Quarantine Zone: The Last Check (Devolver Digital)
Januar 2026
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Übernimm den Befehl über einen Kontrollpunkt in einer zusammenbrechenden Stadt. Überprüfe Überlebende, verwalte Ressourcen und halte die untoten Horden in Schach. Jede Entscheidung zählt und jeder Fehler könnte die Seuche hinter deine Mauern tragen.
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Entwickler: Brigada Games
Genre: Simulation
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84%
Spielspaß 82%
Wiederspielbarkeit 83%
Langzeitmotivation 78%
Grafik 86%
Umsetzung |
| Quarantine Zone: The Last Check ist kein Spiel, das dich anschreit. Es flüstert. Und genau deshalb bleibt es hängen. |

Ein Stempel entscheidet über Leben und Tod
Manchmal sind es nicht die großen Explosionen oder die epischen Bosskämpfe, die ein Spiel spannend machen. Manchmal reicht ein Schreibtisch, ein Stempel und eine Schlange nervöser Menschen. Quarantine Zone: The Last Check gehört genau in diese Kategorie. Es ist eines dieser Spiele, die auf den ersten Blick simpel wirken – und dich dann langsam, fast unmerklich, in ihren Bann ziehen.
Ich hatte ehrlich gesagt nicht erwartet, dass mich ein Spiel über Grenzkontrollen, Seuchenprävention und moralische Entscheidungen so packen würde. Doch nach wenigen Minuten war ich drin. Nicht wegen Action, sondern wegen Verantwortung.
Ein Kontrollposten am Ende der Welt
Das Szenario ist schnell erklärt: Eine unbekannte Krankheit hat große Teile der Welt lahmgelegt. Du arbeitest an einem Checkpoint, der letzte Filter zwischen relativer Sicherheit und absolutem Chaos. Menschen kommen zu dir – Familien, Einzelpersonen, Soldaten, Flüchtlinge – und du musst entscheiden, wer passieren darf und wer nicht.
Du prüfst Dokumente, scannst Körperwerte, analysierst Symptome, vergleichst Angaben. Klingt trocken? Ist es nicht. Denn jede Person bringt ihre eigene kleine Geschichte mit. Manche sind offensichtlich krank, andere wirken gesund, haben aber verdächtige Papiere. Wieder andere erzählen dir von Kindern, die auf sie warten, oder von Eltern, die sie zurücklassen mussten.
Und plötzlich ist es nicht mehr nur ein Spiel. Es ist eine Abfolge von Entscheidungen, bei denen du ständig abwägst: Sicherheit gegen Mitgefühl. Ordnung gegen Menschlichkeit.

Gameplay: Beobachten, vergleichen, entscheiden
Spielmechanisch erinnert Quarantine Zone: The Last Check an Titel wie Papers, Please, geht aber seinen eigenen Weg. Du hast verschiedene Werkzeuge zur Verfügung: Dokumentenscanner, Fiebermessgeräte, Datenbanken, später auch mobile Labore. Mit jedem Fortschritt werden die Prüfungen komplexer.
Anfangs reicht es, Ausweise mit Gesichtern abzugleichen. Später musst du medizinische Werte interpretieren, Aussagen überprüfen und versteckte Symptome erkennen. Die Menschen werden kreativer, versuchen dich zu täuschen, manipulieren ihre Unterlagen oder verschweigen Informationen.
Was mir besonders gefallen hat: Das Spiel gibt dir keine perfekte Lösung. Du arbeitest mit Wahrscheinlichkeiten. Mit Bauchgefühl. Mit Erfahrung. Manchmal liegst du richtig. Manchmal nicht. Und die Konsequenzen zeigen sich erst später.
Ein Fehlurteil kann bedeuten, dass eine infizierte Person ins Lager gelangt – mit fatalen Folgen. Eine falsche Ablehnung kann eine unschuldige Familie ins Niemandsland schicken.
Dieses ständige Abwägen erzeugt eine leise, aber dauerhafte Spannung.
Moral als zentrales Spielelement
Das Herzstück von Quarantine Zone ist nicht das Prüfen von Papieren – es ist die moralische Belastung. Du bist kein Held. Du bist Teil eines Systems. Du folgst Befehlen, bekommst Quoten vorgegeben, wirst bewertet nach Effizienz.
Aber gleichzeitig siehst du die Gesichter der Menschen. Hörst ihre Stimmen. Spürst ihre Angst.
Ich hatte mehrere Momente, in denen ich bewusst gegen die Regeln entschieden habe. Nicht, weil es spielerisch sinnvoll war, sondern weil es sich menschlich richtig anfühlte. Und das Spiel merkt sich das. Deine Entscheidungen beeinflussen den Verlauf der Geschichte, die Entwicklung des Camps und dein eigenes Standing innerhalb der Organisation.
Das ist kein Schwarz-Weiß-System. Es gibt keine klaren „guten“ Enden. Jede Entscheidung hinterlässt Spuren.

Atmosphäre: Beklemmend ruhig
Grafisch ist Quarantine Zone: The Last Check zurückhaltend, fast schon minimalistisch. Keine überladenen Effekte, keine spektakulären Kamerafahrten. Stattdessen graue Kontrollräume, provisorische Zelte, triste Außenbereiche.
Und genau das funktioniert hervorragend. Die visuelle Kälte verstärkt das Gefühl von Isolation. Die Welt wirkt ausgezehrt, müde, angespannt.
Der Sound trägt enorm zur Atmosphäre bei. Gedämpfte Umgebungsgeräusche, leise Stimmen, gelegentlich entfernte Sirenen. Musik wird sparsam eingesetzt, meist nur in entscheidenden Momenten. Das erzeugt eine bedrückende Ruhe, die unter die Haut geht.
Man fühlt sich oft allein, selbst wenn ständig Menschen vor einem stehen.
Progression und Spieltiefe
Mit der Zeit schaltest du neue Systeme frei: erweiterte Diagnosegeräte, zusätzliche Kontrollmechaniken, komplexere Fälle. Das Spiel wird anspruchsvoller, ohne unfair zu sein.
Besonders gelungen finde ich, dass die Schwierigkeit nicht über Reaktionsgeschwindigkeit geregelt wird, sondern über Informationsdichte. Du musst mehr Dinge gleichzeitig im Blick behalten. Mehr Details abgleichen. Mehr Risiken einschätzen.
Die Kampagne entfaltet sich langsam und erzählt ihre Geschichte in kleinen Fragmenten: Funksprüche, interne Memos, Gespräche mit Kollegen. Stück für Stück entsteht ein größeres Bild von der Welt außerhalb deines Kontrollpostens.

Wiederspielbarkeit durch alternative Entscheidungen
Ein großer Pluspunkt ist die Wiederspielbarkeit. Deine Entscheidungen führen zu unterschiedlichen Entwicklungen. Andere Charaktere tauchen auf, bestimmte Handlungsstränge öffnen oder schließen sich. Man merkt schnell: Das Spiel ist darauf ausgelegt, mehrfach erlebt zu werden.
Beim zweiten Durchgang geht man anders an Situationen heran. Man erkennt Muster, hinterfragt frühere Entscheidungen, experimentiert mit neuen Ansätzen. Das macht Quarantine Zone deutlich langlebiger, als es auf den ersten Blick wirkt.
Kritikpunkte: Monotonie und begrenzter Umfang
So stark das Konzept ist, es gibt auch Schwächen. Nach einigen Stunden stellt sich eine gewisse Routine ein. Die Grundmechanik bleibt gleich, auch wenn neue Werkzeuge dazukommen. Wer mit dem Kernprinzip nicht warm wird, wird hier nicht plötzlich bekehrt.
Auch der Umfang ist überschaubar. Die Kampagne ist gut strukturiert, aber nicht riesig. Einige Spielabschnitte hätten etwas mehr Abwechslung vertragen, etwa durch zusätzliche Szenarien oder Außenmissionen.
Technisch lief das Spiel bei mir stabil, allerdings wirken manche Animationen etwas steif, und die Charaktermodelle könnten mehr Ausdruck vertragen.
Das sind keine gravierenden Probleme, aber spürbare Einschränkungen.

Fazit: Ein stilles Spiel mit großer Wirkung
Quarantine Zone: The Last Check ist kein Spiel, das dich anschreit. Es flüstert. Und genau deshalb bleibt es hängen.
Ich habe selten ein Spiel erlebt, das Verantwortung so greifbar macht. Jede Entscheidung fühlt sich schwer an. Nicht wegen einer Punkteanzeige, sondern wegen der Konsequenzen, die man sich selbst ausmalt.
Es ist ein Spiel für ruhige Abende. Für Spieler, die gerne nachdenken. Für Menschen, die nicht nur gewinnen wollen, sondern erleben.
Brigada Games und Devolver Digital liefern hier ein kleines, aber intensives Erlebnis ab – eines, das nicht durch Action überzeugt, sondern durch Atmosphäre und moralische Tiefe.

