene Nutzung generativer KI. Laut Entwickler wurden damit Soundeffekte, Musik und einige Elemente der Benutzeroberfläche erstellt.
Für die spielerische Bewertung verändert das für mich zunächst wenig. Entscheidend ist, wie gut das Endergebnis funktioniert. Sound und Musik erfüllen ihren Zweck, gehören allerdings ebenfalls nicht zu den Bereichen, wegen denen ich Center Ice Hockey besonders hervorheben würde.
Positiv finde ich zumindest, dass die Verwendung klar auf der Produktseite angegeben wird. Wer darauf Wert legt, kann diese Information entsprechend in seine eigene Kaufentscheidung einbeziehen.

Das größte Problem ist gleichzeitig seine größte Stärke
Center Ice Hockey ist bewusst schlicht. Genau das macht es angenehm direkt, setzt ihm aber auch klare Grenzen.
Die Steuerung ist zugänglich, dadurch fehlen manche feineren Möglichkeiten einer aufwendigen Simulation. Die Präsentation konzentriert sich auf das Wesentliche, dadurch fehlt Atmosphäre. Die Karriere verzichtet auf große Zwischensequenzen und Nebengeschichten, dadurch ist sie angenehm schnell, kann aber auch trocken wirken.
Dieses Spiel wird deshalb vermutlich stark davon abhängen, was man eigentlich sucht.
Wer ein modernes NHL-ähnliches Hochglanzprodukt erwartet, wird nach wenigen Minuten enttäuscht sein. Wer dagegen einfach ein unkompliziertes Eishockeyspiel für den PC sucht, das sich schnell starten lässt und trotzdem Saison, Karriere und Multiplayer bietet, findet hier überraschend viel.
Fazit
Center Ice Hockey ist wahrscheinlich eines dieser Spiele, bei denen Screenshots eher abschrecken können, obwohl das eigentliche Konzept ziemlich gut funktioniert. Grafisch sieht es schlicht aus, die Präsentation ist minimalistisch und manche Animationen lassen deutlich erkennen, dass hier kein großes Studio mit einem Millionenbudget gearbeitet hat.
Sobald der Puck fällt, wird das aber wesentlich weniger wichtig.
Das schnelle Arcade-Fahrgefühl passt gut zum Sport, Checks besitzen genügend Wucht und Schlagschüsse, Saucer Pässe sowie echte Hockeyregeln verhindern, dass daraus nur ein beliebiges Partyspiel auf Eis wird. Besonders gefällt mir, dass die Steuerung zugänglich bleibt, ohne das komplette Eishockey auf einen einzigen Knopf zu reduzieren.
Auch beim Umfang steckt mehr drin, als ich zunächst erwartet hätte. Exhibition wäre selbstverständlich, eine komplette 32-Team-Saison ist bereits deutlich interessanter und der über mehrere Spielzeiten beziehungsweise Jahrzehnte ausgelegte Karrieremodus ist für ein solches Indie-Projekt erstaunlich ambitioniert. Dass Freunde sogar mit eigenen Charakteren in derselben Karriere spielen können, ist eine richtig schöne Idee.
Dazu kommt der Editor, der zumindest einen Teil der fehlenden offiziellen Lizenzen auffängt und langfristig eine eigene Hockeywelt ermöglicht.
Die Schwächen liegen ebenso offen auf dem Eis. Grafik und Präsentation sind ziemlich rudimentär, die Karriere wird eher funktional als spektakulär erzählt und eine deutsche Übersetzung fehlt. Auch beim Multiplayer bleibt abzuwarten, ob sich langfristig genügend Spieler finden. Bei einem Titel mit aktuell gerade einmal vier Steam-Rezensionen würde ich mich nicht darauf verlassen, jederzeit problemlos fremde Gegner zu finden.
Trotzdem hat Center Ice Hockey etwas, das mir bei vielen größeren Sportspielen zunehmend fehlt: Es möchte einfach den Sport spielen lassen. Keine Kartenpakete, kein riesiger Lifestyle-Hub und kein Menü voller täglicher Aufgaben stehen zwischen mir und dem nächsten Match.
Es ist kein NHL für den PC und kann technisch selbstverständlich nicht mit einer solchen Produktion konkurrieren. Aber vielleicht muss es das gar nicht. Als kleines, direktes und überraschend umfangreiches Eishockeyspiel funktioniert Center Ice Hockey deutlich besser, als seine einfache Optik vermuten lässt.



