Mediennerd unterwegs mit der Cap San Diego von Hamburg nach Cuxhaven

Der Mediennerd war am 07.07.2017 mit dem Museumsschiff Cap San Diego unterwegs auf einer Flussfahrt von Hamburg die Elbe hoch nach Cuxhaven. 

Cap San Diego

Mediennerd unterwegs mit der Cap San Diego

Wie ihr auf dem Bild oben seht fange ich an mit der Ankunft in Cuxhaven, das hat den einfachen Grund weil ich bei der Anreise in Hamburg kein gutes Bild geschossen hatte von der Cap San Diego. Nicht weil die Möglichkeit nicht gegeben war, sondern vielmehr weil ein Schiff aus Peru abgelegt hatte. Ihr werdet euch nun fragen „Na und?“ Aber schaut euch einfach mal das folgende Bild genauer an, dann werdet ihr verstehen, warum ich zunächst kein Auge für die Cap San Diego hatte.

Wahnsinn, Schiff aus Peru

Der absolute Wahnsinn oder? So etwas habe ich also im Leben noch nicht gesehen, das war ein toller Zufall, dass wir das sehen durften. Später hat uns ein Techniker von der Cap San Diego dann erzählt wie toll die Feier der Peruaner am Abend davor war, welche tolle Musik die gespielt haben, ein tolles Fest muss das gewesen sein.

Da merkt ihr schon, dass wir Freude an diesem Ausflug hatten, denn dieser Techniker war nicht der einzige mit dem wir ins Gespräch gekommen sind, mit vielen anderen ebenso, vor allem aber Mitarbeitern der Cap San Diego, das meistens ältere Seemänner sind, die das ehrenamtlich machen. Man wird auch angesprochen von denen, die erzählen dann ihre Lebensgeschichte und man merkt das sie die Arbeit mit großer Liebe machen. Ich war von diesen Geschichten sehr begeistert.

Cap San Diego

Auf dem Schiff selbst war die Stimmung gut. Wir wurden freundlich begrüßt, gingen erst einmal ganz nach oben um die beste Aussicht zu haben beim Ablegen. Da haben zwei Schlepper geholfen. Wir bekamen, das war im Preis enthalten, Gutscheine für Kaffee, Kuchen, Mittag und Softgetränke. Dann haben wir erst einmal in Ruhe einen bzw. Kaffee getrunken, die Luft genossen und uns so richtig schön entspannt. Das Schiff, wie ihr auf dem ersten Bild sehen könnt, war sehr voll, um die 400 Menschen waren es wohl laut Angabe eines Mitarbeiters. Trotzdem hatte man nie das Gefühl irgendwo lange anzustehen, das hat sich auf dem großen Schiff durchaus verlaufen.

Die ersten 2 Stunden haben wir im Grunde nur über die Rehling geschaut und die Aussicht genossen, dann ging es auch schon zum Mittagessen. Ganz nach unten in den Bauch des Schiffes, in alte Lagerräume, entsprechend war auch das Licht. Sehr dunkel mit Teelichtbeleuchtung, weil die alten funzeln wohl nicht mehr ausgereicht haben. Aber Spaß beiseite, das war auf irgendeine Art und Weise auch romantisch.

Cap San Diego

Das Mittagessen selbst war nicht so schön, muss ich leider gestehen. Es gab so Rinderbraten Stücke, für Vegetariere Bratlinge und Dampfkartoffeln. Das wars, keine Abwechslung, kein Hang zum Maritimen. Ich hätte gedacht es würde Fisch in irgendeiner Variation geben, das hätte zumindest gepasst. Zum Essen spielte eine Live-Band, die ebenfalls bei der Begrüßung und bei der Verabschiedung spielte. In dieser Zeit haben sie bestimmt gefühlte 100 Lieder gesungen, aber nur zwei Seemannslieder. Also auch da fehlte das Maritime. Versteht mich nicht falsch, ich will gar nicht viel meckern, aber ich habe für den im Vergleich zu anderen Reisen hohen Preis doch etwas mehr erwartet, was das Ambiente angeht. Vieles sieht auch einfach nicht mehr schön aus, oder man hat sich einfach keine Mühe gegeben es für Besucher schön zu machen. Zweckmäßig ja, schön leider nicht.

Cap San Diego

Auf den ersten schnellen Blick ist die Cap San Diego ein schönes stolzes Schiff. Näher betrachtet sieht man aber erst das es die Jahre auch auf dem Buckel hat. Manche Dinge sind meines erachtens aber auch zu gefährlich. Wie auf dem Bild zu sehen eine Stelle in der Planke, bei der meine Freundin mit dem Stuhl fast einen Abgang gemacht hätte, weil ein Stuhlbein da genau drinnen stand. Ich sage jetzt mal, dass man das mal weiter denken muss. Was wenn eine Rentnerin da gesessen hätte, was wenn die sich nicht gehalten hätte usw. Solche stellen gibt es zu Hauf. Dazu viele Ecken die dreckig und rostig sind. Wenn man sich also die Zeit nimmt alles ganz genau anzuschauen dann fragt man sich irgendwann ob die Reise das Geld wert ist? Raum für Kritik muss sein meiner Meinung nach. Als Sitzmöglichkeiten gab es an einem Kaffee gemütliche Holzstühle, an Deck leider nur vereinzelnd Bierzeltgarnituren, aber was für alte Dinger. Wie ich weiter oben schon schrieb, zweckmäßig, aber weit entfernt von jeglichem Komfort oder Schönheit.

Kunst

Wo ich gerade von Zweckmäßigkeit und Schönheit rede. In zwei weiteren Laderäumen der Cap San Diego fand eine Kunstausstellung statt. Der Künstler heißt Heino Karschewski, manchen vielleicht bekannt. Mir war er bisher kein Begriff und ich habe die Ausstellung genossen, wenn sie auch eher lieblos präsentiert wurde im Lagerraum der Cap San Diego. Lediglich ein Raum war für die Bilder schön hergerichtet.

Heino Karschewski

Das Highlight der Reise war das anschließende Gespräch mit dem Künstler Heino Karschewski und seiner Frau. Beide waren total sympathisch und wir haben uns sehr angeregt unterhalten. Für meine Freundin und mich stand fest, wenn wir mal dürfen, würden wir die beiden gerne in ihrem Atelier besuchen kommen. Kunst kann so spannend sein, man mag es kaum glauben, aber alleine deswegen war es die Reise dann doch schon wieder wert.

Nach diesem tollen Gespräch und den tollen Impressionen gab es dann Kaffee und Kuchen. Leider zeigte sich dort erneut ein Kritikpunkt. Bei der Kuchenvergabe erklärte mir die nette junge Frau es handelt sich bei einer Sorte um Käsekuchen. Lecker, passt, denn Käsekuchen ist so das einzige was ich wirklich gerne esse. Es war dann aber Stachelbeerkuchen. Diese total sauer, wie ich dann auch. Ich habe den dann einfach in den Mülleimer geschmissen, war eh egal, da landete alles drinnen, keine Mülltrennung. Das Essen hatte da eh keinen Spaß gemacht, es ist nicht so stilvoll von Papptellern zu essen mit Plastikgeschirr.

Schlepper

Ein Highlight war dann wieder das Anlegen und das einfahren in den Cuxhaver Hafen sozusagen. Da wurde das Schiff von zwei Schleppern gewendet, ein interessantes Manöver.

Ich glaube ihr habt nun einen ersten Eindruck von der Fahrt mit der Cap San Diego bekommen. Es gab vieles Schönes, aber auch vieles was negativ aufgefallen ist. Um das noch einmal zusammenzufassen: Das schöne war die Kunst, die Seeluft, die Entschleunigung, die Gespräche mit der Besatzung. Das negative war der Zustand des Schiffes hier- und da und das Ambiente. Mir fehlte der Flair einer Seefahrt. Ich kam mir ab und an vor wie Massenware. Die ganze Reise kam mir nicht so vor als wenn sich das jemand überlegt hätte was zueinander passen würde, versteht ihr was ich meine? Zu einer Schifffahrt gehört maritime Musik, ein Shanty Chor oder was ähnliches. Stattdessen Musiker die Lieder von Elvis spielen.

CAP SAN DIEGO – Heimathafen Hamburg (Gebundene Ausgabe)


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Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher ob ich diese Fahrt weiterempfehlen würde. Sicher wären 30-40 EUR weniger ein fairerer Preis meiner Meinung nach, aber das muss letztendlich jeder selbst entscheiden, Meine Freundin und ich hatten viel Spaß, haben die Luft, das Wasser und die Leute sehr genossen. Das ist wohl das was zählt, daher müsst ihr selbst entscheiden ob ihr diese Fahrt auch macht. In diesem Sinne, ahoi.

Mediennerd
Medienproduzent/Blogger, Katzenliebhaber und 1. FC Köln Fan im hohen Norden. Mit meiner Berufs- und Lebenserfahrung teste und vermarkte ich seit 2009 Produkte aller Art. Sie erhalten immer ein ehrliches Feedback.