Was ein ansprechendes Buchcover ausmacht

Der erste Eindruck entscheidet – auch bei Büchern

„Don’t judge a book by its cover“: Beurteile ein Buch nicht nach seinem Umschlag, so heißt es. Verlagsleiter, Buchhändler und nicht zuletzt Autoren würden dieser Weisheit jedoch einhellig widersprechen. Ihnen liegt es am Herzen, dass ein Buch so oft wie möglich verkauft wird. Ein wichtiges Lockmittel dafür ist sein äußeres Erscheinungsbild. Als Grafikdesigner sollte man besser auf tausendfach genutzte Klischees verzichten und zum Beispiel nicht jeden Krimi mit Absperrband bebildern. Vielmehr ist Originalität und Kreativität gefragt, um potenzielle Leser schon auf den ersten Blick zu überzeugen.

Inkunabel aus dem 15. Jahrhundert

Ansprechender Buchdeckel

Es gibt kein ultimatives Geheimrezept, wie das ideale Buchcover aussehen soll – auch wenn der Blick in den Buchladen manchmal etwas anderes suggeriert. Ein Umschlag sieht dort oft dem nächsten zum Verwechseln ähnlich, vor allem im gleichen Genre muss man zuweilen zweimal hinschauen, um die Unterschiede zu erkennen. Apropos Genre: Dieses spielt auch eine große Rolle für die Gestaltung des Buchdeckels. Ein Kinderbuch muss zwingend anders aussehen als ein Krimi, und der Krimi sollte sich deutlich von einem Ratgeber unterscheiden. Bei Kinderbüchern besteht zum Beispiel die Herausforderung an den Grafikdesigner, dass das Cover gleich zwei Zielgruppen ansprechen muss, nämlich sowohl das Kind als auch seine Eltern. Vor allem bei kleinen Kindern ist der ideale Weg, exakt das auf dem Umschlag zu zeigen, was im Buch passiert. Das regt ihre Fantasie an und überfordert sie gleichzeitig nicht. Je älter die kindliche Zielgruppe ist, desto mehr kann man mit hintergründiger Bildsprache auf dem Cover arbeiten. Ähnlich verhält es sich mit Büchern aus dem Fantasy-Genre. Auch dort ist es den Lesern sehr wichtig, dass sie auf dem Cover Figuren zu sehen bekommen, die ihnen auch im Buch begegnen. Handelt es sich um einen Fortsetzungsroman mit etablierten Helden und Bösewichten, achtet die Stammleserschaft penibel darauf, dass jedes kleine Detail im Erscheinungsbild stimmt. Bei Unterhaltungsromanen dagegen hängt die Gestaltung des Covers von vielen Faktoren ab, etwa vom Inhalt, vom Ton des Buches und von der Vorstellung des Autors. Was nicht zu vernachlässigen ist, ist die Zugkraft des Verfassers selbst: Wurde das Buch nämlich von einem renommierten Autor geschrieben, ist das vor allem für seine Fans das beste Argument für einen Kauf. Daher gilt: Je bekannter der Autor, desto größer sollte sein Name auf dem Cover prangen. Dann ist auch kein ausgeklügeltes Design mehr nötig.

Cover von Old Surehand (1904); Sascha Schneider

Preisgekrönte Buchcover

So wie es regelmäßig Preisverleihungen für inhaltlich ansprechende Bücher gibt, so werden auch Auszeichnungen für die schönsten Buchcover verliehen. Einen der renommiertesten Preise für Buchdeckel vergibt die Academy of Book Cover Design jedes Jahr an Erzeugnisse auf dem britischen Buchmarkt. In zehn Kategorien werden Awards verteilt, von Kinder- über Jugendbücher bis hin zu Science-Fiction/Fantasy und Thriller reicht die Spanne. Die Preisträger aus dem Jahr 2018 zeigen deutlich, wie vielfältig der Buchmarkt auch in Sachen Cover ist. In der Kategorie „Kinderbuch von 0 bis fünf Jahre“ hat „Jill & Lion“ von Lesley Barnes gewonnen, auf dessen Umschlag ein fröhliches kleines Mädchen auf einem Löwen reitet. Der Stil der Illustration ist zielgruppengerecht und verdeutlicht, wer die Protagonisten des Buches sind. In der Kategorie „Sci-Fi/Fantasy“ gewann das Buch „The Handmaid’s Tale“ von Margaret Atwood, das auf eine simple, aber effektive Gestaltung setzt. Zu sehen ist eine rote Form vor schwarzem Hintergrund, die erst auf den zweiten Blick als weiblicher Körper in einem Kleid erkennbar ist. Auf dem Kleid sitzt ein weißes Dreieck, das die Haube der Dame darstellen soll. Bereits seit 1991 findet die Ausstellung „Schönste Bücher aus aller Welt“ auf der Leipziger Buchmesse statt. In ihrem Rahmen werden die ansprechendsten Cover des Jahres mit einer Goldenen Letter sowie diversen Medaillen ausgezeichnet. Im Jahr 2018 ging die Goldene Letter für das schönste Buch an „Heimat, Handwerk und die Utopie des Alltäglichen“ von Uta Hassler. Das im Hirmer Verlag erschienene Buch ist in Rochen- und Echsenhaut gebunden, der Titel ist in goldenen Buchstaben darauf geprägt.

Quellen:

https://www.sueddeutsche.de/kultur/literatur-wie-sieht-das-perfekte-buchcover-aus-1.3249138

https://page-online.de/bild/beste-buchcover-des-jahres-praemiert/

https://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6nste_B%C3%BCcher_aus_aller_Welt

http://www.stiftung-buchkunst.de/de/schoenste-buecher-aus-aller-welt/2018/goldene-letter.html

Mediennerd
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